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Wahrnehmung und Interesse

7. Februar 2015

Anfangsverdacht:
Wenn man in sich selbst nicht Zuhause ist, wie kann man es da woanders sein?

Es verhält sich etwa so: ’sein‘ gilt im Deutschen als unregelmäßiges Tuwort. – Ok.
Über dessen Herkunft sagt der Duden etwas, letztlich geht es wohl um Wesentliches. (http://www.duden.de/rechtschreibung/sein_Verb_Vollverb)

Wahrnehmung und Interesse
MAN NIMMT NUR WAHR, WOFÜR MAN SICH INTERESSiERT. – Hm.

Wahrnehmung
Etwas ist für mich wahr, darum nehme ich es. Also auch ‚annehmen‘.

Ich nehme also etwas an, weil ich für so etwas Interesse habe.

[Erster Einwand] Spiegel helfen da nicht wirklich weiter. Zumindest sind sie oft seitenverkehrt. Vormals tippte der Schlaumeier – z.Tl. auch Schlauberger, Schweinchen schlau usf, genannt – mit dem Zeigefinger auf die Ausgabe der örtlichen Tagespresse und sagte: „Steht doch hier!“
Seit geraumer Zeit ist der Hinweis auf computergesteuerte Auswertung werbewirksamer.

[Neuerlicher Einwand] Akademiker, und auch viele Intellektuelle, werden so Bezeichnungen wie Schweinchen schlau (z.B) weit von sich weisen. Schließlich halten sie zur örtlichen auch noch die überörtliche Presse!

[Exkurs]
To compute ist englisch und bedeutet so viel wie berechnen, veranschlagen, kalkulieren. (http://dict.leo.org/ )
– Guter Mann, das wissen wir doch schon längst!

Ok, Ok. Also ’nehmen‘ ist sogar ein starkes Tuwort.
Folgt man dem Duden zur Herkunft dieses Tuworts so kommt man auch auf die ursprüngliche Bedeutung ‚(sich selbst) zuteilen‘ (http://www.duden.de/rechtschreibung/nehmen).
– S.a. in diesem Zusammenhang: ‚übernehmen‘. Hier insb. Typische Verbindungen (computergeneriert) *

Interesse, das Dieser Ausdruck ist als ein sächliches Hauptwort klassifiziert.
Die Herkunft dieses Begriffs wird im Wiktionary so erklärt: von lateinisch: inter = zwischen und esse = sein. Im Mittellateinischen wurde das Verb substantiviert und im 15. Jh. ins Deutsche entlehnt, wo es anfangs ein anderes Bedeutungsspektrum besaß (entgangener Nutzen, durch Versäumnis erwachsener Schaden; Zinsen, Vorteil). Erst im 18. Jh. übernimmt es die Bedeutung Aufmerksamkeit, Anteilnahme aus dem Französisch: intérêt, diese Bedeutung wiederum stammt aus der lateinischen Form interest = „es ist von Wichtigkeit“. (https://de.wiktionary.org/wiki/Interesse)

Das Wort ‚wahr‘ bezeichnet die Eigenschaft, zum Beispiel, einer ‚Sache‘. Es wird darum auch Wiewort genannt. Die Herkunft des Wiewortes ‚wahr‘ kann man nachschlagen. In diesem Zusammenhang bedeutet es soviel wie ‚vertrauenswert‘ (http://www.duden.de/rechtschreibung/wahr).

Die Wortart von ‚Wahr­heit, die‘ ist im deutschen ein Hauptwort und weiblich.

[Schon wieder ein Einwand] Was soll das?
– Das weiß ich doch nicht.
Das weiß der auch nicht. Wie so vieles. Außerdem kommt plötzlich, von rechts, der alte Marktspruch auf ihn zu: Nur Bares ist Wahres. Das hat gesessen.
Doch der berappelt sich. Läßt sich nicht unterkriegen. Wie auf ein Zeichen begibt er sich auf neuerliche Erkundung. Cash is king, wird da als Übersetzung gefunden. Es riecht förmlich nach ‚Geschäften‘.

‚Ge­schäft, das‘ ist wieder ein Hauptwort und zwar ein sächliches. Sozusagen: neutral. Ah ja. Zur Herkunft Übliches.

Lt. Gablers Wirtschaftslexikon lässt sich der Begriff ‚Geschäft‘ so definieren:

1. Kaufmännischer Sprachgebrauch: Bezeichnung für eine Unternehmung und für das Verkaufslokal (Laden) einer Unternehmung (meist Handelsbetrieb), aber auch für eine von mehreren Verkaufsstellen (Filialunternehmung). Unter Geschäft wird i.d.R. ein Einzelhandelsgeschäft verstanden.
2. Rechtlich: Handelsgeschäfte, Rechtsgeschäfte.
(http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/9411/geschaeft-v9.html)

Ein gutes Geschäft, so hat er gelernt, kommt dann zustande, wenn niemand sich hinterher über den sog. Tisch gezogen fühlt.
Wir sind also wieder bei dem ‚Annehmen‘. Und zwar von irgendwas. Zwecks Interessenausgleichs.

Annahmen
Ist es nur wahr weil ich mich dafür interessiere?
Oder ist es umgekehrt? – Also wirklich…

‚Ungeduld, die‘ ist demnach ein weibliches Hauptwort.
Das Selbe gilt aber auch für ‚Geduld, die‘.

Manchmal kommt man vom Hölzchen aufs Stöckchen. Hm.

PS.: Wer in sich selbst ruht, kann überall zur Ruhe kommen. So in etwa. **

* „Typische Verbindungen“ (http://www.duden.de/hilfe/typische-verbindungen)
** Siehe z.B. bei Prediger Salomo [Kap.3] oder hier.

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From → Liebe, misc.

4 Kommentare
  1. mickzwo permalink

    „Am Ende ist es immer das Fälligste, was uns zufällt.“ Max Frisch, “Tagebuch 1946 – 1949″

    Es ist immer wieder toll zu sehen, was Du schon lange vor mir hattest. Und, es ist beruhigend! Dieser Max Frisch ist schon erstaunlich. Vielleicht sollte ich seine Tagebücher doch mal lesen. Die Gedanken hat er ja in die Welt gesetzt. So oder so.

    Ich danke Dir für diesen, erneut, guten Hinweis.

    Gefällt mir

  2. Deine Hölzchen bringen mich auf dieses Stöckchen von Max Frisch: https://pagophila.wordpress.com/2011/06/26/tagebuch-1946-1949-3/

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