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Alter Narr, was nun?

12. Oktober 2013

Als Ersthelfer hat man zuerst den Grundsatz zu lernen, nur wer nichts tut macht was verkehrt. Sogleich folgt auf diese goldene Regel: Lage sondieren, für festen Stand sorgen und Notruf absetzen. Wer dann noch in der Verfassung ist, dem Verletzen zu helfen, sollte das tun. Ansonsten gilt abwarten. Klingt leichter, als es ist.

Zufällig politischer Kabarettist weil die Machthaber für Komik keinen Sinn hatten. Sie waren einfach humorlos. Das aber konnte Werner Finck noch nie leiden. Und leidenschaftlich war er. Die Gegenspieler waren nicht dumm. Das waren ja nicht die Mitläufer und willfährigen Schergen. Das waren Goebbelse und Görings, zwischen die geriet er. Sie verstanden schon das Politische im aufmüpfigen Wesen eines Werner Finck. Vielleicht eher als er selbst. Aber da war es schon zu spät zum Emigieren. Zu seinem Glück waren die beiden Herren sich nicht so ganz einig …

Werner Finck meldet sich also freiwillig zur Wehrmacht um dem Lager zu entgehen. Vielleicht denkt er, lieber sich selbst konzentrieren … bleibt Optimist auch dort wo er sich verstecken muß. Finck wird ausgebildet zum Funker bei der ENNEA 23. Will sich anpassen aber nicht klein kriegen lassen. Der Funker erfindet die Truppenbetreuung und ist neuerlich Dorn im Auge. Gesehen wird er sowieso – fühlt sich beobachtet – von den Humorlosen.

Beim unvermeidlichen Drill analysiert er das militärische Prinzip von Sprache, Hierarchie und Demütigung.(S.143ff) So viel über Vorgesetzte und Zurückgesetzte. (S.145) Der Funker macht Quatsch und je friedlicher er es haben kann, desto größer wird seine Angst ihnen lästig zu werden. Schnell ist ihm klar, Sicherheit gibt es nur möglichst nah bei der Front: Er wußte, dorthin kommen solche Brüder auf keinen Fall. (S.149)

Nach dem Krieg sollte alles neu sein. Es wird ein Neubeginn mit Hindernissen. Er gründet unter anderem Die radikale Mitte, die Flögel-Gesellschaft sowie eine Vereinigung mit dem Namen: Zur Pflege und Förderung. Er spricht in der Pauls-Kirche zu Frankfurt. Gründet Theater. Außerdem erklärt er was ein NURSOIST ist, und dass dieses schöne Wort nicht in den einschlägigen Werken zu finden ist. Warum, das kann sich jeder selbst denken.

Werner Finck erlebt das Kriegsende in einem Internierungslager in Norditalien und in der darauffolgenden Zeit so manches Wunder in Deutschland. Darunter auch viele Blaue. Hat Feinde und Freunde, polarisiert und wird ausgezeichnet. Einer der ganz großen vor dem Krieg wird im Bundeswirtschaftswunderland schon hochgehalten und geehrt, aber in der Hauptsache mit Blödelnebenrollen abgespeist.

Vielleicht ist der zu gutgläubig oder nur zu konsequent. Wahrscheinlich bekommt man so ein Mittelding attestiert. Da sind sie wieder, die Humorlosen. Was macht dann so einer? Augen auf und durch. Versuch macht eben klug.

Werner Finck: Alter Narr – was nun? Geschichte meiner Zeit. Herbig 1972.
ISBN 3 7766 0589 8 Meinem Exemplar bin ich in einen Antiquariat wiederbegegnet. Das Buch basiert auf einem Vortrag.

Links zu Werner Finck:
http://www.hdg.de/lemo/html/biografien/FinckWerner/index.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Finck

Ein Video zur berühmten Schneiderszene konnte ich leider nicht finden. Man kann das mit Humor nehmen. Lustig ist das nicht. Abgedruckt ist sie in meiner Ausgabe auf Seite 66f.

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