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Stadtaffe

14. August 2011

Die Texte sind aggressiv oder psychedelisch, zuweilen traurig, optimistisch-hoffend oder einfach schnoddrig. Die Musik ist mal hämmernd, mal konzertant in großer Besetzung, oft aufwiegelnd-optimistisch oder balladenhaft.

Alles ist voller Sorgfalt und auf den Punkt genau gemacht: Da pfeift einer aus dem letzten Loch, weil er frierend in der Nacht unter geht.

Man beobachtet eine unvermeidbare Schlägerei, die um alles oder nichts geht. Ein Blender rauscht als Lok in eine Disco. Ein kleiner Verlierer hat einen Tagtraum. Er glaubt sich selbst nicht. Man hat Fieber oder platzt vor Freude, weil man als echter Lebemann die kleinen heißen Sahneschnitten erobern will … möglicherweise bleibt der aber auch am Zucker kleben.

Alles so sicher, wie der nächste Morgen.

Dieses Stück Musik haut dir laut lachend die Metaphern um die Ohren, um dich unversehens in einen Sumpf tiefer Depression zu ziehen. Mal ganz bei sich, mal total entäußert: der ewige Hexentanz also, All night long *.

Brodelnd und eruptiv träumt es von einem Spießertum, das unerreichbar bleibt. Looser pfeifen auf dem Friedhof, denn sie wollen müssen es noch bis ins (Rampen-)Licht schaffen, um irgendwie zu glänzen.

Vorstadtchauvinismus in Reinkultur.

Mit sicherem Auge für das entscheidende Detail sind diese Bilder fotografiert. Sie spielen alle in Berlin. Doch die Stadt tut eigentlich nichts zur Sache, es funktioniert überall auf die gleiche Weise (und es riecht auch so).

Diese Musik gehört nicht zu der Sorte, in die man sich hinein hören kann. Ob das spannend oder abstoßend ist entscheidet sich unmittelbar, es versteht jeder sofort … Die Komposition von Text und Musik ist hervorragend. Souverän, selbstironisch, reflektierend. So etwas polarisiert.

Kunst eben.

Peter Fox: Stadtaffe. CD 2008, ASIN: B001ET225M Downbeat Records (Warner).

* Spannend dazu auch die Anmerkungen zu dem Film Tanz auf dem Vulkan bei wikipedia.de sowie bei filmportal.de (Ende der 30er Jahre in Deutschland gedreht).

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From → Musik

7 Kommentare
  1. Feiner Beitrag, Mick.
    Auf den Punkt.
    Liebe Grüß’✨

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  2. Das schätze ich so an ihm. Lieben Gruß, Peggy

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      Ich kenne ihn nicht weiter. Diese CD ist für mein Empfinden mehr als gelungen.
      LG, mick.

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  3. Mag ich! Zum Beispiel „Schwarz zu Blau“. Berlin lässt sich locker durch den Namen jeder beliebigen Stadt ersetzen.

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      Das mit dem Namen sehe ich auch so. Ich könnte nicht sagen, welches Lied ich besonders gut finde. Irgendwie sind sie alle gut beobachtet. Selten eine so sorgfältig gemachte Cd gehört. Man, was für ein Ding!

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  4. mickzwo permalink

    Hat dies auf Alles mit Links. rebloggt und kommentierte:

    Allgemein
    Es ist in der Zeit
    dabei so frisch.
    Es ist an einem Ort
    dabei so zeitlos.
    Es ist in der Situation
    dabei so gültig.

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  1. Die Heintz-Rudolph-Kuntze-Verschwörung – nochmal (4) | Alles mit Links.

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