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Wo der Himmel aufhört

3. Februar 2014

Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? [Jer 17,9]

Wo der Himmel aufhört hat einen Ich-Erzähler, der ist sechzehn und steckt echt in Schwierigkeiten. Als Leser wird man sofort ins Bild gesetzt. Spass sieht anders aus: Acht Jahre vorher, in einer anderen Stadt, ist etwas schreckliches passiert. Ein, nicht näher benannter, Vorfall.

Da war er noch ein Kind. In Rückblenden und Verschachtelungen erfahren wir so langsam etwas über Donald, sein Verhältnis zur Mutter und ihrer depressiven Ader. Auch über seine Einsamkeit und die Versuche Ablenkung zu finden. All das wäre noch normal, wenn nicht dieser Vorfall da gewesen wäre.

Der hängt drohend über der Ganzen Szenerie. Die Bemühungen um Jake sagen viel über das Dilemma Donalds aus. Sein Verhältnis zu Fiona ist da eine sporadische aber willkommene Ablenkung. Sie gibt dem Leser ab und zu Hoffnung. Als ob man tief Luft holen sollte.

Die Konstruktion der Erzählung ist durchdacht. Präzise protokolliert der Junge seinen Zustand und die Versuche dem zu entkommen. Das ist sehr genau. Er hat keine Freunde und in der depressiven Mutter findet er keine Unterstützung.

Im Gegenteil. Die Bemühungen um Jake oder Fiona stellen sich als Tretminen für ihn dar. Als Pubertierender droht er daran zu scheitern. Der Leser sieht dem Ganzen gebannt aber eben auch hilflos zu.

Mir blieb auf lange Sicht die Spucke weg. Ich war oft geneigt auf zu geben. Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen. Das musste ich lesen. Besser: ich wollte es. Es stellte sich als ziemlich bedrohlich und grauselig heraus.

Diese Kälte! Sie machte Unbehagen, und das Lesen dieser Geschichte ist mir tatsächlich schwergefallen. So etwas habe ich lange nicht mehr erlebt. Ich habe es dreimal begonnen, um es jedesmal weg zu legen. Bis zur Hälfte habe ich mich gequält.

Zum Ende ging es dann leichter. Ich hatte zunehmend diesen Text im Kopf. Nebenher, auf der zweiten Schiene. Der Text ist aus einer völlig anderen Situation entstanden. Er trifft aber, wie ich glaube, den Kern dieses Buches ziemlich genau.

Das offene Ende des Romans hat mich, zugegebener Maßen, wieder etwas beruhigen können.

Auf dem Umschlag wird der Guardian zitiert: „Zweifellos ein begnadeter Erzähler.“ Das stimmt. Und ein irritierender, behaupte ich. Da werde ich noch lange was von haben.

Nachtrag:
das glück
hat eine komische gestalt.
darum lächeln die,
die es gesehen haben.

Hoffentlich, willi.

Robert Willams: Wo der Himmel aufhört. Roman 2012. Berlin Verlag Taschenbuch. ISBN: 978 3 8333 0935 9
Eine andere Besprechung der Geschichte findet sich bei ‚buzzaldrins Bücher‘.

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From → Liebe

2 Kommentare
  1. Michaela permalink

    Klingt gut, schön, schwer… kommt auf meine Wunschliste.

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  2. „Das Herz ist ein einsamer Jäger.“ – Eine feine Besprechung, die Lust auf das Buch macht.

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