Skip to content

Sire, ich eile…

30. Dezember 2013

Voltaire bei Friedrich II.

Voltaire und die Liebe seines Lebens. Gefährtin ist sie, zuweilen auch misstrauische Hüterin. So ist sie immer auch auf den Schutz des Geliebten bedacht. Zum Ende schreibt sie:

… niemals bleibt eine Liebe zwischen Mann und Frau immer auf der gleichen Ebene. Ach – am Anfang unserer Liebe erreichen wir die höchsten Gipfel … Die Feuer der Leidenschaft brennen am hellsten auf den Höhen. Doch sie verzehren sich dort auch am schnellsten … So war es am Anbeginn aller Zeiten zwischen Mann und Frau, und so wird es immer sein … Verschwindet die Leidenschaft, so kann sie zwischen diesem Mann und dieser Frau nicht von neuem entfacht werden … Ich habe öfter beobachtet, daẞ der Mann zuerst abkühlt. Ich weiß nicht, warum das so ist, doch ich bin sicher, es ist der Lauf der Welt, der metaphysischen wie der physischen Natur, die den Mann von der Frau unterscheidet. (S.73f)

Sie war Wissenschaftlerin mit einem eigenen Leben. Auch: Gegenentwurf zu einem großen Geist.

Dann war da noch ein Prinz mit Ambitionen, die er, alsbald König von Preussen, gelassen oder nicht, beiseite schiebt. Die Geliebte Voltaires, Émilie du Châtelet, mit viel Gespür für Absichten und Diplomatie, traut den Prinzen nicht, dem jungen König schon mal gar nicht. Er will Voltaire einnehmen, ihn besitzen. Schließlich ist er Monarch.

Es ist zu vermuten, dass Voltaire den jungen Prinzen als Chance sah. Wir befinden uns im Zeitalter der absolutistischen Herrscher und so ist das Zeremoniell auf den ersten Blick etwas verwirrend. Voltaire war freischaffender Künstler. Der hatte zwar Renommee, musste aber auch einen gewissen Lebensstil finanzieren. Da kam ihm so ein angehender König, zumal wenn er solche Ideale vorgab, ganz recht.

Der jedoch hatte ein ganz anderes Kalkül … Lassen Sie nur. Ich brauche ihn höchstens noch ein Jahr. Man preßt eine Orange aus und wirft die Schale weg. (S.97) Aus dem schwärmerischen Kronprinz war längst Friedrich II geworden. Ein Potentat, der auch mit dem Beinamen ‚der Große‚ bekannt wurde.

Ein unscheinbarer, schmaler Band, der es in sich hat. Nicht einfach, aber lohnend.

Hans Joachim Schädlich: Sire, ich eile … Voltaire bei Friedrich II. Eine Novelle, rororo TB. Hamburg 2013. ISBN 978 3 499 25536 6
(Mit reichlich viel Quellen zu den Zitaten im Anhang)

Advertisements

From → Liebe, Sprache

4 Kommentare
  1. Ich wünsche Dir einen guten Rutsch und ein wunderbares Jahr 2014 ! LG Xeniana

    Gefällt mir

  2. Der abgekühlte Prinz…das muss ich lesen, danke!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: