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Ziemlich beste Freunde

6. Juli 2015

Zuerst veröffentlicht hier, am 7. Januar 2012

Einer der wenigen Filme, in denen der Abspann respektiert wurde. Die Geschichte hat genauso aufgehört, wie sie begonnen hatte, unvermittelt. Und man blieb einfach noch etwas sitzen, damit die Geschichte ausklingen konnte. Ich denke das ist das richtige Wort: Ausklingen.

Driss trifft Philippe und geht die Sache gleich sehr pragmatisch an. Das gefällt Philippe irgendwie und kurzerhand stellt der den Hallodri ein, denn er braucht einen Betreuer. Driss ist auch ein Ausdruck in kölsch. Das bedeutet u.a. so viel wie niedergeschlagen oder traurig.

Bei Driss könnte der Name auch Programm sein. Gerade aus dem Gefängnis entlassen erwartet ihn die Tristesse eines Pariser Vororts. Nicht vielversprechend. Philippe ist zwar reich aber dafür querschnittsgelähmt, von Kopf an abwärts. Auch nicht vielversprechend…

Fast zwei Stunden war ich in diesem Kino und die Zeit verging wie nichts. Keine anheimelnde Behindertenschmonzette; es wurde mit gutem Tempo, exaktem Timing und viel Witz eine wunderbare Geschichte über Freundschaft und Hoffnung erzählt.

Mehrheitlich haben wir gelacht, aber es waren keine Brüller dabei. Eher war das ein befreiendes Lachen. Man konnte mitfühlen, glücklich sein und nichts an dieser Komödie war kitschig. Wunderbares Kino.

Ps.: Heute war so ein Gartentag, das Wetter ließ es zu. Da wurden eben notwendige Dinge getan. Anschließend war man rechtschaffen Erschöpft (wir haben einen großen Garten) und seelig (wir lieben unseren Garten). Zum Lesen zu müde und draußen wurde es merklich kühl. Glotze durchgezappt. Um viertel nach acht kam dieser Film auf ARD. Wunderbar, selbst als Wiederholung im TV.

Ziemlich beste Freunde. Eine Komödie aus Frankreich, 2011. Nach einer wahren Begebenheit.
Regie: Olivier Nakache, Eric Toledano. Mit: François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Mollet, Alba Gaïa Kraghede Bellugi u.a.

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From → Liebe

7 Kommentare
  1. Ich habe mich inzwischen mit einigen Rollstuhlfahrern über den Film unterhalten. Sie fanden ihn allesamt ganz furchtbar. „Behindertenkitsch“ war dabei einer der freundlicheren Kommentare.
    Angeschaut habe ich ihn mir nicht. Ich kenne nur die bekannten Ausschnitte und sah einmal eine Doku über die beiden Hauptfiguren.
    Was genau gefiel Dir an dem Film, das würde mich sehr interessieren. Was hat dazu geführt, dass im Saal eine solche Stille (Andacht?) entstand?

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    • mickzwo permalink

      Was mir an dem Film so gefiehl, war das fehlen jeglichen Mitleids. Das ist m.E. ja was anderes als Mitgefühl oder Rücksicht. Als ich ein Junge war, hatte ich einen Freund der hieß Rolf. Er begann irgendwann gegenüber in der Straße zu wohnen und der saß im Rollstuhl. Der wollte auch kein Mitleid. Rücksicht schon und zwar auf seine Eigenheiten. Nicht auf seinen Status als Behinderten. Damit konnten wir umgehen. Wir waren Kinder und er wurde Teil unserer ‚Gang‘.

      Warum das im Kino so still war, ich weiß es nicht. Es war ebenso. Meistens geht es mir füchterlich gegen den Strich, dass die Leute offenbar ins Kino gehen, um alles andere als Filme zu gucken.

      Wegen der Stille müßtest Du eigentlich die anderen Zuschauer fragen. Es wurde nach dem Film angeregt darüber diskutiert. Sicher auch kontrovers. Es ist nicht selbstverständlich, dass jemand so reich ist. Und, es war eine Kommödie, nach einer wahren Begebenheit zwar, aber in eine Kommödie verpackt. Da gelten Gesetzmäßigkeiten, wie in jeder anderen Erzählung auch.

      Nicht um arm und reich ging es hier; ein ganz anderes Thema, und sicher nicht zu unterschätzen. Es ging vielleicht um Anderssein und die Fähigkeit dieses Andererssein annehmen zu können. Ich glaube nicht, daß die Stille etwas mit Andacht zu tun hatte. Eher mit Respekt vor dem Thema. Und das ist schon ein Heftiges. Das Lachen war eben nicht so laut und die Menschen sind nicht sofort zur nächsten Sensation gelaufen. Die Figuren mit ihren Problemen gibt es ja wirklich.

      Mit dem Kitsch ist das so eine Sache. Mit dreizehn war ich zum erstenmal in Berlin. In Tegel im Zeltlager. Das war schon aufregend. Ich kam mir ziemlich erwachsen vor. Natürlich wollte ich meinen Eltern eine Kleinigkeit mitbringen. Was es genau war ist mir über die Jahre entfallen. War wohl nicht so einschneidend. Aber ich erinnere genau das Ding, was ich damals verworfen habe. Es war ein röhrender Hirsch mit zwei, drei angedeuteten Tannen. Er hatte die Aufschrift: Schöne Grüße aus Berlin.

      Zwei Jahre später fand ich mich in einem Dorf wieder, wo ich den Rest meiner Jugend zu verbringen hatte. Dort kamen die ‚röhrenden Hrische‘ in Natura vor.

      Fast vierzig Jahre nach meinem ersten Berlinbesuch hatte mein Vater einen Schlaganfall. Von heute auf Morgen halbseitig gelähmt. Zum Ende dieser zehn Jahre habe ich diesen Film gesehen, und er hat mir wirklich gut getan. Die Stadt, der Mann, das Tier

      Ich danke Dir für Deinen Kommentar und hoffe man konnte die Antwort verstehen. Liebe Grüße, mick

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      • ja, die Antwort kann ich verstehen. Vielen Dank dafür.
        Mir fehlen ein wenig die Worte, da ich den Film nie gesehen habe. Es interessierte mich aber sehr auch einmal jemanden zu hören, der ihn gut fand.

        Schöne Grüße aus Kreuzberg Süd-Ost

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  2. Ich find den Film auch richtig gut!

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  3. Toller Film, in der Tat. Wir haben sehr gelacht.
    Als ‚Special Effect‘ hatten wir damals im Kino zwei ältere Damen hinter uns, die alle möglichen Szenen laut mitkommentierten. Eigentlich müsste man bei sowas durchdrehen, aber mit den beiden Ladys war das einfach nur köstlich… ;-))
    Viele Grüße,
    Gerhard

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    • mickzwo permalink

      Als wir den Film zum erstenmal im großen Kinosaal gesehen haben war es erstaunlicherweise sehr still im Kino. Sogar das übliche Geraschel von irgendwelchen Popcornbehältern verstummte bald. Gelacht haben wir dann vor dem Fernseher, wir hatten schon soviele Einzelheiten vergessen. In der Tat ein lohnender Film.
      Viele Grüße, mick

      Gefällt 1 Person

Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Ziemlich beste Freunde – #Literatur

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