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punkt punkt komma strich – noch einmal

24. Dezember 2013

Menschen sind nicht rational und das Leben schon mal gar nicht. Es gibt sogar irrationale Zahlen. Ob das eine andere Geschichte ist, das ist noch nicht raus.

Man soll ja nicht suchen. Nur dann findet man wirklich etwas. Es war kurz vor Weihnachten, ich ging in die kleine Buchhandlung an der Ecke um die Zeit, die ich mir frecherweise einfach genommen hatte, etwas zu verplempern. Mir war eben so. Ich hatte nicht einmal meine Lesebrille dabei. Also ‚Zeit verplempern‘ trifft es dieses Mal in der Tat.

Das einzige Cover, das ich nicht kannte sah etwas altmodisch und angestaubt aus. Um jetzt nicht ganz aus der Rolle zu fallen ließ ich mir das Buch von der Verkäuferin erklären. So ein bisschen war es wie mit dem einbeinigen Zinnsoldaten und dem Spielzeugladen. Das Buch wurde auch vergessen. Ich habe es gekauft.*

Bis Januar musste es allerdings noch in meinem Regal warten, dann war es an der Reihe. Beinahe konnte ich verstehen, dass man das Buch vergessen hatte. Ich hatte ja den Inhalt der Geschichte auch nicht mehr präsent. Wie gesagt, es war kurz vor den Feiertagen und mir war eben so; also: Da wird einer in Island gezeugt und aufgewachsen. Wir begleiten ihn und bekommen alles mit. Also, fast.

Immer aus verschiedenen Perspektiven, die oft seine sind; das ist jedoch nicht zwingend. Die Orte könnten mal seine werden, wir wissen es nicht. Klar ist, wir befinden uns in Island und die Geschichte beginnt in der Zeit nach dem Weltkrieg II. Ein Agarland, das von den Begehrlichkeiten des ‚kalten Krieges‘ profitiert und den wirtschaftlichen Aufstieg probt. Etwas sperrig war das schon.

Alles in fragmentarisch, heranwachsend und scheinbar eklektisch. Ab und an fühlte ich mich an körnerpickende Hühner erinnert. Man weiss nicht nach welchem System sie picken, am Ende sind aber die Körner vertilgt. Wäre ich nicht der Mode gefolgt und hätte also schon einige Island-Krimis konsumiert, dann wären Orte und Namen schon so manches mal ein Hindernis in diesem schmalen Bändchen gewesen.

So aber konnte ich mich auf die Gedanken dieser Geschichte konzentrieren und genoß diese ausserordentliche Übersetzung. In der Tat lässt sie vermuten, dass ‚punkt punkt komma strich‘ von Pétur Gunnarsson eine Perle der isländischen Literatur ist. Weil die Hölle bei den anderen ist, sagten sie, muß das Paradies hier sein. ** Wie gut, dass mir so war 🙂

Vergessen braucht man dieses Buch nun wirklich nicht. Es ist auf seine Art spannend. Voller Informationen zu einer – mir bis dahin doch eher fremden – Gesellschaft, ist es punktgenau. Und doch: mit hintergründigen Humor bietet es viel Platz, die gewonnenen Bilder auszumalen. Wer an so etwas Spass hat, der ist hier gut aufgehoben. Menschen sind nicht rational und das Leben schon mal gar nicht.

Die Welt ist groß und Island ist ein Teil davon.

Pétur Gunnarsson: punkt punkt komma strich. Weidle Verlag.
ISBN: 978 3 938803 34 9
Aus dem Isländischen von Benedikt Grabinski.

* Dieser Verweis ist nur für Menschen wichtig, die wissen müssen, warum ich dieses Buch letztlich kaufen musste. Ansonsten geht das auch so.

** Seite 20, ebendort

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From → Liebe, Sprache

9 Kommentare
  1. Du machst mich neugierig auf die Bücher, die Du vorstellst.
    Mal vielen lieben Dank für Deine stets lesenswerten spannenden Beiträge!
    Dir und Deinen Lieben wünsche ich frohe Weihnachten✨

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  2. ich lese sehr, sehr gerne Bücher aus Island, angefangen hat alles in den 1970iger Jahren mit der Islandglocke, falls du sie nicht kennst, dann kann ich sie dir nur empfehlen …
    danke auch für deinen Tipp
    herzlichst
    Ulli

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  3. mickzwo permalink

    Hat dies auf Alles mit Links. rebloggt und kommentierte:

    Dieser Titel hat sich in der Tat als ein Glücksfall entpuppt. Heute war ich wieder in dieser Buchhandlung. Es duftet dort so herrlich. Gerade jetzt.

    Ich habe ein wenig die Auslagen studiert. Eine wunderbare Zeit. Meine eigene Zeit. Ich habe noch genau drei Tage Zeit, dann muss ich mich sputen. Nicht, dass ich die Geschenke noch nicht beisammen hätte. Aber ich will doch da was kaufen. Das will gut überlegt sein.

    Die wissen gar nicht, was sie da mit mir machen. Obwohl die ganze Atmosphäre darauf abzielt jemanden einzufangen. Ich hoffe nur, dass ich ihnen nicht zu sehr auf den Keks gehe. Ich kaufe da was.

    Versprochen.

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  4. fertig ist das MONDgesicht und noch zwei lange Ohren die sind mir geboren**FG**wünsche dir deiner FAMILIE ein schönes FEST——-HERZlichst ANDREA:))

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  5. schifferw permalink

    Dieser Buch war (und ist immer noch) in Island Kult, u.a. weil es zum ersten Mal das auch Stadtleben in den Fokus nimmt… Pétur hat drei Folge-Romane geschrieben, die zeitlich an des Helden Entwicklung anknüpfen – die beiden ersten sind bereits ebenfalls im Weidle Verlag erschienen. Ich habe dazu seinerzeit einen kurzen Blog-Beitrag geschrieben….
    Schöne Grüße und eine schöne Festfolge, Wolfgang

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  6. … neugierig gemacht 🙂

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