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Faule Finnen fangen keine Fische

23. Februar 2014

Erasmus v. Högendorf verstarb übrigens vor etwa dreihundert Jahren schon an der Erkenntnis, dass das Leben zu Ende gelebt werden muss.*

Wir befinden uns im Finnland der Gegenwart. Zwei Morde sind passiert. Einer jetzt, der andere etwa zwei Jahre früher. Schnell wird klar, auf mysteriöse Art und Weise gibt es dort Verbindungen. Ausgerechnet Otto Kuhala nimmt die Untersuchung auf. Unwillig stochert er herum.

Eine Mischung aus Berufsehre, Sentimentalität und Geldnot veranlasst ihn so zu handeln. Man weiß oft nicht: agiert er oder reagiert er nur. Dazu plagen ihn große und kleine Zipperlein. Er ist alt, will eigentlich seine Ruhe haben.

Kuhala ist getrieben. Und Privatdetektiv. Ein ziemlich guter sogar. Das wird ihm jedenfalls von seinen Freunden so attestiert. Die Polizei – zu der er früher mal gehörte – sieht das etwas anders. Wie es sich für einen Kriminalroman gehört, ist der Held da in etwas hinein geschlittert. Unfreiwillig, versteht sich.

„Nein. Oder doch. Wie man es nimmt.“ Kuhala nickte, ohne zu wissen, was er von der Rätselhaftigkeit des Schlossers halten sollte, ließ sich aber nicht provozieren, nach weiteren Informationen zu fragen, denn er wollte sich den Fall nicht aufhalsen. (S. 78) So ist das ganze Buch. Der Fall hat ihn längst, er weiß es nur noch nicht.

Bestes Kopfkino also für ein ebenfalls geplagtes Publikum das genug hat von der Welt, und an trockenen Bemerkungen Spass findet. Die wissen, dass es anders gehen muss, aber für das Wie fehlen schlüssige Antworten.

Moderat soll es schließlich sein, denn es muss ja weiter gehen. Die Menschen wollen funktionieren, sie müssen ja irgendwie rum kommen. Die sind schon angezählt – genau so, wie die vermeintlich Erfolgreichen.

So gesehen ist die Geschichte eine Abrechnung. Subjektiv ganz verständlich. Man kann sich eine Weile all dem verschließen. Quasi die Türe zu machen vor dem Unrat. Doch das klappt auf Dauer nicht. Der Unrat holt einen immer irgendwo ein. Manche werden krank daran. Sie ignorieren und verzweifeln.

Was als Unterhaltung daher kommt entpuppt sich als Bild einer modernen Gesellschaft. Manchem sind Krankheit, Suff oder andere Mittelchen eine scheinbare Hilfe. Im Versuch sich zu behaupten, werden die Augen verschlossen … es zuppelt und zerrt an allen Seiten.

Die Frau kanalisierte ihre Ruhelosigkeit in Aktivitäten, sie gehörte zum impulsiven Stamm derjenigen, die überall mitmischten, und unter anderen Umständen hätte das Feuer, das in ihr brannte, einen äußerst anstrengenden Schwefelgeruch verbreiten können. (S.95f)

Es ist sehr genau beobachtet. Eine Parabel auf den täglichen Kampf um Auskommen, Anerkennung, Status, Macht und Liebe. Die Balance zwischen Privatheit und öffentlichem Leben soll gewahrt bleiben. Das zeigt sich schon in kleinen Tragödien. Die werden oft für belanglos gehaltenen.

Wird schon. Watt willse auch machen?! Den, der das sagt, treffen diese Tragödien ja nicht wirklich. Schlechtenfalls sind sie hingenommen. Sie werden erst als Katastrophen wahrgenommen, geht es dem Sprecher selbst an den Kragen. Der Humor ist vom Galgen inspiriert. Das hat dann was.

Der NDR schreibt auf dem Umschlag: Ein großartiger Fang. Stimmt.

