Skip to content

Kabelsalat

3. September 2013

So, jetzt ist der Urlaub vorbei. Muss mich akklimatisieren. Waren in Leipzig (wundervoll), haben das Zimmer des Jüngsten renoviert (aufregend und gelungen, wie man attestierte) um dann Ostfriesland zu erkunden (schön und merkwürdig). Das alles eigentlich ohne Internet also, mehr so behelfsmäßig.

Ich liebe die Freiheit. Dazu gehört es auch ohne Kabel zu sein. Nichts aufladen zu müssen, keine Photos zu schießen, die ‚laufenden‘ Ereignisse laufen zu lassen. Dazwischen hatte ich immer ein Buch, das war nicht zu Ende gelesen – konnte ich nicht – sollte im Internet Pläne usf. nachgucken – wollte ich nicht. Statt Akkus für Photoapparate aufzuladen wollte ich doch meine eigenen wieder aufladen.

Es scheint so, als komme ich aus der Nummer mit der Technik nicht so schnell wieder heraus. Einmal Admin immer Admin. Ist ja auch so schön bequem. ‚Das können wir doch schnell im Internet..wenigstens das, ist doch ein Klax.. für dich.‘ – ‚Dann mach doch!‘

Sie sind dann eingeschnappt. Ist es auch nicht gut. Man wird dann ja nicht gebraucht. …Für den Moment ist jedenfalls Ruhe. Lesen lohnt nicht, also geht man kurz ins Internet. Sachen erledigen. ‚Schau doch mal nach, wie das Wetter auf der Insel wird!‘ Sagt man jetzt, was man denkt, ist der Tag ruiniert. Also bricht man den Kommentar ab, den man los werden wollte (wenigstens den) und sucht nach dem Wetter.

Kabelsalat.

Dieses Buch ist mir wieder mal zufällig in die Hände gefallen. Den Titel fand ich so toll, das Cover eher befremdlich. Das ist so ein Buch über eine Reise zum Internet. Was ist das, wo findet man es, dauert es lange und muß man sich anmelden?

Wir sind ständig online, ziehen Daten aus der Cloud, alles funktioniert wireless. Was das heißt, hat Andrew Blum nie richtig verstanden. Doch als ein Eichhörnchen die Internetleitung in seinem Garten anknabbert, wird ihm klar: So analog ist digital. Andrew folgt dem Kabel, und eine faszinierende Reise zu den verborgenen Orten und Knotenpunkten des World Wide Web beginnt … *

Dabei hat die neue Technik der herkömmlichen Geographie bis ins Detail zu folgen. (Man wird sehen.)

Die Cloud des Internets und all die einzelnen Bestandteil(e) dieser Cloud waren reale, unverwechselbare Orte – eine im Grunde selbstverständliche Tatsache, die uns nur wegen der Unmittelbarkeit seltsam vorkommt, mit der wir permanent mit diesen Orten kommunizieren. (S.286)

Manchmal braucht es dreihundert Seiten, um Sätze wie diese zu finden: Was ich nach meiner Rückkehr nach Hause begriffen habe, ist, dass das Internet keine physische oder virtuelle Welt ist, sondern eine menschliche. Die physische Infrastruktur des Internets hat viele Zentren, aber von einer bestimmten Warte aus betrachtet gibt es in Wirklichkeit nur eines: Sie. Mich. Ganz egal, wo ich bin und wo Sie sind. (S.304)

Jetzt muß nur noch das kleine Männchen das Licht im Computer löschen, dann wird geschlafen. Man kann das aber auch alles kompliziert machen. Oder so 😉

* Text auf dem Umschlag

Ich fand, es war eine gute Zeit mit dem Buch. In ordentlichen Bibliotheken und im Handel.

Andrew Blum: Kabelsalat. Wie ich einem kaputten Kabel folgte und das innere des Internets entdeckte. Knaus-Verlag 2012. ISBN: 978 3 8135 0388 3

Advertisements

From → misc.

