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Der Name der Rose

29. April 2012

Nun, Umberto Eco.

Über sechshundert Seiten und noch Anmerkungen, der Korrektheit halber. Danach kann man sich vorstellen, wie diese gelehrten Menschen damals disputierten (auch, wie der Klappentext zu Stande kam). Die waren genauso doof wie wir heute, nur ausschweifender. Klar, dass da auch immer welche dabei waren, die klug waren, clever, verschlagen, gut und böse; davon handelt ja diese Geschichte: vom ewigen Kampf zwischen Gut und Böse. Dass wir – quasi beiläufig – dabei noch über die Geschichte des Denkens aufgeklärt werden, verdanken wir einer ungeheuer tiefen Bildung und der aufklärerischen Geisteshaltung des Autors.

Erzählt wird die Geschichte von Adson, einem Novizen, der mit seinem Lehrmeister, William von Baskerwille, eine Woche in einer norditalienischen Abtei des 14. Jahrhunderts erlebt: So groß ist die Kraft der Wahrheit, daß sie – wie die Schönheit – sozusagen von selber um sich greift. (S. 98) William ist Mönch; Franziskaner, gleichermaßen Scharfsinnig wie auch -züngig. Er wird in diese Abtei gerufen weil er vermitteln soll zwischen Kaiser und Papst. Merkwürdige Dinge geschehen an diesem Ort, also erhält William den Auftrag, dem auch nach zu gehen. Sein Gegner ist Jorge von Burgos, ein blinder Seher, der etwas gegen lachende Mönche hat.

Es geht um Wollust, Liebe, Eitelkeit, übertriebene Gelehrsamkeit und andere Laster. Wo liegt die Wahrheit, und wie sorgen wir dafür, dass sie ans Licht kommt. Wer kennt den richtigen Weg dahin, und wie schafft man es, dass die anderen ihn (auch) gehen? Wie soll man sich zu all dem verhalten, was passiert? Niemand macht eine Geschichte für das Gestern.*

Also: Warum schreibt man eine Geschichte?
– Da ist einer unzufrieden mit seinem Land (warum auch immer).
– Die Terroristen drehen durch (wieso auch immer).
– Die Politiker re-agieren (wozu auch immer).
– Das Volk ist beeindruckt (wovon auch immer).
Finanziert wird das Ganze durch die Steuerzahler, wer das auch sein mag.

An diesem Punkt wird deutlich, warum der Aufruf zum Leben in Armut von je her so brisant ist. Jeder versucht so gut es geht in irgendeiner Weise vorteilhaft aus der Sache heraus zu kommen. Immerhin sind da Leute, die versuchen das Ganze zu beschreiben – die Absicht, die dahinter steckt, wollen wir hier mal beiseite lassen. Übrig bleiben oft Meisterwerke der Erzählkunst. An Umberto Eco kommt man nicht vorbei, zu Recht! In guten Bibliotheken und im Handel.

* s. dazu auch Quasi dasselbe mit anderen Worten.

Umberto Eco: Der Name der Rose. Roman 1980. hier: 32.Auflage 2010 dtv.
ISBN 978 3 423 10551 4

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From → Liebe

4 Kommentare
  1. Klausbernd permalink

    Das Besondere finde ich den Stil von „Der Name der Rose“, denn es ist fast eine Textcollage von Zitaten der mittelalterlichen Literatur, die dem „normalen“ Leser oft nicht zugänglich ist, da er das Mittellatein (Küchenlatein) nicht versteht. Diese Kombination der Textstücke aus der Zeit, in dem der Roman spielt, macht es, dass er so genuin wirkt.
    Liebe Grüße
    Klausbernd

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  2. mickzwo permalink

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  1. Herr Lehmann, die Treuhand und ich « alles mit links

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