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Oma Frieda (feat.: Datt Leben geht weiter.)

18. Mai 2011

wenn du jemals auf einer großen wiese stehst
und es langsam dunkel wird,
die füße gleichmäßig naß sind
und die jacke steif vom regen ist,
der sich nicht entscheiden kann,
ob er eis oder wasser sein soll.
wenn du also dort stehst
und der wind dir einfach deine mütze weg pustet
und du dich zu fragen beginnst,
ob deine ohren nun gleichzeitig
oder kurz nacheinander abfallen werden.
wenn du dort stehst,
und den verdammten knoten kaum noch siehst,
an dem du mit deinen schon steifen fingern
ungeduldig herumhantierst, aber bleibst,
weil du diese bescheuerte schnur
zum binden brauchst, an einer anderen stelle
die du bang im auge hast
weil sie gleich umkippen wird
und damit alles auseinander laufen läßt;
wenn du dort stehst,
weil sowieso alles schon zu spät ist
und du dein taschenmesser vermißt,
das dir gewöhnlich nutzlos die tasche verbeult
und das du nur aus blödheit hast liegen lassen;
wenn du also dort stehst
dann stell‘ dir vor,
wie komisch ich ausgesehen haben muß,
und ich schwör’ dir:
du machst den knoten auf!
du machst ihn auf.

Datt Leben geht weiter.

ps.: meine Oma war ein Mädchen aus Ostpreußen und kam nach dem WK I. nach Westen, wo sie Kaltmamsell im Düsseldorfer Hof wurde (später hatte sie dort quasi den Bereich Kaffee unter sich) war in solchen Situationen recht kurz: „Jung,“ sagte meine Oma dann (Originalton): „Jung, datt Leben geht weiter.“

Genau!
mick.

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From → Liebe

4 Kommentare
  1. Großartig. Der Text. Das Bild. Beides zusammen. Der Raum im eigenen Kopf, der sich mit Bildern und Assoziationen füllt.

    Gefällt 1 Person

  2. Die Weisheit der Großmütter… meine war Ungarin und stolperte ständig über die Artikel der deutschen Sprache. Ein Knoten aus ihrem Munde war weiblich und die Schnur eine männliche. Verbesserungsversuche tat sie immer lachend und mit den Worten ab: „Ach, ist doch alles eins…“ Daran denke ich oft und gerne zurück. Deine Oma sieht aus wie eine Frau, die das Leben vor sich immer im Blick behalten hat. Schönes Foto.

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      Im Nachhinein gibt mir meine Oma sehr viel zu denken. Das ist wohl so.
      Vielen Dank für Deinen Kommentar, mick.

      Gefällt mir

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  1. Stadt der Diebe « alles mit links

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