Skip to content

Die Novelle vom dicken Holzschnitzer

9. September 2015

Nun sagt mir noch, wenn ich, der ich der Dicke war, Matteo geworden bin, was wird dann aus diesem geworden sein? *

Der Dicke fing von vorne an und erzählte ihm bis zum Ende alles, was ihm widerfahren war, wobei er nur mit Mühe seine Tränen verbergen konnte und ihn inständig um zwei Dinge bat: erstens, dass er bei seiner Ehre nie mit jemandem über diese Sache sprechen sollte; zweitens, dass er ihm Rat und Beistand geben möge, indem er hinzufügte: „denn ich weiß, dass Ihr Geschichten aus alten und neuen Zeiten und von Männern kennt, die viele Ereignisse niedergeschrieben haben. Aber ist Euch je ein ähnlicher Fall untergekommen?“ (…)

So eine Posse ist im Florenz des 15. Jahrhunderts sehr verbreitet. Doch diese schlägt dem sprichwörtlichen Fass dem Boden aus.

(…) Nachdem der treffliche Mann ihn angehört und die Sache sofort bei sich erwogen hatte, war ihm klar, dass es sich um eines von zwei Dingen handeln musste: entweder war dieser Mann nicht ganz bei Trost durch einen Überschuss an schwarzer Galle entweder wegen des gegenwärtigen Umstandes, da es ihm an Mut fehlte, oder eines anderen; oder es handelte sich um einen Streich, was ja stimmte. (S.43f)

Zur Belustigung seiner Feierkumpanen aus gewissen Kreisen wird jemandem vorgegaukelt, er sei jemand anderer. Und der Dicke war darob bestürzt. (S.45) Und das soll er auch.

Der dicke Holzschnitzer beginnt an sich zu zweifeln. „Da alle Leute einen anderen in mir sahen, nicht einer allein, muss doch etwas Wahres an der Sache sein.“ (S.88) Etwas Thumb ist er schon aber was soll er auch tun?

Es ist alles bis ins Kleinste ausbaldowert und die ganze Stadt hat ihren Spaß daran. Der dicke Holzschnitzer kommt letztlich hinter diese Posse, kann jedoch mit der Schande nicht leben und entzieht sich ihr. So kam es, dass der Dicke Florenz verließ…

Der Verlag Klaus Wagenbach hat sich, unter anderem, darauf spezialisiert italienische Literatur zu veröffentlichen. Sehr ambitioniert. Bezüge kann jeder selbst herstellen.

Antonio Manetti: Die Novelle vom dicken Holzschnitzer. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2012. Aus dem Italienischen von Marianne Schneider. Mit einer Einführung von Matteo Burioni.
ISBN 978 3 8031 1288 0

* Zitat von der Rückseite des Umschlages

Advertisements

From → misc., Sprache

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: