Skip to content

Tschick

10. März 2013

Dieser Roman handelt von Maik und Tschick, die sich finden um Dinge zu prüfen, die jeder irgendwann für sich zu prüfen hat. Auf einer aberwitzigen Spritztour finden die beiden heraus, wie Freundschaft entsteht und was Treue bedeutet.

Ich dachte daran, dass es jetzt nicht mehr lange dauern würde, bis ich Tschick in seinem Heim besuchen konnte, und ich dachte an Isas Brief. (…) und ich freute mich wahnsinnig. Weil, man kann zwar nicht ewig die Luft anhalten. Aber doch ziemlich lange. (S.253f)

Die Entfernung bleibt. Das Erinnern, dass es so eine Konfusion gibt, ist ja da. Alles fällt uns wieder ein. Es ist die Verbindung aus Ahnungslosigkeit über die Welt, gewitzter Cleverness sowie jugendlicher Überheblichkeit. Die ist nur noch zu toppen durch die Ignoranz oder die verschnarchten Weisheiten der vermutlich Erwachsenen. Die Augenblicke, wenn die Jungen sich aufmachen die Welt zu erobern, werden so begleitet. Oder gar nicht erst bemerkt. Schließlich hat man zu tun. Der Stress und so.

Neulich hatte ich einen Dialog mit meinem Sohn. Es ging um eine Hausaufgabe, bei der er meine Meinung hören wollte. Er: … Dann ist das also ein Generationending. Ich: Das ist es doch immer. … Upps?! Also jetzt auch? Genau an dieser Stelle hätte sich der Bulle wieder daran erinnern können, dass er selbst mal Kalb war.

Noch peinlicher als peinliche Eltern sind Erwachsene die sich anbiedern. Wir wollten nie so werden wie unsere Eltern. Versuchen wir auch nicht aus unseren Kindern Abziehbilder von uns zu machen. Liebe und Freiheit wachsen durch teilen. Es geht also um die wirklich wichtigen Sachen. Mut, Selbstbewusstsein und das Richtige von Falschen zu trennen. Was ist schon Schule oder Karriere gegen die Liebe des Lebens?

Die Geschichte ist überraschend, fesselnd, lakonisch. So gesehen erst mal beste Unterhaltung. Super!

Wolfgang Herrndorf: Tschick. Roman 2010. Rowohlt. ISBN 978 3 499 25635 6

Wer will kann auch folgendes Lesen: Unser allerbestes Jahr. Stehen wir dazu aber kokettieren wir nicht damit.

Advertisements

From → Liebe, Sprache

4 Kommentare
  1. ich habe tschick auch gerne gelesen, allerdings glaube ich, dass herrndorf besseres geschrieben hat.
    und was kinder und die rolle der eltern in ihrem leben angeht, ich glaube, viel mehr als sie „mit liebe zuscheißen“, wie herr schneck, das einmal so treffend formuliert hat, kann man nicht tun.

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      Ich glaube auch, dass man seine Kinder bedingungslos lieben muss. Allerdings sind wir nicht ihre Freunde. Diese Rolle haben eben die Freunde und nicht die Eltern. Wenn Eltern ihre Kinder nicht als das respektieren, was sie sind, wie können dann Eltern Respekt von den Kindern erwarten?
      Kinder suchen sich ihre Identifikationspersonen. Wenn wir dabei sind, haben wir etwas richtig gemacht.

      Von Herrndorf habe ich nur noch den Titel „Sand“ gelesen. https://allesmitlinks.wordpress.com/2012/06/03/sand-2/ Vermutlich müsste ich es noch einmal lesen. Ich weiß nicht, ob ich es kann.

      Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße

      mick

      Gefällt mir

  2. …und immer hoffe ich so sehr, dass ich meinen erwachsenen Kindern keine „verschnarchten Weisheiten“ darbiete….
    Den Roman fand ich spritzig, dennoch tragisch…

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      Ich bin da zweifach optimistisch. Die Kinder sind viel klüger, als wir es uns vorstellen können. Wir können ihnen doch nur etwas anbieten. Machen müssen sie es dann doch sebst.

      Den Roman fand ich, wie Du, sehr anregend. Zum Ende hin habe ich auch erst angenommen, das ist eine tragische Geschichte. Aber, was der auf der letzten Seite sagt, ist für mich Optimismus pur. Maik weiß was er ändern kann und was nicht. Er macht sich seine eigenen Gedanken. „Weil, man kann zwar nicht ewig die Luft anhalten. Aber doch ziemlich lange.“ So etwas nenne ich erwachsen werden.

      Danke für Deinen Kommentar, mick.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: