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Bildung

24. Juli 2011

Beim Lesen des Titels habe ich mich zuerst gefragt: Wie soll einer jemanden helfen als Person zu wachsen, wenn er sich selbst als Null empfindet? Manchmal neige ich zur Ungeduld. Aber keine Angst, alles schön der Reihe nach:

Zuerst wird in diesem Buch die Funktion des Gehirns mit seinen Auswirkungen auf interne und externe Interaktion beleuchtet (und für Emsige noch einmal im Anhang ganz genau erläutert). Das ist – zumal wenn es ein Laie liest – schon anstrengend, aber es lohnt sich.

Wie in jeder guten Geschichte kommt das Spannende erst gegen Ende und zu Beginn werden die Grundlagen dargelegt. Zwischendurch werden die maßgeblichen Strömungen der westlichen Didaktiken angesprochen. Das gibt Entlastung, trifft man doch hie und da alte Bekannte wieder. Es gibt (…) kein objektives Maß für Verstehen, sondern nur eine gegenseitige Annäherung subjektivabhängiger Konstruktionen von Wissen. (Roth, S. 283)

Auch nichts Neues, aber immer wieder erstaunlich, wenn man es sich wieder mal bewußt macht. Das ist mir so wichtig, darum noch ein Zitat: Wenn ein Lehrer mit seinen 20 Schülern interagiert, dann haben es 21 verschiedene Gehirne mit 21 verschiedenen Bedeutungs- und Verstehenswelten zu tun.

Gegenseitiges Verstehen ist somit ein stets gefährdeter Annäherungsprozess mit ungewissen Ausgang (S. 312). Einige Seiten zuvor geht Roth auf Sprache hören-Sprache verstehen-Lesen (sinnerfassend) als eine Voraussetzung für Lernen/Lehren ein.

Sinngemäß erklärt er: Zu Sprechen – zumal in einer so merkwürdigen Grammatik wie der Deutschen – kann auch bedeuten: wissen, wo man hin will ohne zu vergessen, wie man angefangen hat. In manchen, oft trainierten Fällen, kann man jedoch sprechen ohne zu denken. (Das geht beim Abschreiben übrigens auch schon mal.)

Es sind drei höchst unterschiedliche Dinge zu beachten, die uns im normalen Dasein eher einfach daher kommen: Sprache hören, Sprache verstehen und Lesen. Keine der vorgeschlagenen Maßnahmen ist wirklich neu, (…). Zugleich wird das wenigste von dem, was Lehrer für vernünftig halten, auch wirklich getan (S.307).

Und auf S.308: Es geht im Bildungssystem nicht nur um die Vermittlung von Wissen und Fertigkeiten, sondern auch um die Entwicklung der Persönlichkeit des Lernenden. Und dann geht es um Intelligenz, Motivation und Fleiß.

Bei alldem ist klar, alles Lernen braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Wer darüber hinaus keine Rezepte verlangt (und den Untertitel außer Acht lässt), sondern nachdenkt, wie diese ewige Baustelle Bildung – wieder einmal – angegangen werden könnte, der mag dieses Buch lesen.

Gerhard Roth: Bildung braucht Persönlichkeit. -Wie lernen gelingt. Klett-Cotta 2011. ISBN 978 3 608 94655 0

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From → Liebe, misc., Sprache

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