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Schiffbruch mit Tiger

14. Juli 2012

Ein Junge verliert seine Familie bei einem Schiffsunglück. Er treibt letztlich allein mit einem Tiger über den stillen Ozean. Nun ist so ein Tiger nicht gerade das, was man als Kuscheltier bezeichnen würde. Dieses Tier ist ausgewachsen und frisst alles, was ihm in die Quere kommt.

Zu den Überlebensstrategien des Jungen gehört es fortan, den Verdauungsapparat dieses Tieres aus gewisser Distanz im Blick zu haben, und Futter für die Bestie zu besorgen. Umbringen geht nicht, der Tiger ist einfach zu stark. Auf der anderen Seite würde man den letzten Gefährten auch noch verlieren.

Für einen kontinentalen Betrachter ist so ein Ozean oftmals nur Wasserwüste. Schnell von a nach b kommen, um dann wieder an Land und seiner Wege zu gehen; das geht noch in Ordnung. Wasser und Wellen genießt man lieber mit festem Grund unter den Füßen.

In der Regel reicht es für ein Erinnerungsfoto mit Möwen. Das Meer aber ist Natur, von daher höchst lebendig. Wird man da hineingeworfen, dann muss man rasch viel lernen und verstehen, wenn man leben will. Die eigenen Bedürfnisse müssen gestillt werden und Vorräte sind eher knapp bemessen.

Nur Zeit gibt es im Überfluß. Ein Zuviel an Zeit kann sich in seiner Qualität mit der eines hungrigen Tigers durchaus messen. Das Leben als Schiffbrüchiger ist in jedem Fall kompliziert. Mit einem Tiger als Begleiter wird das sicher nicht einfacher.

Einmal gelingt dem Jungen die Feststellung: Das Leben ist wie ein bengalischer Tiger. Entweder man dressiert ihn, oder er frisst dich auf. In jedem Fall wedelt er mit dem Schwanz danach. Es als langweilig zu betrachten, wäre wohl verfehlt.

Wir werden ständig vollgestopft mit mehr oder weniger abstrusen Geschichten über den Verlust aller Sicherheiten, das Scheitern, das Ende. So etwas fasziniert uns. Nimmt es ein gutes Ende, heisst das oft Komödie, und wird dann kaum ernst genommen. Geht so eine Geschichte für die Protagonisten eher schlecht aus, wird sie bald Drama genannt. So ein Drama wird oft als bedeutender angesehen, aber nicht ganz so gerne konsumiert. Wir lachen lieber.

Schiffbruch mit Tiger lebt für den Leser von der Neugier, wie der Held diese Geschichte wohl überstehen mag. Der Junge gibt sich in sein Schicksal. Er denkt immer nur an den nächsten Schritt und macht dabei so seine Erfahrungen. Es ist ein zutiefst philosophisches Buch, oftmals wunderlich, niemals langweilig. Schiffbruch mit Tiger ist eine erstaunliche Geschichte.

Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger. Roman, 2003. S. Fischer Verlag, Frankfurt.
ISBN 978 3 10047 825 8
In guten Bibliotheken und im Handel.

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