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Geschichten und Orte

7. April 2013

Jedes Ding hat ein eigenes Leben und kann Dir Geschichten erzählen. Du kannst es ausprobieren, behutsam.

Geschichten sind fast so, wie Menschen. Es gibt kleine und große, dicke und dünne. Manche sind bunt wie Harlekine, andere wieder bevorzugen eher ein sachliches Grau. Sie können offen daherkommen und doch so verschlagen sein. Bestürzend ehrlich oder zum erbrechen ölig, berechnend bis dort hinaus sein. Misstrauisch tastend können sie in die Welt gehen oder auftrumpfend Wahrheiten verkünden.

Wir sehen immer nur das Äußere und müssen uns erst mal daran orientieren. Eigene Maßstäbe sind da sehr wichtig. Lassen wir eine Geschichte für uns zu, braucht es Zeit. Ob sie für uns von Wert ist oder nicht, ist letztlich nie ganz sicher.

Alle Büchereien sind irgendwie gleich. Manche heißen Bibliothek, Sammlung oder gar Archiv und Museum. Alle haben sie eines gemeinsam: sie sammeln Geschichten und Sachverhalte, die man auf diversen Datenträgern konsumieren kann und dabei, schneller als einem lieb ist, staubig werden. Sie bunkern Geschichten. Es ist ihnen egal welche.

Meistens stehen diese Geschichten in Regalen und sie sehen so aus, als warten sie brav darauf entdeckt zu werden. Manche stehen wohl geordnet und gut ausgeleuchtet da. Andere versinken im Chaos, vermodern langsam und unbeachtet in Kellern, oder in baufälligen Gebäuden. Scheinbar gelassen harren die Geschichten der Dinge, die da kommen.

Dabei führen sie ihr eigenes Leben. Sie lassen uns schon mal daran teilnehmen. An guten Tagen werden die durchstöbert. Von Dir. Manches Mal gehst Du achtlos vorbei an den Regalen und Tischen, wo die Geschichten ihr Dasein fristen. Dabei warten sie nur, auch auf Dich. Sind quasi auf dem Sprung Dich als Leser, Hörer oder Betrachter ihrer Botschaft einzufangen.

Sie wollen Dich gerne mitnehmen auf eine Reise in ihre Zeiten. Wenn es gut läuft, wirst Du aufmerksam und wendest Dich ihnen zu. Die Mehrheit wirst Du einfach liegen lassen. Zu viele, und für Dich kaum brauchbar.

Einige verstehen es, Dich zu fesseln. Die begleiten Dich dann für eine Weile. Oft ist das sehr kurz und Du legst sie dann zu den anderen. Ab und zu kommst Du nochmal vorbei und schaust nach ihnen. Auf Dauer kannst Du sie aber vergessen. Du wirst es.

Die guten Geschichten – einmal gefunden, wie Du meinst – verlassen Dich nicht mehr. Sie ziehen Dich immer wieder an und Du wirst alt dabei. Wächst, um dann ganz klein zu werden. Nicht sie. Sie sind da, irgendwo. Immer auch für Dich. Sie können scheinbar endlos warten. Irgendwann kommt ihr Moment und du glaubst Du hättest sie gefunden. Du Narr.

Ab und zu begegnen Dir welche, die sind Dir auf Anhieb sympathisch. Sie umgarnen Dich, sind auf einer Wellenlänge mit Dir. Es ist gar nicht selten, da sind Geschichten auch spröde. Sie drehen Dir erstmal den Rücken zu, sperren Dich scheinbar aus. Wenn Du dann diesen Zugang nicht freischaufelst, dann hast Du verloren. Du wirst nie erfahren, wohin diese Geschichte Dich mitnehmen könnte.

Dinge, die Angst machen, kannst Du gleich ignorieren. Niemand braucht Angst. Mit seinen Befürchtungen sich auseinander zu setzen ist allerdings richtig. Wenn Du Glück hast geben sie Dich am Ende frei. In eine andere Welt und alles beginnt von neuem.

Für willi. (mick/Lago di Garda, 2013)

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From → Liebe, Musik, Sprache

4 Kommentare
  1. mickzwo permalink

    Hat dies auf Fett/Anthrazit Blog rebloggt und kommentierte:

    Ich lese gerade ‚Stoner‘ . Mal sehen.

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  2. Ich denke zur Zeit öfter an Pat Conroy. Seine Geschichten haben mich vor etlichen Jahren mit unter Wasser gezogen und wieder ans Ufer gespuckt.
    Ein feiner Artikel!

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    • mickzwo permalink

      Ich lese gerade Amitav Ghosh: Das mohnrote Meer. Das zieht mich auch gerade ‚unter Wasser‘ und ’spuckt mich wieder ans Ufer‘. Mal sehen, was da noch kommt.

      Danke für den Kommentar. mick

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  3. Toll, werde darüber sinnieren! 🙂
    Habe einen feinen Restsonntag!
    Dina

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