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Die Zwiebacktüte

8. März 2014

Irgendwo und irgendwann, subjektiv.

Und dann habe ich mal von einem Projekt gelesen. Es sollte eine Stunde dokumentiert werden. Das war doch … egal. Man ist, glaube ich, nicht fertig geworden, hat sich verfranst in der Endlosigkeit. Es gibt so viele Informationen, zeitgleich, auf engstem Raum. Und dann die ganzen anderen Räume. Daneben. Darunter und darüber…

Das kann Tage, Wochen oder Jahrzehnte dauern. Es bleibt nurmehr der Weg ins Subjektive. Auch das: Tage, Wochen oder Jahrzehnte. Das gibt dann wieder Raum für Interpetationen, Einschätzungen, Bewertungen, die wiederum selbst kommentiert und einsortiert werden können.

Bei allem, falle ihm immer aus seiner Jugendzeit die Geschichte mit der Zwiebacktüte ein, die Zwiebacktüte, auf der immer eine Bäckersfrau abgebildet gewesen sei, die auf ihrem Kopf eine Zwiebacktüte getragen, und eben auf dieser zweiten Zwiebacktüte sei wieder eine Bäckersfrau abgebildet gewesen, die eine weitere, schon wesentlich kleinere Zwiebacktüte auf ihrem Kopf getragen habe, und auf dieser schon wesentlich kleineren Zwiebacktüte sei wieder eine weitere, aber immer die gleiche Bäckersfrau abgebildet gewesen, die eine weitere, schon winzig kleine, aber immer die gleiche Zwiebacktüte auf ihrem Kopf getragen habe, und nun habe man diese letzte Zwiebacktüte nur noch mit der Lupe erkennen können, gleichviel habe aber immerfort eine weitere, immer kleiner werdende Bäckersfrau eine immer kleiner werdende Zwiebacktüte auf ihrem Kopf getragen, und auf einmal wären weder Bäckersfrau noch Zwiebacktüte auszumachen gewesen, aber in seinem Kopf habe er die Geschichte weiterverfolgt bis zur Schlaflosigkeit über die Endlosigkeit der Bäckersfrau mit der Zwiebacktüte, bis zum Wahnsinnigwerden und heute habe er große Lust, über sein ganzes Tun und Lassen DIE ZWIEBACKTÜTE zu schreiben. *

Es gab genau diese Tüte. In meiner Jugend hatte ich eine Phase, da wurde ausschließlich Milch und Zwieback verzehrt. Alternativ dazu manchmal auch nur Zwieback. Das war diese Zeit. Aus Langeweile habe ich die Tüte studiert und dabei das Bild irgendwann entdeckt.

Mit seiner Geschichte hat der Hüsch mich daran erinnert. Später. Dann habe ich aber auch noch festgestellt, dass ein Verantwortlicher – und man kann ihn nur ‚unachtsam‘ nennen – das Bild ausgetauscht hat. Da strahlt mich jetzt ein Kind an.

Man soll sich nicht in anderer Leute Belange einmischen. Denkbar wäre es allerdings dem Menschen, der dafür verantwortlich zeichnet, in den, gewiss weitläufigen, Kellergewölben der Firma ein neues Wirkungsfeld ein zu richten. Mit allem was dazu gehört.

Er könnte dort Schrauben sortieren oder alte Akten ordnen. Bis zur Rente, bei vollen Bezügen. Niemals müßte er irgendwo und irgendwann auch nur ein Bild austauschen. Vielleicht würde er dort glücklich werden.
________
Nachsatz:
a:) Ich habe mich gefragt, ob man ein Inhaltsverzeichnis in diesen Buch schlicht vergessen hat. Soll ja vorkommen. Sie haben es nicht vergessen. Man braucht es nicht. Man kann jede Geschichte, jeden Text nehmen. Es ist ein Gesamtkunstwerk. Wie ein Mantra.

