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Ein süßer Sommer

10. Februar 2015

Nie sollst du mich befragen *

„Es ist schon so lange her, vierzehn Jahre, und ich träume immer noch von dem Abend, an dem Candy starb. …“ (S.5) So beginnt der Roman… Tragisch. Aber es kommt noch tragischer, verzwickter und auswegloser.

Der Ich-Erzähler Schröder ist privater Ermittler, jung, wohlsituiert in einem nettem Umfeld im Köln der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Also typisch. Irgendwann, beim Lesen, habe ich mich gefragt, warum nicht alle ehemaligen Polizisten sich so eine Detektei suchen, Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! **

Dem Schröder begegnet auf dem Weg Heim, im Zug wie zufällig Candy. Von ihr wird im Laufe des Romans ziemlich die Rede sein. Zu Beginn, vom Beschützerinstinkt geleitet, verhält sich unser Ermittler so gar nicht professionell: Liebe macht Blind. *** Nicht nur, dass er sich in das Mädchen verliebt, er quartiert sie bei sich ein, und versucht ihr Nahe zu kommen. Was sonst? Dabei macht er alles falsch, was man so falsch machen kann, als Ermittler (versteht sich).

Einen Bösen haben wir natürlich auch. Aber das Umfeld Schröders ist eben unschlagbar. Es steht zu ihm und ist behilflich. Zum Ende hin wird es etwas unübersichtlich, tragischer noch aber auch zwangsläufig. Das Taschentuch sollte u.a. auch deshalb in der Nähe platziert sein. Der Ermittler tritt in den Hintergrund, kann es nicht fassen aber er bleibt Ermittler! Gut.

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, ich wäre da auf Krawall gebürstet. Ganz im Gegenteil. Ohne blutrünstiges Gemetzel schafft es der Roman immer wieder das Interesse des Lesers zu bündeln. Fiktion optimal. Leicht lesbar war er für mich eine wunderbare Ablenkung. Mir wurde es einfach zu viel. Ich brauchte eine Geschichte, die einfach gut tat. Dieser Titel hat lange darauf gewartet, bis er mich entdeckt hatte und sich entfalten konnte.

Hinter alltäglichen Beobachtungen öffnen sich Höllenschlünde der menschlichen Natur. **** Erstaunlich, was mein Regal im Keller so alles zu bieten hat 🙂

* Lohengrin, romantische Oper von Richard Wagner. 1.Aufzug, 3.Szene: Lohengrin zu Elsa von Brabant.
** Johann Wolfgang von Goethe (Für ein Poesiealbum wie geschaffen.)
*** Genau. Steht ja auch schon auf dem Umschlag des TBs.
**** Noch ein Teaser auf dem Umschlag.

Petra Hammesfahr: Ein süßer Sommer. Roman 2004. Rowohlt. (Neufassung von ‚Am Ende des Sommers‘ 1992.)
ISBN 978 3 499 23625 7

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From → Liebe

2 Kommentare
  1. Es ist schon eine Weile her, dass ich ein Buch von Petra Hammesfahr gelesen habe. Damals bin ich nicht so richtig warm geworden mit ihr. Das hier klingt, als könnte ich es mal wieder versuchen…

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    • mickzwo permalink

      Ich weiß nicht, ob ich es in einer beliebigen Situation lesen könnte. Diese Situation hier hat eben für mich gepasst. Manchmal lege ich auch Bücher zurück und lasse sie es zu einem anderen Zeitpunkt erneut versuchen …

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