Markku Ropponen: Faule Finnen fangen keine Fische. Kriminalroman. Pieper Verlag 2014. Aus den Finnischen von Stefan Moster. ISBN: 978 3 492 3072 9

* Hanns Dieter Hüsch: Rede vom Leben. Zitiert nach: Gesellschaftsabend.
ISBN: 3 932219 30 9

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From → Liebe, misc., Sprache

7 Kommentare
  1. Eine tolle Buchvorstellung, Mick. Das Buch habe ich notiert! Faule Finnen hahaha…
    Liebe Grüße aus dem Rheinland. Gerade regnet es leicht, es ist warm, also werden sich nicht ganz so viele erkälten wie sonst am Karneval… 🙂 Selma und ich mussen arbeiten, nix Schunkeln.
    Liebe Grüße, auch von Kb und Siri in Cley,
    Dina und Selma in Bonn

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    • mickzwo permalink

      Da kam der Appetit mit dem Lesen. Es war eines dieser Weihnachtsgeschenke, die man schlecht einordnen konnte und das ich eher aus Pflichtgefühl denn aus Überzeugung zur Hand nahm. Für mich hat es sich gelohnt. Ich glaube ja wirklich, dass – im Idealfall – so eine Geschichte sich den Leser aussuchen sollte. Und nicht umgekehrt.
      Im Herbst werde ich wohl wieder einen Baum planzen dürfen. Da freue ich mich drauf 🙂

      Wenn man so nah am Karneval wohnt, kann einem das Arbeiten wohl schwer fallen. Hat eben so alles seine Zeit.

      Liebe Grüße zurück an Euch vier, ob in Bonn oder in Cley! mick.

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      • Das sind ja freudige Nachrichten! Noch einen Baum in diesem Jahr, wie schön. Die Vorstellung, dass ein Buch oder eine Geschichte sich den Leser selbst aussucht gefällt mir gut! 🙂 Siri und Selma waren immer der Meinung, jedoch meine ich, die beiden helfen immer kräftig nach. 😉
        Karneval durcharbeiten ist für mich als Wahl-Rheinländer nicht schlimm. Ich war sonst meistens im Skiurlaub zu dieser Zeit. Ich liebe die Berge, aber die Skier habe ich lange nicht mehr angerührt. Ein ganz tolles Wochenende, mit lieben Grüßen, Dina

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        • mickzwo permalink

          So eine Geschichte fällt natürlich nicht vom Himmel Dir vor die Füße. Es gibt ein Märchen, das heißt ‚die Heinzelmännchen‘. Es spielt glaube ich sogar in Köln. In einem reichen Kaufmannshaushalt war jeden Morgen der Tisch fein gedeckt und – so unordenlich es auch aussah – es war Morgends immer alles in bester Ordnung. Niemand konnte oder wollte sich das erklären. Die Familie nahm es einfach hin. Nur die junge Tochter wollte der Sache nach gehen und entdeckte eben die ‚Heinzelmännchen‘. Das Mädchen fand das so aufregend, dass es sich verriet. Einmal entdeckt, verschwanden die ‚Heinzelmännchen‘ auf nimmer Wiedersehen. So mußte die Familie ab da jeden Tag selbst für alles sorgen.

          Solltest Du der Ansicht sein, dass Siri und Selma irgendwo nachhelfen, dann stör sie bitte nicht. Sie haben nur gute Absichten. Die Entscheidung liegt ja doch bei Dir ob Du ein Buch liest oder nicht…

          Im Grunde bin ich auch ein Rheinländer, mittlerweile sehen wir uns die Stunksitzung an das macht uns Spaß. Ansonsten halte wir es mit Bap: ‚Oh, nit für Kooche, Lück, bliev ich Karneval he.‘

          Danke für den Kommentar. Dir und den Deinen auch ein gutes Wochende 🙂 mick.

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  2. Deine Buchbesprechung macht große Lust aufs Lesen. Bin eigentluch kein Fan der finnischen Kriminallandschaft- Aber ich werde diener Empfehlung folgen.
    Ich quäle mich derzeit gerade mit Elisabeth George. „Der Glaube der Lüge“ , nachdem uch “ Gott schütze dieses Haus “ regelrecht verschlungen habe. Und nun : Und bin nun zu Stefan Zweigs Meisternovellen zurückgegehrt und freue mich an den subtilen Metaphern, dem Sprachglanz und den Bildern einer vergangenen Zeit. Auch die “ Briefe einer Unbekannten“ von Zweig liegen auf meinem Lesestapel.
    Schönen Sonntag wünscht :
    Silvia

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    • mickzwo permalink

      Das ist schön. Ich hoffe, Du hast soviel davon, wie ich.
      Von Stefan Zweig kenne ich nur die Schachnovelle. Die habe ich neulich noch einmal gelesen. Die hat mich sehr beeindruckt.
      Einen guten Wochenstart wünsche ich Dir. mick

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Trackbacks & Pingbacks

  1. Sonntagsleserin KW #08 – 2014 | buchpost

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