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Zwei Herren am Strand, eine Anmerkung

13. Dezember 2014

You can’t always get what you what you want
But if you try sometime you just might find you get what you need

The Rolling Stones

Um hier erst gar keine Irrtitation aufkommen zu lassen: ich verbeuge mich ausdrücklich vor Kai und seiner Arbeit zu diesem Roman.

Ich ging also in die nächste Buchhandlung und bestellte das Buch. Das habe ich schon oft getan, aber nicht in dem Tempo und mit dieser Entschlossenheit. Dann lag es da und wartete. Nicht ich wartete auf das Buch, sondern das Buch wartete auf mich. Der Text sagt vieles zu dem Buch, das, zu lesen, für mich dann sehr aufschlussreich war.

Auf die Wirklichkeit ist selten Verlass. Jemanden zu finden, der – in der Lage und zum rechten Zeitpunkt – seinen ganz persönlichen „schwarzen Hund“ in Schach zu halten vermag, das ist schon etwas. Wenn Derjenige dann noch an der richtigen Stelle, die richtigen Unterstützer findet, das ist ein unglaublicher Kraftakt. Es hat sicher auch viel mit glücklichen Zufällen zu tun. Aber es ist keine Garantie für Erfolg.

Die Methode des Clowns ist eine Möglichkeit sich der Traurigkeit zu stellen und seine Depression angesichts der Realitäten zu kanalisieren. Die Ergebnisse sind oft nicht zufriedenstellend. Unzureichend sehen sie aus. Oft macht die Geschichte diesen berühmten Strich durch die Rechnung. Oder das Schicksal oder sonst irgendwas. Doch das ändert nichts an der Konstruktion.

Um zu verstehen, was hier passiert taucht man auch ein in Welt des Films: „Das Leben ist eine Revue aus aneinandergereihten Szenen, ohne Ordnung. Sprechen als Sprechgesang. Die ewige Wiederkehr des Gleichen. Jedes Wort eine Erkennungsmelodie. Licht ist Tag, Finsternis ist Nacht. Keine Metapher! Der Film hat sich immer für das Merkwürdige interessiert. Ein guter Film verwandelt das nur Merkwürdige in ein Mysterium. Er tut es, indem er zeigt, was ist.“ (S.104)

Und natürlich in die Welt der Philosophie: „W.C. Fields macht überhaupt keine Witze.“ (S.165f) Fragen nach Humor und Komik im Zusammenhang mit Tod und Depression sind nie abwegig. Zum Ende lässt Köhlmeier Churchill sagen: „Schlicht das Leben. (…) Nichts anderes ist Poesie.“ (S.238)

Die Überschrift des Artikels von Kai ist im besten Sinne doppeldeutig. Die „Methode des Clowns“ hat nicht verloren, sie kann es gar nicht. Der Clowns wird zwar immer am Rand stehen. Das Missverständnis lauert an jeder Ecke. Nur wenn die Methode sich beständig wandelt bleibt sie sich treu.

„Ein Mann am anderen Ende der Welt hat mich auf meine Geschichte aufmerksam gemacht.“ (S.248) Politik ist lustig, sagte Josef Beuys einmal. Ich nahm mir die Freiheit zu ergänzen: Alles andere im Grunde auch. Auf die Wirklichkeit ist selten Verlass. Darum lesen, schreiben und staunen wir.

Michael Köhlmeier: Zwei Herren am Strand. Roman 2014. Carl Hanser Verlag.
ISBN 978 3 446 24603 4

Wer mag kann auch dieses lesen:
Ansichten eines Clowns
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Im Augenblick
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Karte und Gebiet

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From → Liebe, Sprache

6 Kommentare
  1. Lieber mickzwo,
    das ist jetzt das erste mal, dass ein Beitrag von mir so eine Resonanz erzeugt. Das hat mich so oder so sehr gefreut!
    Die Überschrift bezog sich übrigens auf den Buchpreis, der ja einer der Gründe war, weshalb ich die Besprechung überhaupt geschrieben habe.Und natürlich, weil die Methode des Clowns die Metapher war, die für mich den Roman getragen hat, kreiselnd quasi.
    Dein Beitrag nun hat mir sehr gut gefallen, weil er in so viele Richtungen Weiterfahrt und ich immer neugierig bin auf die Gedanken und Assoziationen, die so ein Roman, der mich tatsächlich noch immer und immer wieder beschäftigt, bei anderen Lesern so auslöst.
    Besonders gefallen haben mir diese Sätze:
    „Auf die Wirklichkeit ist selten Verlass.“ + „Das Missverständnis lauert an jeder Ecke. Nur wenn die Methode sich beständig wandelt bleibt sie sich treu.“ Möchte mit Picabia vielleicht noch hinzufügen: „Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“
    Anyway, sehr schöner Post, werd ich noch ne Weile drüber nachdenken.
    Liebe Grüsse
    Kai

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    • mickzwo permalink

      Lieber Kai,

      das mit der Überschrift habe ich erst beim zweiten Lesen verstanden. Auf die Wirklichkeit ist – in der Tat – selten Verlass. Ich habe Dir zu danken!

      Liebe Grüsse, mick

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  2. ich habe mir erlaubt, diese reszension zu reetweeten und ein live-varinate des songs anzufügen (auf twitter) herzlich wn.

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  3. mickzwo permalink

    Ich glaube nicht, dass Du den Anstoß das Buch „Erklärt Pereira“ von mir hast. Aber ich fand es auch sehr bemerkenswert und darum habe ich es auch besprochen:
    https://allesmitlinks.wordpress.com/2011/04/06/erklart-pereira/

    Danke für die Erwähnung meiner Anmerkung zu Köhlmeyer, die wiederrum auf Skyaboveoldblueplace zurückgeht.
    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein geruhsames Weihnachtsfest und einen gutes neues Jahr!!

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