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Im Augenblick

30. Januar 2014

Liebe, bedingungslos.

Es kann schnell gehen. Vom jungen Wilden zum widerlichen Alten. Oder ist der angewidert? Für den Betrachter ist das oft kein Unterschied. Da sollte man schon aufpassen. Man selbst merkt das erst gar nicht. Und wenn doch? Häufig ist es dann zu spät. Überzeugungen werden zu Schrullen, zu Marotten oder zu Unarten degradiert.

Schaut man zurück, wird es oft ungemütlich laut.
Blickt man nach vorn, ist es schon mal gefährlich leise.
Bleibt man dann stehen, so sieht es nach Sturheit aus.
Geht man doch voran, wird es leicht als opportun verstanden.
Wie man sich verhält, es stört.

Das Wilde wird immer blasser. Dafür tritt das Gewordene zu deutlich auf. Sehr grau. Glänzend oft, doch grau. Es gilt: Aus einem Kohlkopf wird kein Blumenkohl. Auch nicht unter Aufbietung aller Kunstfertigkeit. Zudem sind Kohlköpfe von Fall zu Fall einfach auch geeigneter.

Herman van Veen ist sicherlich von so manchem angewidert. Dafür brauchte er nicht alt zu werden. Die Ereignisse mögen sich wandeln, die Botschaft bleibt immer gleich. Darauf ist Verlass. Seine Botschaft kommt hell und klar. Und manches Mal auch knüppeldick.

Weil er sich nicht irre machen lässt vom sogenannten Sachzwang. Immer für die Menschen und niemals für Sachen. Es riecht nicht nach Gleichgültigkeit bei ihm. So ein Leben kann man nur führen als Clown. Tragisch und hoffnungsfroh zugleich.

Das Leben geht weiter. Das ist mal sicher. Wobei jeder zählt. Das ist ebenso sicher. Hilflos verliebt in Menschen, und deren Blick auf Realitäten, staunt er. Mit großen Augen wundert er sich. Damit steckt Herman van Veen möglicherweise andere an.

Im Augenblick CD 2009 (die Lieder)

Amsterdam: Hartes Fiedeln klingt nach – es hat sich eigentlich nichts geändert, schnell, laut und brodelnd ist diese Stadt. Dazwischen immer Unbemerktes, unbemerkte Menschen auch. Damals wie heute. Wie überall, beliebig. Beim genauen Hinsehen gruselt es dich in Amsterdam genauso wie in Wuppertal.

Hier unten am Deich: Ein Gespräch. Intim. Über den Vater. Seine Wünsche, ihre Wünsche. Es ist so klar und doch so schwer.

Köln-Ehrenfeld: Hier und jetzt. Über Grenzen, kleine und große Absichten. Trennendes und gleichzeitig Verbindendes ist der Wunsch zu Überleben.

Bei mir: Die Begegnung mit einer Frau. Sehr einfühlsam und voller Wärme. Niemals kitschig und auch nicht schwülstig.

Gott sei Dank: Früher, heute, die Welt und ein alter Mann.

Nach Hause: Ein Sog, ein Klangteppich. Wenn du es wissen willst, kannst du es hier. Bedingungslos. Jeder hat so seins. Ruhig ist das nicht. Man wird es vielleicht, danach.

Mama: Die erste, wirklich große Liebe. Jeder hat sie, wie auch niemand sie vergisst.

Männer, Männer: Dieses Thema ist so vielschichtig … das verfolgt uns nicht. Wir werden wohl immer hinterher hasten.

Gott ist der Wind: Bestimmt auch. In erster Linie aber ist er eine Idee.

Ciao: Aus. Eine Beziehung zu Ende. Endgültig, Leere und Panik und es scheint kein Zurück zu geben. Für den, der sich übrig findet, schlimm. Manchmal ist das so.

Wie früher: Blick zurück, nicht im Zorn. Nur Zurück.

Was kann ich für dich tun: Alles ist gut. Wir müssen es nur sehen und manchmal auch handeln. In Amsterdam genauso wie in Wuppertal.

Musikalisch ganz groß und textlich erste Güte. Einmal dem Ausgeliefert lässt man sich fangen von den Gedanken. Bisweilen fühlt man sich ertappt, aber auch immer irgendwie ernst genommen. Umarmt.

Im Grunde lauscht man Gesprächen, in die man sich einbringen könnte. Das tröstet. Es ist auf der sogenannten Augenhöhe angesiedelt. Da wird nicht mit dem Finger auf jemanden gezeigt.

Der Sänger stellt Fragen, staunt im Augenblick und es nimmt immer noch mit. Er ist älter geworden. Aber nicht betulich. Ich sagte es bereits: Herman van Veen ist nichts für Weicheier. Ein großartiger Geschichtenerzähler.

Herman van Veen: Im Augenblick. CD, 2009. Harlekijn Holland BV.

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From → Liebe, Musik

9 Kommentare
  1. Lieber Mick, Dir ebenfalls schöne, frohe und inspirierende Festtage und einen guten Rutsch ins nächste Jahr! Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

  2. Ja, der Herman van Veen tut einfach gut. Und dieser Text auch.

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  3. wie schön, man muss unbedingt den Herman hören! Dann denkt man ganz kurz, die Welt wird doch vielleicht Liebe. Vor kurzem war er bei Frau Böttinger in deren Talkshow und ich habe mich so gefreut, ihn wiederzusehen. Ich glaube, Herman ist Liebe.
    Danke für den einfühlsamen Text.
    Liebe Grße, Kai

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    • mickzwo permalink

      Der ist immer einer von denen, die Aufbauen. Damit fallen mehr Mauern als wenn die mit dem Vorschlaghammer bearbeitet würden. Das ist effektiver. Ich glaube, dass er das weiß. Zumindest habe ich die Hoffnung.

      Vielen Dank für die Anmerkung. Liebe Grüße auch Dir. mick

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  4. Grandios! Jemand konkretes als Vorlage?

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    • mickzwo permalink

      Das ist ja eine Frage. Personen und Beobachtungen. Keine konkrete Person, dafür viele Eindrücke. Herman van Veen begleitet mich schon lange. Dazu wollte ich mal etwas schreiben. Der Augenblick war jetzt. Da hat sich wohl was angesammelt.

      Danke für den freundlichen Kommentar. mick

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  5. Das können die wenigsten…

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