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Das hier ist Wasser …

18. Januar 2013

& Wieviel Erde braucht der Mensch?

Schwimmen zwei junge Fische des Weges und treffen zufällig einen älteren Fisch, der in die Gegenrichtung unterwegs ist. Er nickt ihnen zu und sagt: „Morgen, Jungs. Wie ist das Wasser?“ Die zwei jungen Fische schwimmen eine Weile weiter, und schließlich wirft der eine dem anderen einen Blick zu und sagt: „Was zum Teufel ist Wasser?“ So beginnt die berühmte Rede Das hier ist Wasser von David Foster Wallace.*

Gegen Ende 19. Jahrhunderts hat der russische Schriftsteller Leo Tolstoi Geschichten geschrieben, die unter dem Titel „Wieviel Erde braucht der Mensch?“ veröffentlicht wurden.**

    Wovon die Menschen leben handelt von einem Schuster, der einen gefallenen Engel aufnimmt und dabei lernt das ohne Liebe nichts funktioniert.
    Die beiden Alten erzählt davon, wie ein Gedanke durch Riten ausgehöhlt wird.
    Wieviel Erde braucht der Mensch? erzählt schlicht von der Gier: „Es ist gut“, sagte der Teufel, „wir wollen sehen: ich will dir viel Land geben und dich gerade damit fangen.“ S.68
    Die drei Greise berichtet uns, wie ein Bischof etwas über den Hochmut lernt.

Es sind erstaunliche Geschichten, die von der Freiheit sich zu entscheiden erzählen. Sie spielen allesamt im Rußland der Zaren. Allerorten roch es schon nach Revolution.

Zwischen den Texten von Tolstoi und der Rede von Wallace liegen rund einhundertundzwanzig Jahre. Eine Zeitspanne, die niemand von uns in Wirklichkeit nachvollziehen kann. Es sei denn er oder sie bedient sich externer Quellen.

(Die sind dann aus dritter Hand und immer fokussiert. So wie wir subjektiv die Dinge sehen, werden sie von den Berichterstattern und Geschichtenfindern vergangener Zeiten immer fokussiert dagestellt. Das geht ja gar nicht anders.)

Man kann nicht die Welt retten, und auch nicht alle hungrigen Mäuler stopfen. Das ist mal klar. Wenn das Leben dich jedoch in eine Situation stellt, wo du dich zu entscheiden hast, dann entscheide dich.

Menschen sollten das gelernt haben. Oft aber verstecken sie sich hinter Ritualen und Routinen. Sie sind dann nur Robotor, die gesellschaftliche Zahnräder in Bewegung halten. Das ist keine Frage des Lebensstandards.

Einen Skandal zu provozieren, in dem man Dinge beim Wort nimmt; sich auf Selbstverständlichkeiten zu berufen, klingt einfacher als es ist. Die eigentliche Frage muss lauten, was bedeutet Bildung? Für mich ist die Antwort darauf klar: unterscheiden und entscheiden.

Die Entscheidungen des Einzelnen können sehr unterschiedlich sein. Das halte ich nicht für Ausschlag gebend. Es ist jedoch immer notwendig, vor sich selbst als menschliches Wesen zu bestehen. Wenn dieser Grundsatz für andere genau so zu gelten hat, ist das kein Widerspruch. Vielmehr bedingt es sich.

Bildung wird dazu führen, dass man Dinge unterscheiden kann, um auf dieser Basis zu entscheiden. Sie macht eine Gesellschaft aus. Es geht also um Mitgefühl, das auch irgendwann zu Handlungen führen kann.

Sie muss ständig erneuert und überarbeitet werden, das ist unbequem. Es gibt dafür aber auch kein Regelwerk. Das wiederum ist gut, solange es nicht mit lapidar verwechselt wird. Bequem ist es aber auch nicht.

Wer Menschlichkeit und Empathie einmal für sich entdeckt hat, überzeugt andere; jemanden von der Menschlichkeit auszuschließen ist dann nicht möglich.

* David Foster Wallace: Das hier ist Wasser. Kiepenheuer und Witsch 2012, 5. Auflage. ISBN 978 3 462 04418 8
** Leo Tolstoi: Wieviel Erde braucht der Mensch? Anaconda Verlag 2009. ISBN 978 3 86647 443 7

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From → Liebe

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