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You will stand the rain (feat.: Oma Frieda)

29. April 2013

wenn du jemals auf einer großen wiese stehst
und es langsam dunkel wird,
die füße gleichmäßig naß sind
und die jacke steif vom regen ist,
der sich nicht entscheiden kann,
ob er eis oder wasser sein soll.
wenn du also dort stehst
und der wind dir einfach deine mütze weg pustet
und du dich zu fragen beginnst,
ob deine ohren nun gleichzeitig
oder kurz nacheinander abfallen werden.
wenn du dort stehst,
und den verdammten knoten kaum noch siehst,
an dem du mit deinen schon steifen fingern
ungeduldig herumhantierst, aber bleibst,
weil du diese bescheuerte schnur
zum binden brauchst, an einer anderen stelle
die du bang im auge hast
weil sie gleich umkippen wird
und damit alles auseinander laufen läßt;
wenn du dort stehst,
weil sowieso alles schon zu spät ist
und du dein taschenmesser vermißt,
das dir gewöhnlich nutzlos die tasche verbeult
und das du nur aus blödheit hast liegen lassen;
wenn du also dort stehst
dann stell‘ dir vor,
wie komisch ich ausgesehen haben muß,
und ich schwör’ dir:
du machst den knoten auf!
du machst ihn auf.

Datt Leben geht weiter.

ps.: meine Oma war ein Mädchen aus Ostpreußen und kam nach dem WK I. nach Westen, wo sie Kaltmamsell im Düsseldorfer Hof wurde (später hatte sie dort quasi den Bereich Kaffee unter sich) war in solchen Situationen recht kurz: „Jung,“ sagte meine Oma dann (Originalton): „Jung, datt Leben geht weiter.“

Genau!
© mick.

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From → Liebe

4 Kommentare
  1. Verfeinert vom Fußballfilosofen Dragoslav Stepanović: „Lebbe geht weiter.“

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  2. Das Kleid, die Schuhe, vor allem diese gigantische Handtasche, boah, was für eine Frau! In der Gastronomie sicher am besten Platz!

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Ich kannte diese Frau nur als gigantische Oma, die immer kleiner wurde. Erst spät entdeckte ich, dass sie noch in der Gastronomie beschäftigt war. Da hatte sie anfangs gewiss noch andere Ausmaße. Sie war mit Sicherheit einmal eine junge Dame voller Anmut und Schönheit. Doch das waren – für mich als ihr Enkel – nicht die Kriterien, um die Wärme zu finden, die ich benötigte.

      Oma Frieda hatte sich für diesen Anlaß fein gemacht. Schließlich hatten wir uns einen Ausflug zum Kaiser-Willhelm-Denkmal gegönnt. Sonst bevorzugte sie eher die traditionelle Kittelschürze. Für mich war das immer eine kleine Oma. Immerhin war sie allenfalls 1,60 groß, ich würde bestimmt noch wachsen. Heute sehe ich sie auch als gigantisch an. Was für eine Frau!
      (Die Mode von damals ist bei ganz hippen Mädchen heute wieder zu sehen.) Ich koche heute noch den Kaffee nach ihren Regeln 🙂

      Danke für den Kommentar, mick.

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