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Lost in Paderborn

14. Juli 2012

Das Cover ist so grauenhaft wie sich ein normaler, vorurteilsbeladener Mensch den Billigtourismus der swinging sixtees heute noch ausmalt. Abgestanden und etwas miefig wirkt das schon beim ersten hinsehen. Es verlangt in der Tat eine Menge Humor, wenn man sich für diesen Titel entscheiden soll.

Was ist passiert? Ein Reiseschriftsteller brauchte dringend ein neues Buch. Soviel steht fest. Bei dem bestehenden Angebot keine leichte Aufgabe. Wenn der dann auch noch Ambitionen hat, Prost Mahlzeit. Es geht wohl um das sog. Alleinstellungsmerkmal. Verkaufen sollte sich das Buch ja auch noch.

Zu den unmöglichsten Jahreszeiten werden von einem billigen Flughafen in England billige Ziele in Europa mit einer billigen Airline angeflogen und ausprobiert. Ergebnisoffen, wie man so schön sagt. Wenn man diese Ziele im Atlas findet, kann man sie oft kaum aussprechen.

Es werden Leute in Orten getroffen, die alles Andere als langweilig sind. Gewöhnen muß man sich schon etwas. An sonsten könnte man ja wohl auch zu Hause bleiben. Mit den Menschen reden muss man und genau hin sehen. Gern auch ein zweites Mal.

Lost in Paderborn ist der gelungene Versuch, ein kluges Buch über ein ernstes Thema zu schreiben. Der piefige Titel im Verbund mit dem grauenhaften Cover sind ausgesprochen komisch, nicht aber witzig.

Humor sollte man schon haben, sonst ist das vertane Liebesmüh und man könnte seine Zeit sicher besser investieren. Eine spannende Urlaubslektüre. Unweigerlich fällt mir hier wieder Vermeers Hut von T. Brooks ein. Spannung pur, zweihundert Jahre früher. Very British, too.

Tom Chesshyre: Lost in Paderborn. Reisetagebuch. Droemer/Knaur, 2009.
ISBN 978 3 426 78158 6
Im Handel und in sehr guten Bibliotheken.

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From → misc.

2 Kommentare
  1. Der Titel klingt so dröge, dass ich ihn eigentlich schon wieder gut finde. Aber Brooks interessiert mich mehr..:-)

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    • mickzwo permalink

      Immerhin hat das geklappt. Den Titel hat sich wohl aus genau dem Grund ein deutscher Lektor ausgedacht. Und ich habe das Buch auch aus diesem Grund gekauft. Immerhin kenne ich diese Stadt. Ich habe es nicht bereut, weder das Buch, noch diese Stadt.

      LG, mick

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