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Wir haben Sorgen (Der Cellist von Sarajevo)

17. Februar 2011

Man kann nicht mehr sagen, welche Version der Lüge die Wahrheit ist.

Sarajevo? Genau, so eine Stadt auf dem Balkan. Da war doch was. Irgendwann ein Krieg. Egal. Kriege gibt es immer und Elend überall.

Da setzt sich einer in die Ruinen und spielt Cello. Jeden Tag, zweiundzwanzig Tage lang. Während dessen schießen die Heckenschützen munter weiter. Das ist wirklich passiert. So. Der es aufgeschrieben hat, ist nicht dabei gewesen. Ist auch nicht nötig; er schreibt auf was passiert, wenn Häuser kaputt gehen. Wenn Menschen kaputt gehen. Wenn Beziehungen kaputt gehen. Von jetzt auf gleich oder allmählich. Oder beides.

Was geht in Menschen vor, die in Angst leben, die Wut haben, die resignieren oder sich auflehnen? Krieg braucht niemand. Man braucht Empathie; Orte sind austauschbar. Einmal, in dieser Geschichte, sagt Emina zu Dragon: … Ich habe Angst davor, dass es immer so bleibt, dass es gar kein Krieg ist, sondern einfach so, wie das Leben sein wird.

Wir haben Sorgen.
Eine gute Geschichte muss nicht unbedingt schön sein. Aktuell ist sie irgendwie immer.

Steven Galloway, Der Cellist von Sarajevo. Roman, btb ISBN: 978-3-442-73892-2
(in ordentlichen Buchhandlungen und öffentlichen Bibliotheken).

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From → Liebe, Musik

10 Kommentare
  1. Hab das Buch hier liegen. Hast du den Film welcome to Sarajevo gesehen? LG Xeniana

    Gefällt 1 Person

  2. mickzwo permalink

    Hat dies auf Alles mit Links. rebloggt und kommentierte:

    Sie dazu auch: E. Kästner, Fantasie von Übermorgen.

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  3. Klausbernd permalink

    Schöne, aktuelle Buchvorstellung. 🙂
    Warum sind gerade die Cellisten die Hoffnungsgebenden? Das muss doch irgendwie mit dem Cello zu tun haben, das doch meistens in der Literatur wie bei Herbjörg Wassmo eine sexuelle Konnotation besitzt. Ich habe keine Ahnung, kenne mich dafür zu wenig in der Musik aus.
    Ich wünsche dir ein rundum angenehmes Wochenende
    Klausbernd

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    • mickzwo permalink

      Ich glaube nicht, dass es in diesem Falle etwas mit dem Ansatz von Wassmo zu tun hat. Allerdings habe ich über diesen Punkt noch gar nicht nachgedacht. Die erste Lehrerin, die mich gefördert hat, spielte so ein ähnliches Instrument. Da war ich zehn oder elf. Das war ja auch irgendwie ‚Hoffnung‘ geben, wenn auch die Situation mit der in dem Buch nicht zu vergleichen war.
      Es gibt immer etwas zu staunen,

      Viele liebe Grüße, mick.

      Gefällt 2 Personen

  4. Eine sehr passende Buchvorstellung. Aber wann passt so ein Buch schonmal nicht? Gruss, Peggy

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      In Dresden, im WK II, hat es auch so einen Cellisten gegeben. Mit genau den gleichen Auswirkungen. Sie beide, der von Dresden und der von Sarajevo, stehen stellvertretend für all die Namenlosen, die Hoffnung geben, wo es doch so hoffnungslos erscheint. Egal wann, egal wo
      Gruss, mick.

      Gefällt 1 Person

  5. ja leider. wenn doch diese art von geschichten endlich irgendwann einmal nicht mehr aktuell wären.

    Gefällt 2 Personen

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