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Gran Torino

28. Dezember 2011

So schnell geht das: der amerikanische Krieg in Südostasien ist gescheitert, die Wirtschaft liegt am Boden. Ehemalige Verbündete müssen fliehen und nehmen Land dort in Besitz, wo es nichts mehr zu verteilen gibt. Industrie-Vororte in den USA mit bescheidenem, längst vergangenem Wohlstand machen diese Menschen nun zu ihrem Habitat. Hatte man solche Schlitzaugen nicht früher bekämpft?

Ein alter Mann sitzt auf seiner Veranda und betrachtet sein ehemals schönes Viertel. Dabei läßt er ein Vorurteil nach dem anderen heraus; Bierdosen vertilgend träumt er von der alten Zeit. Sein Sarkasmus ist trocken und auf die Nachbarschaft abgestimmt.

Auf der Veranda, im Nebenhaus, sitzt die koreanische Oma. Ebenso trocken fragt sie sich, was dieser merkwürdige alte Mann hier noch verloren hat. Hier ist nichts mehr schön, und ihm gehört das Viertel schon seit langen nicht mehr. Er grummelt englisch, sie im Idiom der Hmong (ein koreanisches Bergvolk, das im Krieg auf Seiten der Amerikaner kämpfte).

Wie überall in solchen Gegenden gibt es reichlich brutale Dummköpfe mit der immer gleichen Freizeitbeschäftigung: Noch Schwächere ausgrenzen, um sie klein zu machen. Fast aus Langeweile schlittern sie in Auseinandersetzungen. Dabei schrecken sie jedoch vor nichts zurück. Schließlich haben sie es ja mit Schwächeren zu tun und die Wahrheit ist stets auf ihrer Seite (zumindest solange sie in der Überzahl sind).

You made my day sagt der junge Clint Eastwood als Dirty Harry zu der Hackfresse, der er in grandioser Manier – nachvollziehbar, politisch jedoch vollkommen inkorrekt – seinen ziemlich großen Colt an die Schläfe drückt.

Hätte der Detektiv abgedrückt wäre aus diesem Film nur die übliche Gewaltorgie geworden. Als jugendliche Zuschauer hatten wir uns schon so gefreut, dass der Gesetzeshüter es diesem Drecksack mal ordentlich besorgt. So leicht wird man zum Faschisten.

Er hat natürlich nicht abgedrückt. Schließlich ist Dirty Harry wie auch Gran Torino großes Kino mit Clint Eastwood – also letztlich ein ordentlicher Western!

Ein wirklich ordentlicher Western zeigt immer einen Grundkonflikt, der dann irgendwie aufgelöst werden muß. Gewalt ist nie ordentlich.. sie gebiert nur neue Gewalt. Diese ist wiederum die Grundlage neuer Gewalt. Konstruktiv ist es, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Clint Eastwood ist da eine Klasse für sich.

Clint Eastwood: Gran Torino. Warner Bros. 2009

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From → Liebe

2 Kommentare
  1. Großartiger Kommentar zu großem Kino.

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  1. Für immer Dein | Alles mit Links.

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