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Monotonie

15. Juni 2015

– Moin. Wie isset?
Moin, gut isset. Und selbst?
– Och, wie sollt sein?! Geht so.
Und sons?
– Donnerstag evtl. auch am Dienstag.
😉

Bei allem hatte er seit einiger Zeit immer ein Lied im Kopf. Ein Lied aus der Neuen Deutschen Welle. Was für ein Quatsch. Die Neue Deutsche Welle war in den achtzigern des letzten Jahrhunderts. Das sind über dreissig Jahre zurück.

Neulich spielten sie das Lied sogar im Radio. Das hatte ihn erschrocken – und auch ein wenig gefreut. Er hatte es damals manchmal gehört, per Kassette in seinem Käfer. Irgendwo hatte er es noch. Das wusste er.

Er war gerade auf dem Weg erwachsen zu werden. Ja, nach Hause auch. Komisch, dass er jetzt daran dachte. Während all der Zeit kam es ihm immer mal wieder kurz in den Sinn. So wie man an einen alten Bekannten denkt, dessen Namen man vergessen hatte.

Und jetzt? Es kam ihm so vertraut vor. Monotonie.. Möglich, dass es doch alles mit dem Sommereinbruch, hier, zu tun hatte. Diese Nacht schon wieder kein Regen nur Wind. Und Wolken.

Manchmal, wenn die Wolken aufreissen, wird es heiß. Ansonsten trübe Aussichten. Die Wolken werden sich woanders öffnen und bringen Fruchtbarkeit oder Verdruss. Je nach dem. Ein lausiges Warten. Staubig ist es auch.

Im Radio immer die üblichen ‚Wasserstandsmeldungen‘. Irgendwie wurde er den Eindruck nicht los, als sei der Haussender mit ihm zerstritten. Er war sich keiner Schuld bewusst.

So bemüht kamen ihm die Sprecher im Radio vor. Wollten sie gute Laune herstellen als Kontrast. Die Nachrichten sagten komplett was anderes.

Ringsherum wurden gerade noch schnell ein paar Häuser hochgezogen. Es staubte. Die Bauern sorgten für den üblichen Gestank. Es ging also alles den gewohnten Gang.

Und abends läuft die Honky Tonky Show. So neu. So modern und geschwind.

Ideal: Ernst des Lebens. Musik und Texte Annette Humpe. WEA Musik 1981. Hier: Monotonie

(https://www.youtube.com/watch?v=MKw0X7nPmb8)
(https://de.wikipedia.org/wiki/Ideal_%28Band%29)
(http://www.udo-lindenberg.de/honky_tonky_show.57870.htm)

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From → Musik

16 Kommentare
  1. „Ein lausiges Warten. Staubig ist es auch.“ Ich spüre es richtig.

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  2. Ich bin noch nicht sicher, liebe Mick, ob ich Dir dankbar sein sollte, dass mich nun dieses Lied den Tag über begleiten wird. Jedenfalls klebt es, mit zahlreichen Erinnerungen versehen, jetzt felsenfest in meinem Gehörgang. Glücklicherweise hat Annette Humpe nie aufgehört Lieder zu schreiben. Im verlinkten Video zum Lied lauert noch eine ganz persönliche Erinnerung an jüngere Lebenstage: Die Bimbo-Box. Danke jedenfalls für diese schöne Erinnerung, ansonsten werde ich erstmal abwarten müssen, wie der Tag mit Monotonie verläuft:)
    Liebe Grüße,
    dm

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    • mickzwo permalink

      Ich hoffe, Du hast den Tag gut überstanden (trotz oder gerade wegen des Liedes). Mein Flehen über einen kleinen Landregen hat sich jedendenfalls erfüllt. Jetzt habe ich schon wieder ein anderes Lied im Kopf (..und immer, immer wieder geht die Sonne auf..), da ist mir aber der Star im Moment nicht so präsent. Bis ‚Good Day Sunshine‘ von den Beatles dran ist, das dauert wohl noch ein Weilchen 🙂
      Ganz liebe Grüße, mick.

      Ps.: Die Bimbo-Box ist irgendwie an mir vorrüber gegangen. Ich erinnere mich sie kürzlich in einem Vorabendkrimi aus dem Ruhrgebiet entdeckt zu haben. War zwar verwundert, konnte es aber glaube ich in die Handlung wohl einordnen. So etwas finde ich spannend.

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  3. der zerstrittene Haussender und alles was mit ihm zusammenhängt, gefällt mir sehr … und danke auch für die Erinnerung an Ideal- stimmt lang ists her und ging doch so schnell vorbei-
    herzlichst Ulli

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  4. Für die Feststellung “ Irgendwie wurde er den Eindruck nicht los, als sei der Haussender mit ihm zerstritten. Er war sich keiner Schuld bewusst.“ könnte ich Sie gerade spontan umhalsen, lieber mick! Ein Gefühl eingefangen, was mir schon lange durch die Lauschlappen in den Bauchraum rinnt. Danke dafür. Und doch gibts auch hier Überraschungen, letzthin spielte hier der Märchenprinz der EAV dermaßen Fröhlichkeit durch den Äther, daß sich wildfremde Menschen aus offenen Autofenstern zuwinkten und lauthals mitsangen. Eine davon war ich…
    Danke für diese Kleinststudie der Monotonie, Ihre Frau Knobloch, herzlich zugeneigt und umregenbittend.

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    • mickzwo permalink

      Es war mir eine Freude. Und wenn es jetzt noch so einen leichten Landregen gäbe… Herzlichst Ihr mick!

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  5. P.S.: Mir gefällt auch der Einstiegsdialog sehr. Gern mehr davon. 🙂

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  6. Hach, tolles Lied! Schöner Text!

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  7. Ich frage mich, ob man diese Monotonie im Winter besser verstecken kann! L. G. Martina

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  8. Und jetzt die Monotonie im Hörgang. Verflixt. Ideal, ja, an denen kam ich an meiner Jugend auch nicht vorbei. Aber schon ewig nicht mehr gehört.

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Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Monotonie - #Literatur | netzlesen.de

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