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Das Warten und das Finden

21. März 2014

auf der suche nach willi
– STOP
inspiziere die innenstadt
– STOP
ausgelassene betriebsamkeit überall
– STOP
pizzabuden, musik, harlekine
– STOP
bermudas und freigelassene busen unter leichten t-shirts
– STOP
braungebrannte männerbrüste marodieren an bierbuden
– STOP
entschließe mich den mond abzuwarten
– STOP
mond ziert sich
– STOP
derweil nimmt ausgelassenheit zu
– STOP

der mond
ist ziemlich unbewohnt
erst neulich, war ein schreiner dort
enttäuscht zog es ihn wieder fort
auf dem trabanten gibts kein holz
was für den schreiner, der mit stolz
sein handwerk übt, den flug nicht lohnt
so bleibt er weiter unbewohnt
der mond

willi gesehen
– STOP
spricht gegen die rockband an
– STOP
willi steht mitten im volk
– STOP
sehe ihn, meter entfernt
– STOP
willi rezitiert
– STOP
höre ihn klar und deutlich
– STOP
niemand sonst bemerkt ihn
– STOP
ich erreiche ihn
– STOP
als ich vor ihm stehe schweigt er
– STOP
wir lächeln uns an
– STOP
dann akklamiert willi:

mit deinen augen sah ich die welt
flog um sie herum, drei mal
beim ersten flug habe ich die wege gezählt
die möglicherweise mir standen zur wahl
beim zweiten flug zählte ich alle die plätze
wo ich schon mal zu hause war
dies zählen tat ich ohne hetze
die luft war lau, der tag war klar
beim dritten flug da zählte ich leicht
denn das ging sehr flott, es waren nicht viele
ich zählte die menschen, die ich jemals erreicht
fand sie alle, auch im größten gewühle
mit deinen augen sehe ich die welt
berührst du mich.. dann gehört sie mir
ich sehe ganz deutlich was wirklich zählt
und darum schenke ich sie dir

wir schweigen
– STOP
willi wird böse angerempelt
– STOP
willi strauchelt, fängt sich aber
– STOP
gemeinsam beginnen wir zu sprechen
– STOP
unser lieblingsgedicht, lächeln dabei:

ich habe immer versucht
die erhabenheit der bäume
die unverwundbarkeit der steine
die vorurteilslosigkeit der flüsse
und die gelassenheit der tiere
zu erreichen.

aber es ist mir nicht gelungen.*

– STOP
können unser kichern nicht bändigen
– STOP
zum schluß halten wir uns die bäuche vor lachen
– STOP
glücklicherweise, sagt willi, und: mach`s gut alter!
– STOP
mit einem doppelten flickflack verschwindet willi zwischen den leuten
– STOP
glücklicherweise … sage ich noch
– STOP

Ich glaube so war das.

Zusatz: Die blaue Blume ist längst gefunden. Mancher stolpert über sie und wundert sich, was ihm da vor den Füßen liegt. Andere suchen sie mit Mühe. Wenn sie ihr begegnen sind sie oft schon müde. Wieder andere finden das alles nicht so aufregend. Es interessiert sie einfach nicht. Achtlos gehen sie ihrer Wege. Können und Wollen sind gute Kumpels. Sie merken es oft zu spät.

* Hanns Dieter Hüsch: Den möcht’ ich seh’n … Satire Verlag GmbH, Köln 1978; Seite 139, erste Strophe. ISBN 3-88268-005-9

ernst: 1989/2013/ und jetzt.

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From → Liebe

4 Kommentare
  1. Die Blaue Blume bleibt leider viel zu oft schlichtweg unerkannt. Ich las gerade vom Wünschen in Birgits Sätze&Schätze-Kistchen. Hier schließt sich der Kreis. Wundervoll.

    Gefällt 1 Person

  2. Gut, daß Ernst den Willi hat. Und mit uns teilt. Schönwochenendgrüße, Käthe Knobloch.

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Obwohl sie es manchmal zu vergessen scheinen, sie sind Freunde. Der eine ist ohne den anderen nichts. Und mick ist der dritte im Bund.
      Danke für den Kommentar. Die Grüße kann ich gut verwenden. Ich wünsche Dir das gleiche. mick.

      Gefällt mir

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