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Wenn wir Tiere wären

18. September 2011

Um es gleich vorweg zu sagen: die Sprache in diesem Roman ist wunderbar. Man bemerkt sie nicht als eigen, obwohl schon viele Eigenheiten darin sind. Ich habe die Formulierungen als selbstverständlich empfunden, die Geschichte nicht: Alles hängt mit allem irgendwie zusammen und jeder ist für sich allein.

Das hört nie auf. Mein Gott. Der Unterschied, der zwischen Karnickeln oder Enten und Mitgliedern der menschlichen Spezies besteht, ist in diesem Falle auf einhundertneunundfünfzig Seiten ausgebreitet. Beim Kaufen fand ich eine Banderole, wo Sandra Kegel von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zitiert war: Ein kluges, witziges und böses Buch.

Klug ist es mit Sicherheit, denn es ist böse. Es breitet jede Menge Umstände aus, die, auf den ersten Blick belanglos, in ihrer Konsequenz dann Hammer hart aufblitzen, um dann wieder in Belanglosigkeit zu versinken.

Diese Belanglosigkeiten mögen dabei wie der sattsam bekannte Flügelschlag eines Schmetterlings im Amazonasbecken wirken. Irgendwo auf der Erde … In jedem Fall kommt unser Protagonist vom berühmten Hölzchen auf’s Stöckchen. Das dann aber wieder in einer Beiläufigkeit, die mir mit unter den Atem stocken lässt.

Die Frauen, um die er kreist, verhalten sich im Grunde nicht besser, aber cleverer (das sagt man heute wohl so). Wo darin der Witz liegt, hat sich mir wirklich nicht erschlossen. Dazu bin ich wahrscheinlich zu sehr Mann. Beim Lesen des letzten Kapitels hatte ich plötzlich diverse Lieder aus Stadtaffe im Kopf. Das finde ich ja auch eher erbärmlich.

Faszinierend zwar, aber erbärmlich. Die Pointe am Schluß des Buches finde ich banal aber nicht witzig. Wenn man mit all dem nichts zu tun hat, kann man das vielleicht komisch finden. So sind se.*

Wilhelm Genazino: Wenn wir Tiere wären. Carl Hanser Verlag 2011. ISBN 978 3 446 23738 4

* Wie se sind ist auch schön beschrieben in zwei Gedichten, die mich immer begleitet haben:
Erich Kästner: Kleines Solo. 1947 (Schaubude), hier in: Wer nicht hören will muß lesen. S.95 Fischer TB 1211
Hanns Dieter Hüsch: Ich habe immer versucht… 1974, hier in: Den möcht‘ ich seh’n … S.139 Satire Verlag, Köln 1978. ISBN 3 88268 005 9

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From → Liebe

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