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Konjunktiv

13. September 2014

Ein mittelschwerer Zeitungsredakteur steht in der Fußgängerzone auf einem Schemel und konjugiert. Dies ist möglicherweise wunderlich, jedoch weder unanständig noch Konjunktiv.

Es ist wirklich und von daher Indikativ. Sollte dir jemand jetzt erzählen, ich sei möglicherweise ein wunderlicher Blödsinnmacher oder Geschichtenbastler, so ist das jetzt wieder Konjunktiv, da diese Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt ja erst noch überprüft werden muss (Indikativ).

Aber zurück zu unserem Beispiel: Soeben erzählt mir mein Nachbar (Indikativ), in der Fußgängerzone stehe ein mittelschwerer Zeitungsredakteur auf einem Schemel und konjugiere (Konjunktiv I).

Wenn also etwas wirklich so ist, wie es ist – und sei (Konjunktiv I) dies auch nur theoretisch so – so heißt das Indikativ, weil es ja wirklich ist (scheint).

Verhielte (Konjunktiv) es sich allerdings so, dass der Sachverhalt zwar vergnüglich scheint (Indikativ), bei diesen Wetterbedingungen aber sowieso ausfiele (abermals Konjunktiv I), bedient man sich der konjunktivischen Sprachform, die ja auch Möglichkeitsform genannt wird, und das zurecht, denn man zieht (Indikativ) ja immerhin die Möglichkeit in Betracht.

So verhält es sich und darum ist, je nach Lage der Dinge, die geeignete Berichtsform zu wählen.

Mein Nachbar zur Linken ist ein vertrauenswürdiger Mensch. Darum kann ich guten Gewissens dem rechten Nachbarn berichten, dass Heinrich – mein Nachbar zur Linken – sagte (Doppelpunkt, Gänsefüßchen unten) In der Fußgängerzone steht ein mittelschwerer Zeitungsredakteur auf einem Schemel und konjugiert (Punkt, Gänsefüßchen oben)

Wäre nun mein Heinrich – und du hast sicherlich bemerkt, dass dieses Hilfsverb höchst konjunktivisch angewandt wurde – also: wäre mein Heinrich ein Hallodri und Lumpensack bediente ich mich getrost der wohl bekannten indirekten Rede, siehe auch zweiter Absatz (schon wieder Konjunktiv I).

Nun drängt sich hier einerseits die Frage auf, ob du schon ohnmächtig bist und andererseits, was macht Konjunktiv II? Und da wird es für uns beide sehr interessant. Stutz? Grübel! Uns beide?!

Für mich ist das interessant weil sich der blöde Schreiberling heute im Datum vertan hat und darum alle Leute erst Freitag zu meiner Abendveranstaltung kommen werden, obwohl die doch Donnerstag ist (Indikativ). Für dich ist das interessant …, aber das musst du schließlich selbst wissen.

Konjunktiv II wird immer dann gebraucht, wenn es sich um einen Sachverhalt handelt den man sich zwar wünschen bzw. denken kann, der jedoch in der persönlichen Konfrontation weniger angebracht ist.

Ein Satz wie: „Ich wünschte, Sie mittelschwerer Zeitungsredakteur, stünden in der Fußgängerzone auf einem Schemel und konjugierten!“ ist Konjunktiv II in Reinkultur und bringt mir persönlich, sofern er flüssig von den Lippen kommt, außerordentlich viel Freude. Den schenke ich dir und hoffe du hast Spaß daran!

PS.: Jau (Indikativ).

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From → Liebe, Sprache

8 Kommentare
  1. „Ich wünschte, sie mittelschwerer Zeitungsredakteur, stünden in der Fußgängerzone auf einem Schemel und konjugierten!“
    *loslach* Das „Sie“ muss hier übrigens groß. Anrede und so. Ansonsten vielen Dank! 🙂
    Erfreute Grüße zum Sonntagnachmittag
    Christiane

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  2. Ich weiß, du magst Erich Kästner. Kennst du sein „Trostlied im Konjunktiv“? Wenn nicht, schenk ich es dir. – P.S. Ich hatte Spaß, danke. 🙂

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    • mickzwo permalink

      Das ist nett von Dir. Von Kästner kenne ich wirklich viel. Das “Trostlied im Konjunktiv” kannte ich noch nicht. Gott sei dank, ich hätte mich sonst nicht getraut, diesen Text zu schreiben. Statt dessen hätte ich dieses Gedicht genommen. Ein wunderbares Geschenk. Ich denke, meine Lieblingsstrophe ist im Moment die dritte. Danke!!

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      • Da bin ich aber froh, dass du das „Trostlied“ nicht kanntest und ich mich über den konjugierenden mittelschweren Zeitungsredakteur freuen konnte (Indikativ). Schönen Sonntag!

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  3. Der Konjunktiv ist das Wesen jeglichen Flirts .

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  1. [Alles mit links] Konjunktiv - #Literatur | netzlesen.de

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