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Selbs Justiz

7. September 2015

Warum machte ich jedes Jahr denselben Fehler? Habe ich auch sonst gar nichts dazugelernt in meinem Leben? Wofür überhaupt das Ganze? S.318

Privatdetektiv Gerhard Selb, 68, wird von einem Chemiekonzern beauftragt, einem >Hacker< das Handwerk zu legen, der das werkseigene Computersystem durcheinanderbringt. Bei der Lösung des Falles wird er mit seiner eigenen Vergangenheit als junger, schneidiger Nazi-Staatsanwalt konfrontiert und findet bei der Ahndung zweier Morde, deren argloses Werkzeug er war, eine eigenwillige Lösung. *

Dieser Selb trifft alte Bekannte und wird auch immer wieder auf sich selbst und seine Vergangenheit gestoßen. Dabei stolpert er von einer Katastrophe zur nächsten, und löst dabei seine Fälle. Er muß eben viel nachdenken bei seiner Arbeit. Und die Betonung liegt dabei gewiß auf der Vorsilbe nach.

Ich weiß zwar, daß dies die Unsauberkeit der Welt ist, der nur die Heiligen entrinnen und die Fanatiker meinen, entrinnen zu können. S.100

Dieser Satz ist so gut und zeigt, worum es bei den Geschichten um den Ermittler Selb immer geht. Er kommt dabei oft auf merkwürdige Zusammenhänge, die, im Nachhinein, ziemlich plausibel und einfach sind.

Dabei ist das private Erleben vom geschäftlichen kaum zu trennen.

Verwerflich ist nicht Leute auszunutzen, es ist nur taktlos, sie dies merken zu lassen. S.153 Dieser höchst zynische Satz, von Korten zugeordnet, zeigt den ganzen Druck unter dem der Mensch Selb steht. Es macht das Ganze für dem Normalmenschen noch erträglich und – im gleichen Maße – so erstaunlich. Die Namensgebung kommt sicher nicht zufällig zu Stande.

Bernhard Schlink und Walter Popp: Selbs Justiz. Roman. Diogenes 1987.
ISBN 978 3 257 21543 4

* aus dem Umschlagtext des Verlages auf der Rückseite

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From → Liebe, misc., Sprache

6 Kommentare
  1. Trotz der heftigen Verstrickungen, in die Selb gerät, verliert er nie seine Badisch-Kurpfälzische Bonhommie. Ein alter Genießer mit Gelassenheit. Das macht für mich das bestechende an der „Selbs“-Reihe von Bernd Schlink aus.

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  2. Dieser SELB macht sich Gedanken über die es sich lohnt nachzudenken! L. Dank und buona serata Martina

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  3. Oh, das ist manchmal auch Zufall. Grad heut hab was von „Mr. Robot“ gelesen. Wohl auch eine reale Kunstfigur in Serie. Die eine ähnliche Geschichte erzählt. ^^

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Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Selbs Justiz – #Literatur

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