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Der Metzger sieht rot

26. März 2015

…wen bitte kümmert die Einzahl, wenn es um die Mehrzahl geht. (S.7)

Willibald Adrian Metzger ist – und ich glaube es gilt in dieser Reihenfolge – Eigenbrötler und Restaurator. Für diesen Willibald ist ein Fußballspiel eher den Niederungen kultureller Betätigung zu zuordnen. Manchmal wird der Metzger zum Kriminalisten, widerwillig und das kann auch noch dauern.

„Unaufhaltsam bewegt sie sich auf ihn zu. Es gibt Situationen, da ist die Chance zu entkommen so realistisch wie ein Lottogewinn. Ob er nun will oder nicht, sie wird ihn erfassen. Und während sie mit unausweichlicher Vehemenz heranrollt, beobachtet der Metzger seine Umgebung genauso verwundert wie ein Eremit die erste Karnevalssitzung. Wozu Menschen imstande sind, muss man erst erleben.“ (S.10)

Dieser Willibald Adrian geht also mit Danjela Djurkovics zu einem solchen Spiel. Warum? Nun ja. Aus Liebe, vielleicht; auf jeden Fall wird er mit ansehen, wie dort Kawabena Owuso während der zweiten Halbzeit auf dem Spielfeld zu Tode kommt. Tags darauf wird Danjela Djurkovics just in jenem Stadion aufgefunden. Leblos ist sie aber nicht tot.

„Alles ist aus dem Lot…“ Der Metzger hat es nicht leicht. „Nichts kann er tun, nur warten, und genau dieses Warten, dieses Bewusstwerden des Ausgeliefertseins an die Willkür des Lebens, macht ihn so unsagbar müde.“ Die Liebe seines Lebens liegt im Koma. „Danjelas Zustand erschien unverändert schlecht… „ (S.101)

Begeistert hat mich in erster Linie, wie die Geschichte erzählt wird. Was man alles so im Kopf hat und was so um einen und mit einem geschieht, in welche Situationen man kommt während man mit scheinbaren Tatsachen konfrontiert wird.

„Ein Restaurator also. Nur warum? Was hat ein Möbeldoktor, noch dazu ein entsetzlich verstaubter, bereits am hellichten Tag betrunkener, in dieser Geschichte verloren. Aus welcher Ecke kommt der in den Ring?“ (S.179)

Auch, wie sich die Dinge ändern können, weil ein Detail in den Blickpunkt gerät. Auch Zeitabläufe und natürlich persönliche Präferenzen sind dabei zu beachten. Wundersam wie alles in Zusammenhänge gebracht wird. Perspektiven wechseln.

Seine Danjela ist in Gefahr: „Was soll diese Drohung bedeuten…?“ Irgendwann merkt dieser Metzger, dass er in einen Fall verwickelt ist. Doch „…eines kann er nämlich nicht: abschalten in Anbetracht beobachtenswerter Gegebenheiten.“ (S.211)

Eigentlich ist der Krimi der Aufhänger für das Ganze drumherum. Schon spannend aber nicht ganz so dringend. Also für die Protagonisten schon. Aber für den Rest? Diese Geschichte ist sehr sorgsam erzählt, und bis ins Mark subjektiv. Zum genauen Hinschauen lohnt das. So etwas finde ich schon faszinierend.

Thomas Raab: Der Metzger sieht rot. Kriminalroman. Pieper, 6. Auflage 2011.
ISBN 978 3 492 25463 2

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From → Liebe, Sprache

5 Kommentare
  1. mickzwo permalink

    Hat dies auf Alles mit Links. rebloggt und kommentierte:

    ..diese Geschichte gehört noch dazu.

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  2. Das klingt ganz wunderbar. Und so feinfühlig dargeboten von dir.

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  1. Die Glut | Alles mit Links.
  2. [Alles mit links] Der Metzger sieht rot - #Literatur | netzlesen.de

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