10 Kommentare
  1. mickzwo permalink

    Hat dies auf Alles mit Links. rebloggt und kommentierte:

    Ziemlich genau vor zwei Jahren war ich auch im Urlaub. Dieses Mal waren wir kurz bei Mannheim, sind den Neckar hinunter gegondelt um dann über Augsburg nach München zu fahren. Darum konnte ich ein Versprechen nicht einlösen. Das tut mir Leid, aber so ist es nun mal. In diesem Fall gilt, aufgeschoben ist nicht aufgehoben!
    Ich denke, die Akkus sind wieder prall aufgeladen. Jetzt gehe ich in meiner Gegend noch etwas wandern und nächste Woche beginnt das geregelte Leben wieder 🙂

    Gefällt mir

  2. Ein feiner Artikel er mich nachdenklich stimmt, lieber Mick, Das ist gut so! Neulich las ich einen Artikel, „Früher hatte ich ein Leben, heute blogge ich“. Der Verfasser nahm es humorvoll, aber ich finde es befremdlich wie die Prioritäten sich ändern und halte eine Auszeit vom Netz für heilsam.

    Heute is man ja gar nicht mehr weg vom Netz; die Smartphones, das wird ja eine regelrechte Seuche. „Junge Eltern verbringen mehr Zeit mit ihren Smartphones als mit dem Nachwuchs“, „die neue Stadtkrankheit“; es werden noch schlimmere Übeschriften kommen.

    Die eigene Batterien statt die ganzen Akkus aufladen hört befreiend gut an. Ganz ohne Kabelsalat. 🙂
    Hab‘ ein feines Wochenende!

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      Liebe Dina,

      diese Reisen, mit allen durm und dran, waren für mich wirklich sehr aufschlußreich.
      Dein Kommentar hat mich sehr berührt. Natürlich freue mich, wenn Du meinen Artikeln Aufmerksamkeit schenkst und sie manchmal kommentierst. Noch mehr freue ich mich über Deine Arbeit und die vieler anderer. Die Ideen und Gedanken, mit denen man sich plötzlich auseinandersetzen kann, sind manches Mal überfordernd. Oft sind sie anregend und immer wertvoll. Aber, man kann seine Zeit nur einmal verwenden. Die Entscheidung darüber steht immer im Raum und muss von Zeit zu Zeit überprüft werden. Das gehört dazu.

      Liebe Grüße und einen guten Start in die Woche. mick.

      Gefällt mir

      • LIeber Mick,

        da schreibst du was!Es freut mich, dass dir meine Antwort gefallen hat.
        Deine Worte berühren mich zu tiefst. Ich habe gerade Pause in meiner Nachtschich in der Uniklinik; aus beruflicher Sicht und natürlich auch privat kann und möchte ich jedes Wort doppelt unterstreichen;

        …“man kann seine Zeit nur einmal verwenden.“

        Ich habe es mir auf einen Zettel aufgeschrieben. Für meinen Schreibtisch zu Hause. Nicht als Mahnung, nur als Erinnerung. Ist das nicht sonderbar, wenn man etwas, was man sowie weißt und kennt und nichts Neues ist, plötzlich in einem neuen Satz liest und man ist wie vom Donner gerührt? So geht’s mir gerade. Dafür danke ich dir vom ganzen Herzen.

        Dir auch einen guten Start in der Woche.
        Dina

        Gefällt mir

  3. Ich erlebe das vor allem, wenn ich nicht alleine bin… die Fotografiererei schafft dann eine unangenehme Distanz. Zum Mitmenschen und zum Erleben. Irgendwie als würde man versuchen, gemeinsam Musik zu machen, jeder jedoch zum Takt eines anderen Metronoms. Um nur einen Punkt aus Deiner wie immer anregenden Besprechung aufzugreifen.

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      Möglicherweise kann man ja mit einem Metronom sein Glück finden. Fest steht jedenfalls: Zwei Alleinunterhalter auf einer Bühne ist meistens schlecht. Oft vergesse ich das. Manchmal hilft eine Reise oder eine Geschichte, mich daran zu erinnern.
      Vielen Dank für Deinen freundlichen Kommentar.
      Liebe Grüße, mick.

      Gefällt mir

  4. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Klingt nach einem interessanten Buch. Lieben Gruss und frohes wieder einleben, Peggy

    Gefällt mir

    • mickzwo permalink

      Für mich waren die Reisen und der Konsum der Geschichte(n) sehr interessant. Am Einleben arbeite ich, wie jedes Mal.
      Liebe Grüsse, mick

      Gefällt mir

Trackbacks & Pingbacks

  1. Holiday Planning | kbvollmarblog
  2. Bloggen | Alles mit Links.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: