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Feuerzangenbowle

20. Februar 2011

Kann denn Schwachsinn Sünde sein?

Vor etwa siebzig Jahren sang Lara Zeander: Kann denn Schwachsinn Sünde sein?
Zur gleichen Zeit wurden viele Schnulzen gedreht (wie zum Beispiel die Feuerzangenbowle mit Reinz Hümann), es gab aber auch Elend:
Menschen starben weil ihnen Explosivstoffe auf den Kopf oder vor die Füße geworfen wurden. Andere starben weil ihnen Giftstoffe zwischen die nackten Leiber getan wurden. Kugeln oder eingeschlagene Schädeldecken waren damals auch sehr verbreitet. Manche ließen sich einfach neben die Zahnbürste fallen (mit der sie gerade den Bürgersteig für die ordentlichen Mitmenschen reinigen durften), offensichtlich hatten diese Zeitgenossen einfach keine Lust mehr, die Volkshygiene zu befördern.
Zurück zur Feuerzangenbowle: einige ältere Herren – gut situiert! – treffen sich alljährlich zu einem Besäufnis der anderen Art. Fachwerk und Butzenscheibenromantik. Schenkel klopfen ist angesagt und mit steigendem Pegel träumt man sich in die Vergangenheit. Wie schön das alles war. Einer der Säufer will endlich mal sein Abitur auf normale Art machen und mutiert sich zurück zum Schüler auf dem Lande. Idylle pur. Die Lehrer sind durchweg verknöchert und schön blöd – von denen kennt jeder Zuschauer welche (das funktioniert sogar noch siebzig Jahre danach). Nur einer ist nicht verknöchert und sieht einigermaßen jung aus. Der lebt nämlich schon die neue Zeit. Die wird aber gerade kaputt geschmissen, und darum ist die Idylle ja auch nur aus Pappe. (Und das perfide an dieser Situation ist wohl, dass man im Grunde über diese Tatsache auch noch dankbar sein muss. Nicht auszudenken, wenn die gewonnen hätten!)
Kann denn Schwachsinn Sünde sein? Natürlich nicht. Aber das war ja auch kein Schwachsinn, das hatte schon Methode: Der eine Säufer wurde also zum Pfeiffer – der mit den drei f’s – und dieser Pfeiffer hatte ganz viele Mitschüler in der Feuerzangenbowle. Nach dem der Film abgedreht war, inklusive Happyend und allem was so dazu gehört, durften die Mitschüler allesamt an die Ostfront. Dort wurde das Reich auch noch verteidigt. Keiner kam zurück. Nur einer blieb zu Haus, der mit den drei f’s, der war nämlich Kriegswichtig. Zum Filme drehen und Spass machen. Sollte ja noch ein bisschen weitergehen.
Beim Prediger Salomo steht irgendwo sinngemäß Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Ernst zu nehmende Exegeten behaupten ja, das geht in Wirklichkeit auf einen Pharao aus Ägypten zurück. Ich finde das plausibel. Es ist mir nur noch nicht ganz klar, ob wir das einem Anfall von Größenwahn oder ganz tiefen philosophischen Gedankengängen zu verdanken haben. In jedem Fall haben wir da ziemlich aktuelle Bezüge. Au, au, au, au.
Prediger Salomo ist schon erstaunlich.
Findet man in Alten Testament. (ISBN und so etwas braucht es in diesem Falle wohl nicht.)

Ps.: Es kann gegenwärtig vorkommen, dass als Jahresabschluß ein Besäufnis anberaumt wird (nebst Schrottwichteln). Als besonderes Schmankerl säuft man nicht nur besagte Feuerzangenbowle (nach altbewährtem Rezept versteht sich), man darf auch gleichnahmigen Film aus den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts konsumieren. Es ist a: erstaunlich wie beiläufig auch gegenwärtig das Schenkel klopfen funktioniert, und b: wie deplaziert man sein kann.

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From → Allgemein

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