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Als ich heute Morgen aufwachte, war alles weg, was ich mal hatte

25. Juli 2014

„Du bist jung, oder? Zieh los und such dir eine Freundin. Betrink dich. Geh in die Bibliothek. Hilf alten Frauen über die Straße. Hast du verstanden, was ich meine?“ (S.248)

Manchmal lungere ich so in Buchhandlungen herum. Ich gehe in einen Laden und weiß eigentlich nicht was ich da soll. Bevor ich irgendwo rumhänge, gehe ich in so einen Laden. Also genau vor zwei Jahren war das. Der Titel schien interessant: „Als ich heute Morgen aufwachte, war alles weg, was ich mal hatte.“ Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich das lesen würde. Trotzdem nahm ich es mit, und stellte es erst mal in mein Regal.

Der Titel hatte es mir angetan. Den musste ich einfach besitzen. „Als ich heute Morgen aufwachte, war alles weg, was ich mal hatte“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, sie sich alle mit Verlusten auseinandersetzen.

Ich wusste schon von „… den kleinen Details, die über unser Schicksal entscheiden können …“ (S.169) Da beschreibt einer, immer als Ich-Erzähler, ohne etwas zu berwerten. Der fabuliert über Verluste, Niederlagen, wie etwas zu Ende geht oder erst gar nicht beginnt.

Oft sind die Protagonisten fassungslos, im Innersten gekränkt. Der Leser ist der Zuschauer, der zu sieht – ob er will oder nicht. Er kann nichts ändern, nur mitfühlen oder sich abwenden…

Den Höhepunkt bildet wohl die Geschichte, die dem Band den Namen gab. „Als ich heute Morgen aufwachte, war alles weg, was ich mal hatte“ erzählt von einem recht verantwortungslosen Menschen der dann doch nur träumt. Mein Favorit bisher: die „Windsbraut“ ist eine tragische Komödie um eine ummögliche Liebe. Sie beginnt so abstrus wie sie aufhört.

Bei allen Geschichten geht um den Schutz vor Verlusten. Geborgenheit ist das Thema und dabei wird kaum eine Gruppe oder Klasse ausgelassen. Das Unheil kommt. Langsam aber kontinuierlich macht es sich auf den Weg. Plötzlich steht es dann vor dir. Und immer wenn man zu dem Schluss kommt, es sei genug mit dem Irrsinn: Boyle setzt noch einen drauf. Es ist schon erstaunlich, welche Verluste man beklagen kann und wie man sich davor zu schützen sucht.

Gut, dass ich dieses Buch nicht schon letzte Woche gelesen habe. Der Titel „Als ich heute Morgen aufwachte, war alles weg, was ich mal hatte“ ist Programm, und eignet sich sehr gut als Wegzehrung. Wie gesagt, manchmal lungere ich eben einfach so herum…

Die besten Stories von T.C. Boyle: Als ich heute Morgen aufwachte, war alles weg, was ich mal hatte. dtv 2012. ISBN 978 3 423 25329 1

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From → Liebe, Sprache

13 Kommentare
  1. Ich werde es versuchen, das Buch kommt auf meiner Liste. Nicht alles von T.C Boyle gefällt mir gleich gut.

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  2. Ein Boyle den ich nicht kenne..klingt nach einem Buch was zu mir sollte. Höchst Interessant. Danke

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  3. klingt, als wäre das mal wieder ein boyle, den ich lesen mag! merci!

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  4. T. C. Boyle ist immer für einen Draufsetzer gut… ich empfehle „World’s End“, ein wunderbares Buch!

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  5. Aber so ist eben
    das Leben.
    Immer wieder
    ohne Pardon
    Abschied nehmen. Wovon?
    Mal hier, mal dort,
    ganz gleich an welchem Ort.
    Irgendwann auch von dir.
    Zuletzt von hier und mir.

    Danke Gerelca

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  6. Danke für Deinen Beitrag, der mir deutlich zeigt, wie vielen es so wie mir ergeht. Meine eigene Geschichte ist abstrus, kaum glaubhaft und wirr. Das alles in geschriebene Worte zu fassen ist kaum möglich (für mich !). Diese Berichte sind kein Trost und helfen nicht weiter. Wir leben einfach weiter, auch wenn „alles weg ist, was ich mal hatte“. Da hilft auch kein Betteln und kein Beten. Wir sind gezwungen uns eben weiterhin durch zu kämpfen.
    Ich muss mal sehen, ob ich mir dieses Buch hier in Frankreich besorgen kann. Nochmals Danke. Ich freue mich immer wieder über Deine Beiträge.

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    • Wenn ich deine Zeilen lese denke ich auch an meine Geschichte. Und mir haben dieses jahr viele Bücher geholfen diese besser zu verstehen bzw ein Stück weit zu ergründen…so eine Idee von…zu bekommen. Ich finde manchmal wird es leichter wenn man für sich Erklärungen findet…aber vielelicht geht das nur mir so. Bücher können Wirklich wie eine sehr gute Therapie sein: die stülpen Dir nix über und fangen auch nicht an zu urteilen, und nur Du bist derjenige der rausliest was für Dich rauszulesen ist. Ganz persönlich. Ich finde es immer wieder erhellend wenn ich etwas Wiedererkenne.

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