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Die Information

1. Dezember 2012

Das grundlegende Problem der Kommunikation besteht darin, eine Nachricht, die an einem Punkt ausgewählt wurde, an einem anderen Punkt exakt oder annähernd exakt wiederzugeben. Häufig besitzen Nachrichten eine Bedeutung. Claude Shannon (1948)

So ein Buch schnell mal durch zu lesen gleicht einer Sünde. Wahrscheinlich geht das sowieso nicht. Die Geschichte handelt von sprechenden Trommeln, von analogen und digitalen Nachrichten, Metaphysik und Kybernetik. Es kommt von der Elektrizität irgendwann zur Computertechnik, über die Wissensgesellschaft zur Cloud.

Kurz, es geht um Information. Genau: von ihrer Geschichte und einigen Theorien darüber. In der Hauptsache geht es aber darum, wie man dafür sorgen kann, nicht in ihr zu ertrinken sondern darin zu schwimmen. Das braucht erster Linie Zeit und Überlegung. So etwas kann man auch bekommen, wenn man ein Buch wie dieses liest. In Ruhe, das versteht sich.

Eine Reise durch die Geschichte der Information:
Im afrikanischen Busch konnten Nachrichten effizienter kommuniziert werden als in Europa. Eine Vorstellung, die für den Durchshnittseuropäer kaum zu fassen war. Dass die Bildung anders, und alles andere als primitiv – also einfach – war, wird erst jetzt zunehmend deutlich. Wenn wir James Gleick folgen – und es ist gar nicht so schwer – dann befindet sich die Sprechtrommel in einer anderen Stufe der Informationstechnik.

Es ist eine Methode, die die Sprache ohne Schrift anwendet. Dort gelten dann andere Regeln. Solche Regeln haben es in sich. Die im Zeitalter der Information viel geschmähte Redundanz gehört sicher dazu. Sie wird immer dann gebraucht, um Verständnis herzustellen, wenn etwas nicht eindeutig genug sein kann.

Wie man sich zurecht findet, hängt letztlich immer von der Kategorie ab die man gerade verwendet. Das Alphabetische und das Numerische sind nicht so selbstverständlich wie die gebildeten Westeuropäer zu glauben bereit sind. Ist die Bedeutung der Dinge klar gestellt, hilft das schon sehr.

Auf lange Sicht betrachtet ist Geschichte die Erzählung der Information, die sich ihrer selbst bewusst wird.* Das elektronische Zeitalter läßt sich durchaus als Beginn einer neuen Periode der mündlichen Sprache sehen.

Kategorien müssen immer neu gefunden und gepflegt werden. Wortbedeutungen haben sich zu ändern, damit Dinge exakt benannt werden können und so eine andere – neue – Art der Informationsverarbeitung möglich wird. Aristoteles glaubte an die Notwendigkeit der Verschriftlichung von Sprache. So konnte Philosophie entstehen.

Das geschriebene Wort – das dauerhafte Wort – war eine Voraussetzung für den bewussten Gedanken, so wie wir ihn verstehen.** Dummerweise besitzt der Kopf kein Lexikon. Gleichzeitig aber verliert Redundanz an Bedeutung und bekommt mit der Zeit ein eher anrüchiges Image.

Zum Beispiel Stille Post: Jemand hört einen Text und gibt ihn dem Nachbarn so wieder, wie er ihn – also den Text – verstanden hat. Der erzählt es genau so seinem Nachbarn, usf. Wenn die Redundanz als Korrektiv fehlt, passiert Erwartbares. Es kommt regelmäßig etwas Unverständliches dabei heraus, manchmal sogar das Gegenteil von dem, was ursprünglich gesagt wurde.

Wenn niemand es hindert, macht sich das Gehirn einen Reim auf das Gehörte. Es kann nicht anders, als Sinn stiften. Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, was gesagt wurde. Mondegreens*** sind ein neueres Beispiel für solche verhörten Textstellen.

Wir haben den Teufel der Informationsüberlastung und seine spitzbübischen Untergebenen – den Computervirus, das Besetztzeichen, tote Links und die Powerpoint-Präsentation – kennengelernt.**** Informationen gab es schon immer und sie wurden auch immer irgendwie benutzt. Wir leben damit und komprimieren sie heute, so gut es eben geht. Es gibt so viel davon.

Merkwürdig finde ich die Überlegung, wie man am schnellsten von A nach B kommt. Das geht viel über Umwege. Das sieht auf den ersten Blick gewiss paradox aus. Verschlungene Pfade geben oft Einblicke auf so bestürzend einfache Einsichten frei. Da geht vieles schneller als auf einer geraden Linie.

Der Absender einer Nachricht kann das geistige Codebuch des Empfängers nie vollumfänglich kennen.***** Ein geisteswissenschaftlich angehauchter Mensch wird das sofort verstehen. Eine Maschine muss da anders zu Werke gehen. In dem die Nachricht zur Information wird muss sie zerlegt, in ihre Bestandteile aufgelöst und zum Transport möglichst verkleinert, wieder zusammengesetzt, sprich: (de-)codiert werden. Das ist das Problem, um das es hier immer geht.

Wie komme ich von der Subjektivität einer menschlichen Aussage zur objektiven – weil maschinellen – Verarbeitung von Information? Man kann schon mal geneigt sein zu glauben, dass der Versuch etwas zu verstehen unendliche Weiten von Information öffnet. Dann findet man irgendwo eine Nachricht, die so verblüffend einfach und darum bestechend ist.

