Skip to content

Little big man

27. Oktober 2012

We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed, by their Creator, with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty, and the pursuit of Happiness.

Ein junger Auswanderer verliert seine Familie bei einem Überfall der Indianer, auf dem Weg nach Westen. Er und seine Schwester werden als einzige Überlebende von einem Mitglied der Cheyenne gefunden und zum Stamm verbracht. Der Junge wird adoptiert und vom Großvater zum ‚Menschenwesen‘ und somit zum Cheyenne-Indianer erklärt. Die Schwester verdrückt sich irgendwie. Sie ist nicht von Belang. Viele Völker halten sich für Menschen, die anderen aber für Barbaren. Davon später.

Für den Auswandererjungen ist das, was er bei den Indianern erlebt sicher befremdlich; in erster Linie aber ein Abenteuer. Mit großen Augen wächst er heran, beobachtet und registriert. Den Namen Little big man bekommt er vom Großvater verliehen, als der im Wigwam von einem seiner Träume erzählt. Überhaupt ist der Großvater eine zentrale Figur im Leben dieses Little big man.

Als nächstes jedoch muss sich der Junge erst mal ein neues zu Hause suchen. Er geht zurück zu den Weißen und lernt alles an Kultur kennen, was das 19.Jahrhundert im sog. ‚Wilden Westen‘ zu bieten hat. Er trifft auf bigotte Christen, zieht mit Quacksalbern durch die Gegend, versucht sich als Revolverheld, geht als Kaufmann baden und trifft letztlich auf General Custer und die Indianerhasser.

Irgendwie trifft er auf die Indianer und findet den Großvater wieder. Erneut lebt er bei den Indianern. So pendelt er zwischen den Fronten hin und her und immer wird es enger mit dem Leben, dem Land und der Freiheit, die es den Menschen verspricht.

An diesen Film habe ich lange gedacht. Nun fällt es mir schwer, diesen Film noch mal bis zum Ende zu sehen. All das Gemetzel. Dabei wollte ich diesen Film, wollte Überzeugungen und Träume feiern. Ich hatte das Gemetzel einfach ausgeblendet, weil es darauf nicht an kam. Die rote Linie ist doch: Wie kann man ein Mensch sein, Werte haben und Glück finden? Dummheit, Roheit, oder Tod, selbst im Sterben noch beschissen werden, all das gibt es.

Es sieht nicht danach aus, als ob sich das jemals ändert. Aber es gibt auch Klugheit, besonnene Tapferkeit und den Glauben, dass das Leben irgendwo einen Sinn hat. Vieles ist friemelig, und auf den ersten Blick alles andere als erhebend. Ein ewiger Kampf.

Die Geschäftsmäßigkeit mit der Menschen getötet werden, weil sie im Weg sind, ist immer gleich zum speien und trotzdem überall anzutreffen. Es spielt sich auch immer auf die gleiche, perfide Weise ab, ist international. Zuerst muss man ihnen den Status als Menschen aberkennen. Das macht alles ganz leicht. Es funktioniert auch hier als Radfahrerprinzip – selbst da, wo das Rad noch gar nicht erfunden ist: nach unten treten, nach oben buckeln. Irgendwer wird sich schon etwas zu nutze machen. Bestimmt.

Manche spielen mit, solange es Spaß macht zu siegen. Andere geben schnell auf und wieder andere sind verdammt zäh, wenn es darum geht, dagegen zu sein. Die sind allerdings regelmäßig in der Minderheit. Viele machen sich überhaupt keinen Kopf um so etwas. Auslöser für alles Handeln oder passives Zuschauen ist regelmäßig etwas, das sich persönliche Betroffenheit nennt. Solches nennt man wohl Kultur. Darum heißt es auch Alten Wein in neuen Schläuchen servieren. Es ist nie dasselbe aber immer das gleiche. Darum haben Großväter oft so hellsichtige Träume. Sie erinnern sich.

Ein Film, der als veritable Pferdeoper daherkommt und dabei ziemlich viel erklärt. Gute Sache, Harry. Gute Sache. (Rubeus Hagird zu Harry Potter.)

Arthur Penn: Little big man. Film 1970. Mit Dustin Hoffman, Martin Balsam, Jeff Corey, Chief Dan George, Faye Dunaway, u.a.

Advertisements

From → Liebe

2 Kommentare
  1. mickzwo permalink

    Ganz ohne Gemetzel aber nicht weniger dramatisch kommt dieses daher: https://allesmitlinks.wordpress.com/2013/06/02/das-absolut-wahre-tagebuch-eines-teilzeit-indianers/
    So etwas kann man als Jugendbuch einordnen. Muss es aber keineswegs. Ein Pferd wird man darin allerdings vergeblich suchen. Auch die Landschaft ist eher zurückhaltend gezeichnet. Es spielt in der Jetztzeit. mick.

    Gefällt mir

  2. saetzeclaudio permalink

    Das Buch, das dem Film als Grundlage vorlag, will ich schon seit ewigen Zeiten lesen – schon der Streifen war grandios (trotz der Gemetzel, die eben Teil dieser furchtbaren amerikanischen Geschichte sind). Ein sehr guter Beitrag, der die Zwiespältigkeit beim Schauen gut rüberbringt. Aber man darf auch lachen – der Humor ist z.T. etwas derbe. Etwas „humorfreier“, aber auch gut zum Thema: Der mit dem Wolf tanzt. Und der letzte Mohikaner in der Verfilmung mit dem Iren, dessen Name ich immer vergesse…http://saetzeundschaetze.com/2014/09/12/der-letzte-mohikaner-von-james-fenimore-cooper/

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: