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Die Schule der Diktatoren

1. November 2012

Erich Kästner: Die Schule der Diktatoren. Eine Komödie in neun Bildern. Fischer Bücherei 261, hier: 118.-125. Tsd. August 1969.

In den Buchhandlungen stolperte man in diesem Jahr zunehmend über Bücher von Erich Kästner. Geschichten für Kinder, Kästner für Erwachsene, Liebesgedichte, der politische Kästner, Aphorismen und Zitate. Alles mal so sortiert. Und dann wieder anders. Die Gesamtausgaben hatte ich noch nicht erwähnt. Ich finde das gut. Verwunderlich fand ich es aber auch.

Gut ist das, weil der zum Besten gehört, was wir zu bieten haben. Verwunderlich, weil mir niemand, von denen, die ich befragte, sagen konnte, was der Grund dafür ist. (Möglicherweise ist die Frage ja auch blöd. Vielleicht hätte ich ja nach dem Anlass fragen sollen. Schließlich befanden wir uns in einem Kaufhaus!) Die wollten mir in erster Linie ein Buch von diesem Dichter verkaufen. Am Besten sofort die Gesamtausgabe. Ersatzweise aber auch die neueste Biographie von Irgendwem. Offensichtlich bin ich so ein Biographietyp. …

Zurück zu Kästner. Ich habe dann doch lieber mein altes Kellerregal konsultiert. Dort bin ich schließlich auch fündig geworden: Neben dem Fliegenden Klassenzimmer fand ich Die Schule der Diktatoren. Dieses Buch ist ein Theaterstück und hat ein Anliegen. Der Plan ist zwanzig Jahre alt, das Anliegen älter und das Thema, leider, nicht veraltet. Es gibt chronische Aktualitäten. So Kästner in seiner Vorbemerkung im Jahre 1956 (hier S.6).

Dieses Theaterstück ist kurz, knackig und bestürzend aktuell. Diktatoren lassen sich züchten und sind vielfach einsetzbar, immer nach der gleichen Methode. Jeder weiß es und trotzdem nutzt es sich kaum ab. Sollte lästigerweise mal ein Wechsel von Nöten sein, dann ist für Ersatz gesorgt. Dafür gibt es ja die Schule.

Erich Kästner hat immer wieder erklärt und doch Raum zum Denken gelassen, hingewiesen, wo es hinzuweisen gab, war frivol, komisch und mitfühlend. Der hat getröstet, wo Trost von Nöten war. Vertröstet hat Erich Kästner jedoch nie. Nein hat er nicht, schon gar nicht Kinder.

Die Schule der Diktatoren ist jetzt zerlesen und muss dringend ersetzt werden. Vermutlich verschenke ich auch die Gesamtausgabe nochmal. Ich werde meine Frage vom Anfang an anders formulieren. Vielleicht finde ich ja noch eine Buchhandlung, in der ich dann kaufen kann. Wieder im Handel zu sehen, in guten Bibliotheken sowieso.

Zu diesem Ding fallen mir zwei Links ein. Klar Fabian. Aber beim Schreiben dieser Zeilen hatte ich immer Tina Dickow* im Kopf. Komisch, nicht lustig.

* The World is Perfect oder The Time Of Our Lives, beide auf dem Album Where Do You Go to Disappear?

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From → Liebe, Musik, Sprache

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