Man so etwas kaum planen. Eher muss man schon mal im Schlamm wühlen, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Wer wieder auftaucht ist mit unter bekleckert. Dafür hat man etwas erfahren. Solches wird bisweilen Arbeit genannt. Aber egal was unternommen wird, es nutzt sich ab. Dabei werden öfter Irrtümer gefunden.

Man soll das nicht gering schätzen. Für eine neue Antwort gibt es etwa zehn neue Fragen. Manche stellen dann die Suche ein. Für den wirklichen Forscher ist das ein Unding. Das macht es ja gerade spannend. Langeweile entsteht – für den Neugierigen – immer da, wo etwas verstanden worden ist. Für Forscher geht die Reise immer weiter.

In guten Bibliotheken und im Handel.

James Gleick: Die Information. Geschichte, Theorie, Flut. Redline Verlag, München 2011. ISBN: 978 3 86881 312 8

Ebenda: * (S.19), ** (S.46f), *** (S.88f), **** (S.17), ***** (S.377)

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From → Musik, Sprache

12 Kommentare
  1. und um so mehr eine Nachricht zu einem anderen MENSCHen gelangt läuft die Nachricht GEFAHR das nicht ganz wiederzuGEBE(n)….was ursprünglich die Nachricht war…diese Nachricht wird total verfälscht…..wenn diese bei dem 100ersten angelangt ist..das ist so wie mit der STILLE(n)POST…..das kennst du JA sicherlich??

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    • mickzwo permalink

      Das Spiel ‚Stille Post‘ kennt man schon aus Kindertagen. Später durfte ich das an Hand des klassischen ‚Sender-Empfänger-Modells‘ analysieren. Trotzdem bleibt es immer wieder erstaunlich, wie schwierig es doch ist die Lehren aus dem, was alle wissen können, zu berücksichtigen.

      Schöne Grüße die Stadt mit dem großen O.

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  2. Guten Morgen, mick, dein Eingangszitat gefällt mir. „Häufig“ finde ich witzig. Gibt es denn Nachrichten ohne Bedeutung?
    Einen schönen Samstag von Susane

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    • mickzwo permalink

      Für Shannon war das offenbar nicht klar. Er war Mathematiker, die haben häufig eine eigene Art die Dinge zu bezeichnen. Sie sind sehr genau.
      Folgendes Zitat las ich in Fermats letzem Satz: „Die Mathematiker sind berüchtigt dafür, es ganz genau zu nehmen und einen unumstößlichen Beweis zu verlangen, bevor sie eine Aussage als wahr anerkennen.(S.162) Um das besser zu verstehen sollte man folgende Anekdote auch noch geniessen:
      Ein Astronom, ein Physiker und ein Mathematiker machten einst Ferien in Schottland. Vom Zugfenster aus sahen sie inmitten einer Wiese ein schwarzes Schaf stehen. “Wie interessant”, bemerkte der Astronom, “alle schottischen Schafe sind schwarz!” Darauf antwortete der Physiker: “Nein, nein! ‘Einige’ schottische Schafe sind schwarz!” Der Mathematiker rollte seine Augen flehentlich gen Himmel und verkündete dann: “In Schottland gibt es mindestens eine Wiese mit mindestens einem Schaf, ‘das mindestens auf einer Seite schwarz ist’.”
      https://allesmitlinks.wordpress.com/2012/01/25/fermats-letzter-satz/

      Es sollte die Denkweise von diesen Menschen verdeutlichen. Es kam mir auch komisch vor, im Sinne von ‚merkwürdig‘.

      Danke für Deinen Kommentar und ein schönes Wochenende. mick

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      • oh, mick, das hört sich eher nach dem Denken der Philosophen an ….. wobei die natürlich nahe an den Mathematikern sind, wenn wir an die gesamte Logik denken. Solche Sätze, wie der Mathematiker zu den Schafen formuliert hat, lerne ich im Moment im philosophischen Argumentieren….. genau sprechen ….LG Susanne

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        • mickzwo permalink

          Die Informatik ist, wie vieles andere auch, ein Querschnittsfach. Da ist auch viel von den Philosophen zu finden. Die genaue Sprache ist Grundlage so vieler Professionen. Das Studieren hört nie auf. Es bleibt spanndend.
          LG mick

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          • Genauso ist es… da kann der Studierende nur Panik bekommen, dass er nicht schafft, alles in seinem Leben zu lernen, was er lernen möchte…. *Spaß*

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      • Demnach scheine ich ein recht mathematisches Verhältnis zur Sprache und ein romantisch verklärtes zur Mathematik zu haben. Ein sehr gelungener Anriss, der große Lust auf das Buch macht!

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        • mickzwo permalink

          Susanne – wie ich finde – hat es treffend angemerkt: Jede Nachricht hat eine Bedeutung.
          Und somit trägt sie auch eine Information mit sich.
          Die Sprache(n) die einer benutzt, das ist doch Bestandteil seiner Menschlichkeit. So hat jeder hat ein Recht auf ’seine‘ Sprache. Auch das wissen wir. Aber es gibt Regeln. Die müssen klar sein. Werden Regeln nicht wahrgenommen entsteht babylonische Sprachverwirrung. Man versteht sich einfach nicht. Man hat so eben auch kaum die Möglichkeit Inhalte zu verstehen.
          Ich danke Dir für Deinen Kommentar.
          Viele Grüße, mick.

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  3. mickzwo permalink

    Hat dies auf Alles mit Links. rebloggt und kommentierte:

    Entwicklungen sind selten geradlinig.

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Trackbacks & Pingbacks

  1. Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte | Alles mit Links.

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