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Karte und Gebiet

21. September 2014

„Was ist das hier?“ „Was ist,das hier“, echote es… „Das ist eine Kirche, mein Freund“, raunte jemand… *

„Man kann jahrelang in völliger Isolation arbeiten, das ist sogar die einzige Möglichkeit, wirklich zu arbeiten, aber irgendwann kommt dann ein Moment, in dem man das Bedürfnis hat, seine Arbeit der Welt zu zeigen; nicht so sehr, um deren Urteil einzuholen, sondern um sich selbst der Existenz dieser Arbeit und sogar der eigenen Existenz zu vergewissern, denn innerhalb staatenbildender Arten ist die Individualität nur eine kurz anhaltende Fiktion.“ **(S.121)

Schön ist der Austausch mit anderen.

Die Dame stand unvermittelt vor mir. Nein, zuerst saß sie am Tisch und las. Offenbar musste sie sich noch etwas vorbereiten. Ich hatte so ein Gefühl, als ob sie etwas von mir wollte. Ich kannte sie, wusste aber nicht sofort, woher. Sie war reizend weil sie mir da entgegen kam. Ich hatte ihr mal Literatur empfohlen, verbunden mit der Bitte mir – von ihren Erlebnissen damit – zu erzählen.

Das tat sie jetzt. Eins gefiehl ihr, das andere nicht. Sie war wohl zufrieden mit meiner Expertise. Sie hatte sich revanchiert und mir auch eine Empfehlung mit mitgebracht. Das lese ich jetzt.**

Zu den Highlights einer Arbeit gehört ganz klar der Austausch. Man kann sich dann eigentlich immer nur wundern:

Während in der Fußgängerzone der Samstagstrubel tobte, war in der Kinder- und Computerbibliothek ein Familientag angesagt. Einige hundert Olchis oder deren Sympatiesanten bevölkerten die Bibliothek um die Meisterschaft im Rülpswettbewerb zu erringen, sich als Olchis schminken zu lassen und dabei jede Menge Olchi-Waffeln zu verputzen. …

Mit Wundern beginnt alles.

* Nach Herman van Veen: Liederbuch. Polydor 1977, 2 LP Stereo 2630 104, hier: Eine Geschichte von Gott.
Siehe dazu auch: Im Augenblick.

** Michel Houellebeq: Karte und Gebiet. Roman 2011. DuMont-Verlag. Übersetzung: Uli Wittman. ISBN 978 3 8321 9639 4

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From → Liebe, Sprache

7 Kommentare
  1. Ups….den Gedankensprung schaffe ich auch nicht, aber trotzdem schön:-)

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    • mickzwo permalink

      Drei Dinge haben mich von jeher beeindruckt:
      a: die Fiktion der Individualität, also Platon,
      b: Begegnungen, mit wem auch immer
      und c: so ein Verständnis von Gott, wie es Herman van Veen oft vertritt.

      Ich denke nicht, das ich alles verstehe, was ich erlebe. Aber ich erlebe es ja. Und soetwas schreibe ich manchmal auf.

      In dieser Geschichte von Herman van Veen glaube ich zu sehen, dass Gott immer nur Fragen stellt, während der Kirchenmann Aussagen macht.
      Das Zitat von Houellebeq kommt mir so vor, als ob es die neue Religion der westlichen Kultur beschreibt. “Man kommt nur perfekt in den Himmel!”
      Dem angeblichen Sohn Gottes, wird der Satz zu geschrieben: “Werdet wie die Kinder, denn ihrer ist das Himmelreich.” So in der Art, jedenfalls.
      Da schliesst sich für mich ein Kreis. Alle Kinder können sich wundern. Und wir, wir können zuhören und staunen.

      Ich danke für Deine Anmerkung. mick

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  2. Rätselhaft, aber mir gefällt’s. lg_jochen

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    • mickzwo permalink

      Schön, dass es Dir gefallen hat. Wenn der Text doch allzu dubios erscheint, sei mir der Hinweis auf die Antwort zum Kommentar von leidenschaftlichwidersynnig gestattet. LG, mick

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  1. [Alles mit links] Karte und Gebiet - #Literatur | netzlesen.de

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