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Der Wind und der Löwe

3. Februar 2013

Es handelt sich bei Der Wind und der Löwe um einen Film nach einer wahren Begebenheit.* Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es in Nordafrika die sogenannte Marokkokrise. Ein Berbersherif entführt eine amerikanische Diplomatenwitwe mit ihren zwei Kindern. Er versucht sich damit bei dem Präsidenten der USA gehör zu verschaffen. Die europäischen Großmächte üben schon mal etwas für den WK I. Der amerikanische Präsident will wiedergewählt werden. Europa und Afrika sind weit und erstmal nicht so interessant.

Eine Pferdeoper also und ein Berbersherif mit eigenen Plänen, mittendrin. Überhaupt ist die Situation in Marokko nicht einfach zu blicken: Es gibt so viele Führer von Stämmen mit unterschiedlichen Ambitionen. Wilde, halt. Zu unübersichtlich für so einen US-Präsidenten. (Da unterscheidet er sich kaum vom Durchschnittsbürger.) Als der amerikanische Präsident die Situation als brauchbar in den Blick bekommt ist zwischen dem Entführer und den Enführten längst ein Respekt entstanden, der beide Seiten als, sagen wir, ehrenvoll darstellt.

Hier passiert internationale Politik, wobei die Beweggründe unterschiedlicher kaum sein können. Auslöser und Helfer sind wie immer menschliche Bedürfnisse, die dann von der großen Politik zum Anlaß genommen werden um eigene Ziele zu verfolgen. Ob es sich um einen Kampf auf Leben und Tod oder um ein Spiel handelt, hängt nicht so sehr von der Überzeugung ab. Der Standort und die Funktion der Protagonisten sind viel wichtiger. Man wird sich das kaum aussuchen können. Als Spiel erscheint es, solange nicht von Belang ist, wie die eigenen Interessen tangiert werden. Man kann sich einbilden, man sei von dem Vorgang allenfalls nur mittelbar betroffen.

Die Szenen in der Wüste waren schon abenteuerlich und wirklich grandios. Eine besorgte Mutter denkt nicht gerade in politischen Kategorien, wenn es um das Überleben ihrer Kinder oder das eigene geht. Der Berbersherif ist anfangs etwas irritiert über seine Opfer. Andersherum ist das auch so. Das Verhalten auf beiden Seiten läßt sich durchaus als stolz und respektvoll bezeichnen. Dabei wird kein Zweifel über die jeweiligen Ziele gelassen. Trotzdem versucht man den Standpunkt des Gegners zu verstehen, und manchmal gelingt das auch. Die politische, oder gar historische Ebene hat man da schon lange verlassen.

Zurück zur großen Politik: Am meisten hat mich da die Wahlkampfrede des auf Wiederwahl hoffenden beeindruckt. Auf einer Zugplattform irgendwo im Westen der USA hält der bald wiedergewählte Präsident eine flammende Ansprache über Freiheit usf. Gleichzeitig steht ein stoischer Indianer als Dekoration etwas verloren daneben. Vielleicht denkt er daran, wie schön es früher in der Prärie war, als er noch als freier Mann leben konnte. Kann aber auch sein, dass er nur nach Hause will und müde ist. So etwas kommt dem Politiker überhaupt nicht in den Sinn. Er hat Wichtigeres zu tun.

Der Wind und der Löwe begegnen sich in diesem Stück scheinbar nie. Auf den ersten Blick ist dieses Kammerspiel gut gemachte Unterhaltung. Es ist ein Familienfilm, spannend und abenteuerlich. Beim zweiten Hinschauen entpuppt es sich für mich als eine hervorragende Parabel um Politik und oder dem Wunsch nach Freiheit. Dieser Wunsch zeigt sich auf ganz verschiedenen Ebenen. Die Ebenen nehmen einander oft nicht wahr. Und doch sind sie unzertrennlich. Menschen leiden, weil einige glauben da geht es um Spiele die durch tricksen zu lösen sind. Die Orte und Ereignisse sind austauschbar. Zur Zeit ist es Syrien, das schön Grüßen läßt.

John Milius: Der Wind und der Löwe. Film, 114 Min. 1975. Columbia Pictures. Mit Sean Connery, Candice Bergen, Brian Keith, John Huston, Steve Kanaley u.a. FSK: ab 12 freigegeben.

Gehört in gute Bibliotheken. War als Kaufvideo ab dem 6.Januar 2004 im Handel.

* zu den Fakten siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Wind_und_der_Löwe und http://www.cinema.de/film/der-wind-und-der-loewe,1324124.html

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From → Liebe

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