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In der Hitze der Nacht

14. März 2013

Young, gifted and black.

Jung, gut aussehend und etwas blasiert. Großstädtisch eben. Ein Städter aus dem Norden trifft auf die Provinz der Südstaaten. Alles könnte gut sein, wäre da nicht ein kleines Detail, das er eine Spur zu selbstverständlich mit sich herum trägt. Er ist schwarz. So ein Neger auf der Durchreise muss doch schuldig sein, verdächtig ist er allemal. Schließlich wäre das die sauberste Lösung. Man könnte schnell wieder in sein gemütliches Leben zurückkehren.

Dumm nur, dass dieser Schwarze so halsstarrig ist, seine Unschuld zu beteuern. Dann stellt sich noch zu allem Überfluss heraus, dass er Polizist aus dem Norden ist, auf der Durchreise. Der muss es natürlich nun allen zeigen. Lässig und analytisch geht er die Sache an. Im Grunde hält er sich an die Regeln. Er hat Kenntnis von einem Officialdelikt bekommen, und da sollte man einschreiten.

Schnell wird klar, dass diese Regeln nur als Fassade dienen. Wir befinden uns in Mississippi, Mitte der 60er Jahre (im 20sten Jahrhundert). Hier werden Regeln von Weißen für Weiße benutzt. Was nicht passt, wird passend gemacht. Die Trennung in oben und unten, in schwarz und weiß, ist ungeschriebenes Gesetz. Er ignoriert es einfach. Das ist der eigentliche Skandal um den es geht. Ein Neger auf der Suche nach Wahrheit.

Das hat uns gerade noch gefehlt. Aber eigentlich betrifft es uns ja auch nicht. Wir haben andere Sorgen. … Ist ja auch schon immer so. … Und jetzt ist plötzlich Zorn da … Hab ich doch gleich gesagt. Genau. Irgendwie macht es doch klick bei Sheriff Gillespie. Nach einer bösen Begegnung sagt er zu Inspector Tibbs: Ist es die Möglichkeit? Man, sie sind ja nicht anders als wir alle. Na, so was. Es sind Menschen, und Menschen sind so. Nicht mehr und nicht weniger.

To be Young, gifted and black, 1970 von Nina Simone herausgebracht, wurde zur Hymne der Civil Rights Bewegung in den USA. In der Aufnahme von Bob and Marcia kam das Lied auch nach Europa und eroberte die englischen Charts. Da trällerte so ein Song von den Tamla Motowns in den Music Boxen und unterhielt uns. Veredelte Schwarze sangen da sehr fröhlich, wie schön das Leben sein könnte. Hörte man genau hin, war da ein Versprechen: Wir sind genau so wie ihr, wir können Euch helfen und wir sind da. Wie das so ist, mit dem genauen Zuhören.

Immer geht es um die Zivilisation als Ganzes. In der Zwischenzeit hat uns die Retrowelle der Retrowelle umspült. Ob es Bücher, Filme, Bilder, Musiken oder sonstige Darstellungen sind, große Kunst altert nicht. Die Verpackung mag sich ändern. Das Thema beschäftigt immer wieder. Dieser Film gehört für mich dazu. Wunderbar und differenziert gespielt, klar in der Aussage und bis zum Ende spannend.

Norman Jewison: In der Hitze der Nacht. Spielfilm 1967. USA. Mit Sidney Portier, Rod Steiger, Warren Oates, Lee Grant, u.a. Die Musik zu dem Film ist von Quincy Jones. Den Titelsong hat Ray Charles gesungen.
(s.a. http://de.wikipedia.org/wiki/In_der_Hitze_der_Nacht)

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From → Liebe, Sprache

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