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Catch 22 – Der böse Trick

5. Juni 2011

Yossarrian, wenn alle so denken würden? –
Wenn alle so denken würden und ich nicht, dann wäre ich doch schön blöd.

Yossarrian fürchtet um sein Leben. Die schießen nämlich auf ihn.

Yossarrian ist Bomberpilot auf der Seite der Guten. Irgendwo im Mittelmeer stationiert wartet er mit seinen Kameraden auf den nächsten Einsatz gegen das Böse. Das Böse sind die Deutschen im Italien des WK II. Bis auf die Einsätze bekommt man vom Krieg erst mal nichts mit.

Die Fliegerstaffel lebt auf diese Weise vor sich hin, und das gar nicht so schlecht: Saufen, von Ruhm und Reichtum nach dem Krieg träumen, schon mal am Essen in der Kantine nörgeln. Zur Entspannung fliegt man auf’s Festland wo Zimmer requiriert sind zum Orgien feiern. Aber dieser Yossarrian findet immer ein Haar in der Suppe. Will nicht mehr fliegen, hat seinen Teil getan, will einfach weg von allem. Wenn alle so denken würden?

Eigentlich wollte ich bloß ein wenig Zeit totschlagen. Es war ein verregneter Sommertag in einer langweiligen Stadt und ich hatte alle Zeit der Welt. Keine Ahnung, nichts vor, also Kino. Nonstop am Bahnhof ging immer.

Für wenig Geld konnte man manchmal zwei Filme sehen, man musste nur früh genug da sein. Morgens hatten die so eine Art Kulturprogramm – was nicht angekündigt war – danach kam der eigentliche Film des Tages: Ursus und Machiste gegen Rom, vielleicht haben sie auch Rom gerettet. Weiß ich nicht mehr..

Statt dessen sah ich, wie Captain Yossarian nur hörte: „Hilf ihm, hilf ihm!!“

Milo Minderbinder ist der Messoffizier in dieser Geschichte. Er erklärt, warum Geschäfte machen gut ist. Hier erfährt man die Wahrheit über Syndikate, Baumwolle, Privatisierungen und so. Ein gutes Geschäft ist Bürgerpflicht und kann darum niemals illegal sein! Alles dient einem höheren Zweck und der muss gut sein.

Jeder kann an seinem Platz mithelfen an einer großen Sache. Das Leben ist schön und alles wird gut. Wenn es mal Ärger gibt, wird man sich drum kümmern. Kein Problem. Die da oben regeln es schon, die sorgen sich schließlich (und es macht auch ganz schön viel Arbeit – das kann am Rande auch mal erwähnt werden).

Man arbeitet ja für ein höheres Ziel.

Folglich muss man alles essen, kann aber nicht alles verstehen, wie zum Beispiel den IKS-Haken (Catch 22). Also Augen zu, durch und nicht immer Fragen stellen. Das hält nur auf.

Wenn Captain Yossarian am Ende vielleicht eins begriffen hat, dann dieses: Es gibt keine Generalprobe. Das Leben ist jetzt. Es gibt kein zweites. So weit so schlimm. Aber das Schlimmste ist der Widersinn.

Catch 22 von Mike Nichols 1970. Mit Alan Arkin, Martin Balsam, Arthur Garfunkel, Jack Gilford, Anthony Perkins, Martin Sheen, Orson Welles, u.a. ISBN 3 86615 010 5
Über diesen Film bin ich gestolpert, wie über so vieles. Er ist wunderbar gemacht. Einmal gucken reicht da nicht.

Der Film basiert auf dem Roman von Joseph Heller, Catch 22. Simon und Schuster, New York 1961.  ISBN 978 3 86615 523 7

Es ist genauso wunderbar und sorgfältig gemacht, wie der Film. Nur anders. Ist eben ein Buch. Und einmal lesen reicht hier schon gar nicht! Beides zum Glück wieder aufgelegt bei der Süddeutschen Zeitung.

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From → misc.

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  1. Haltet euer Herz bereit « Alles mit links.

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