Trotzdem: Manchmal möchte man etwas zitieren, so wie heute. Es ist erstaunlich, weil sofort zu finden.

b:) Objekt ist, allgemein gesagt, eine Sache oder ein Gegenstand. Es gibt Objekte und dazu gehören auch dann wieder Situationen. Die können von Menschen geprägt sein. Deren Betrachtung nimmt jedoch immer ein Subjekt vor. Anderen ist das piepe.

(Siehe dazu auch die wunderbaren Artikel in ‚buzzaldrins Bücher‘ https://buzzaldrins.wordpress.com/2013/07/05/die-falschung-der-welt-william-gaddis/ sowie ‚Sätze&Schätze‘ http://saetzeundschaetze.com/2014/02/28/william-gaddis-die-falschung-der-welt/)
_____________________________________________________________
* Hanns Dieter Hüsch: Den möcht‘ ich seh’n… Satire Verlag, Köln 1978.
ISBN 3 88268 005 9
Ebenda, Seite 197: Die Zwiebacktüte.

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From → Liebe

6 Kommentare
  1. noch ein thomas bernhard fan! (war vor längerem auf einer lesung im be von t. quasthoff, der texte von hüsch vorgetragen hat, meine mich zu erinnern, dass er das gesagt hätte, weiß aber nicht mehr so genau – an dem textstück jedenfalls merkt mans. schön!)

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    • mickzwo permalink

      Zu Thomas Bernhard habe ich eigenlich nur einen Artikel geschrieben (https://allesmitlinks.wordpress.com/2014/02/14/thomas-bernhard-hatte-geschossen/) Es gibt da sicherlich eine gewisse Affinität zu diesem Autor. Gelesen habe ich auch schon etwas von ihm. Allerdings kann ich nicht mehr sagen, was es war. Also, auf Umwegen vielleicht. Ob ich ein ‚Fan‘ vom irgend jemandem bin, das mögen andere entscheiden. Ich fühle mich nicht so. Beeindruckt haben mich viele. (Und es gibt ja noch so viele andere.)
      Der größte aller Poeten und Geschichtenerzähler ist und beibt für mich H.D.Hüsch. Den habe ich gemocht, wenn ich konnte habe ich ihn auch live gesehen oder im Radio gehört. Einge von seinen Programmen besitze ich auch. Ich habe ihn nie kennengelernt. Und das ist auch gut so.

      PS.: Eines ist mir noch nicht klar: Kennst Du den Tenor Thomas Quasthoff persönlich oder hat er einen Vortragsabend gestaltet, den Du besucht hast?

      Vielen Dank für den netten Kommentar, mick.

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      • lieber mick, da hab ich mich leider zweideutig ausgedrückt: ich vermutete, der hüsch wäre ein fan gewesen vom bernhard (wobei man bei dem wort wirklich aufpassen muss, da hast du ganz recht, es ist wohl so ähnlich wie „hobby“) –
        ich kenne herrn quasthoff im grunde gar nicht, er hat im berliner ensemble einen leseabend gehalten mit musik (wobei ich mir zugegebener maßen gewünscht hätte, er hätte mehr gesungen, es war so wunderbar!)
        – ich darf gar nicht sagen, dass ich hüsch bis dahin nicht wahrgenommen habe – seine erzählungen von seinen musikauftritten sind herrlichstes gesellschaftspotpourri (wie schreibt man das jetzt wieder)!
        liebe grüße, k.
        ps: es gibt immer mehr, als man denkt (siehe ich und hüsch) und man wird dem nicht gerecht.
        pps: (hoffentlich hält das kommentarkästchen das noch aus): wollte ich in den letzten kommentar zur redundanz ganz unverfroren schreiben, die literatur in der gänze sei eine redundanz – aber da lehnt man sich wohl zu weit aus dem fenster, von daher hier lieber der schlusspunkt …

        Gefällt 1 Person

  2. mickzwo permalink

    Hat dies auf Alles mit Links. rebloggt und kommentierte:

    Redundanz.

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