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Löwenherz

13. Januar 2013

Neulich war ich im Antiquariat und traf dort zufällig auf einen alten Kunden von mir. Den hat es in eine andere Stadt verschlagen und er war hier zu Besuch. Wir kamen also in ein Gespräch, das einfach nur freundlich war. Es ist nicht wirklich wichtig worüber wir gesprochen haben. Am Ende jedoch waren wir uns bemerkenswert einig: Es hat kaum Sinn, wenn man Dinge sucht. Wird etwas wirklich gebraucht, kommt es schon irgendwie an.

Daran mußte ich denken, als ich Löwenherz las. Ich war etwas krank und schlapp, wie das so ist. Das Lesen ging sehr schnell und es tat einfach nur gut. Dabei lag das Buch in der Bibliothek nur so da herum. Ich habe es auf Verdacht mal mit genommen, nicht wirklich in der Absicht es zu lesen. Schließlich ist das wieder so ein Jugendbuch mit der Aufschrift ‚Abenteuer‘. Aber es sah gut aus und die Legende von Robin Hood mit seinem König Richard Löwenherz habe ich als Kind sehr gemocht. Das prägt. Nun ja, ich bekam diese Erkältung – wie immer ist das lästig – und ich hatte plötzlich sehr viel Zeit. Da lag diese Geschichte. Gute Medizin!

König Richard von England ist ganz neu auf dem Thron und soll schon einen Kreuzzug ins gelobte Land anführen. Wir befinden uns im Mittelalter und es geht auch dort um Liebe, Treue, Einfluß und Geld verdienen, also alle Befindlichkeiten die das Dasein so ausmachen. Hauptpersonen der Geschichte sind Edith de Kyme, ihr Bruder Robert und der Gesetzlose Johnny Greenleaf. Das sind noch Kinder, die plötzlich feststellen, dass sie sich vor der Welt retten müssen.

Wir erfahren mit ihnen etwas über die Verhältnisse dieses Zeitabschnitts und stellen wieder einmal fest: die Beweggründe zum Handeln unterscheiden sich selten. Die Erscheinungsformen sind immer anders, die Gedanken und Gefühle, die ein Mensch hat, die Schlußfolgerungen und Unausweichlichkeiten weisen oft erstaunliche Ähnlichkeiten auf. Da ist es nicht von Belang wo der Stand der Technik und die Wissenschaften angelangt sind.

Wir bekommen Einblick in die Lebensumstände und die gesellschaftliche Lage dieser Epoche. Was Machtpolitik bewegt oder auch nicht. Wozu Sündenböcke in einer Gesellschaft benutzt werden ist gut dargestellt und wir lernen viel über große Ankündigungen und ‚kleine‘ Absichten. Besonders stark fand ich die Schilderungen von Örtlichkeiten, vor allen Dingen aber die Fahrten über das Meer. Aktion, Mordanschläge und Verschwörung kommen auch vor. Und natürlich Liebe.

Warum – nicht nur – so Mädchen immer von den Märchenprinzen träumen. Warum sie sie letztlich doch nicht kriegen und wie sie damit umgehen können. Wie Liebe entsteht und manchmal benutzt wird, um anderes zu erreichen. Begriffe wie Loyalität, Eitelkeit, Mut, Tapferkeit, Feigheit und Angst werden angesprochen und ausprobiert.

Überhaupt, dieses Ausprobieren in diesem Roman finde ich sehr gelungen. Die Beobachtungen sind niemals von oben herab oder einseitig. Dass dies eine Geschichte mit einem guten Ende ist, dürfte klar sein. Bei Romanen für Jugendliche, die dann auch noch von König Löwenherz und Gesetzlosen handeln, gehört sich das so.

Wie mir dieses Buch begegnet ist habe ich schon erwähnt. Im Handel gibt es den Titel selbstverständlich auch.

Richard Dübell: Löwenherz. Im Auftrag des Königs. Ravensburger Buchverlag 2012. ISBN: 978 3 473 40078 2

Ps.: Für ausgewachsene Menschen, die immer noch nicht genug von Gesetzlosen und Königen haben, hier noch ein Hinweis auf den Film Robin und Marian mit Sean Connery und Audrey Hepburn in den Hauptrollen. Romantisch aber nicht kitschig. Wunderbar.

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From → Liebe

2 Kommentare
  1. mickzwo permalink

    Hat dies auf Alles mit Links. rebloggt und kommentierte:

    Diesen Text habe ich vor ziemlich genau zwei Jahren an dieser Stelle veröffentlicht.
    Seitdem ist viel passiert. Und doch…

    Etwa zu dieser Zeit wurde mein Freund krank. Damals wusste ich noch nichts davon. Habe ich mich dadurch geändert?

    Menschen, die überleben wollen müssen sicher ein Stück Opportunismus in sich tragen genauso wie sie optimistisch sein sollten. Aber ohne das Quäntchen Glück ist das alles nichts.

    Vieles spricht dafür, das viele Menschen aufpassen müssen und ‚ihres‘ zum Gelingen eines Lebens beitragen. Sichtbar oder im Verborgenen. Allen ihnen ist zu danken. Und weil man nicht weiß, wer und was alles zum Gelingen eines Lebens beigetragen hat, sollte man anständig zu allen sein.

    Irgendwie gleicht es sich doch dann aus. Das ist leichter gesagt als getan. Auf den Versuch kommt es an. Nur darauf. Immer.

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  2. Hat dies auf Offener Computertreff Blog rebloggt und kommentierte:
    Zu den Sommerferien was zu lesen und zu sehen, aus der Bibliothek 🙂

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