Skip to content

punkt punkt komma strich

31. Januar 2013

Menschen sind nicht rational und das Leben schon mal gar nicht. Es gibt sogar irrationale Zahlen. Ob das eine andere Geschichte ist, das ist noch nicht raus.

Man soll ja nicht suchen. Nur dann findet man wirklich etwas. Es war kurz vor Weihnachten, ich ging in die kleine Buchhandlung an der Ecke um die Zeit, die ich mir frecherweise einfach genommen hatte, etwas zu verplempern. Mir war eben so. Ich hatte nicht einmal meine Lesebrille dabei. Also ‚Zeit verplempern‘ trifft es dieses Mal in der Tat.

Das einzige Cover, das ich nicht kannte sah etwas altmodisch und angestaubt aus. Um jetzt nicht ganz aus der Rolle zu fallen ließ ich mir das Buch von der Verkäuferin erklären. So ein bisschen war es wie mit dem einbeinigen Zinnsoldaten und dem Spielzeugladen. Das Buch wurde auch vergessen. Ich habe es gekauft.*

Bis Januar musste es allerdings noch in meinem Regal warten, dann war es an der Reihe. Beinahe konnte ich verstehen, dass man das Buch vergessen hatte. Ich hatte ja den Inhalt der Geschichte auch nicht mehr präsent. Wie gesagt, es war kurz vor den Feiertagen und mir war eben so; also: Da wird einer in Island gezeugt und aufgewachsen. Wir begleiten ihn und bekommen alles mit. Also, fast.

Immer aus verschiedenen Perspektiven, die oft seine sind; das ist jedoch nicht zwingend. Die Orte könnten mal seine werden, wir wissen es nicht. Klar ist, wir befinden uns in Island und die Geschichte beginnt in der Zeit nach dem Weltkrieg II. Ein Agarland, das von den Begehrlichkeiten des ‚kalten Krieges‘ profitiert und den wirtschaftlichen Aufstieg probt. Etwas sperrig war das schon.

Alles in fragmentarisch, heranwachsend und scheinbar eklektisch. Ab und an fühlte ich mich an körnerpickende Hühner erinnert. Man weiss nicht nach welchem System sie picken, am Ende sind aber die Körner vertilgt. Wäre ich nicht der Mode gefolgt und hätte also schon einige Island-Krimis konsumiert, dann wären Orte und Namen schon so manches mal ein Hindernis in diesem schmalen Bändchen gewesen.

So aber konnte ich mich auf die Gedanken dieser Geschichte konzentrieren und genoß diese ausserordentliche Übersetzung. In der Tat lässt sie vermuten, dass ‚punkt punkt komma strich‘ von Pétur Gunnarsson eine Perle der isländischen Literatur ist. Wie gut, dass mir so war 🙂

Vergessen braucht man dieses Buch nun wirklich nicht. Es ist auf seine Art spannend. Es ist voller Informationen zu einer, mir bis dahin doch eher fremden Gesellschaft. Da gibt es viel hintergründigen Humor und viel Platz, die gewonnenen Bilder auszumalen. Wer an so etwas Spass hat, der ist hier gut aufgehoben. Menschen sind nicht rational und das Leben schon mal gar nicht.

Das Buch kommt in jedem Fall auf die Vorschlagsliste der Bibliothek!

Pétur Gunnarsson: punkt punkt komma strich. Weidle Verlag.
ISBN: 978 3 938803 34 9
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski.

*Dieser Verweis ist nur für Menschen wichtig, die wissen müssen, warum ich dieses Buch kaufen musste. Ansonsten geht das auch so.

Advertisements

From → Liebe, Sprache

3 Kommentare
  1. ui, dann freu ich mich aber. hab’s in der bibliothek entdeckt und es wartet gerade darauf gelesen zu werden.

    Gefällt mir

Trackbacks & Pingbacks

  1. “Ich finde Eisenbahnen so widerlich” | lesen & schreiben

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: