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Lost in translation

10. September 2015

„Hat er nur das gesagt?“

Bis man versteht, ist es oft zum Verzweifeln. (Und selbst dieses will erst verstanden sein.)

Da treffen sich zwei, in einer fremden Umgebung und aus Langeweile beginnen sie sich auszutauschen. Er, ein abgehalfterter, alter Schauspieler – unglücklich verheiratet, was sonst. Sie, eine, ebenso abgehalfterte, junge Ehefrau mit nutzlosem Examen. Sicher hat auch sie ihr Unglück bemerkt.

Sie wissen genau, es ist unmöglich. Ihr ganzes Verhalten ist darauf angelegt, sich zu amüsieren, bzw. abzulenken. Grimmig machen sie sich lustig über andere, sich und das Leben überhaupt.

Als es funkt zwischen den beiden so Ungleichen steht ihnen die Fassungslosigkeit noch lange im Gesicht. Und doch scheinen sie sich zu bemühen, es so selbstverständlich zu nehmen, wie ein schnelles Frühstück oder die Zeitansage im Radio, wenn eh alles zu spät ist.

Der Zuschauer weiß es schon lange, er gönnt es ihnen und doch wartet man auf den unvermeidlichen Bruch. Das Umkippen der Situation ins Klischeehafte usf.

Aber es passiert nicht.

Soviel beschnuppern und soviel zärtliches Umsorgen habe ich schon lange nicht gesehen. Genauso wenig diese fundamentale Ruhe, eingerahmt von der hektischen und chaotisch-schrillen Umgebung.

Der Ort spielt kaum eine Rolle. Laut und schrill kann es überall sein. Stille kommt immer von innen. Nur dann kann ein Wesen zu sich kommen und etwas wahrnehmen.

Wie jede ordentliche Liebesgeschichte findet auch diese ihr Ende. Ob es happy ist, bleibt anzuzweifeln. Schön, wenn man träumen kann. Zumindest haben sie die Melancholie im Sack.

So lange man wie in Trance lebt, ist alles gut. Wenn das Analysieren beginnt, ist es vorbei. Der Zauber hat sich schon lange zurückgezogen. Übrig bleibt die Hoffnung sich zu erinnern.

Geredet wird nur das Nötigste. Der Film lebt von den Bildern und die haben es in sich. Scarlett Johansson und Bill Murray agieren perfekt. Ein wunderbarer Film.

Sofia Coppola: Lost in Translation. Constantin Film 2003. Mit Bill Murray, Scarlett Johansson, u.a.

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From → Liebe

15 Kommentare
  1. Ich bin auch ganz begeistert von deiner einfühlsamen Wiedergabe dieses Films, der mir damals sehr uter die Haut gegangen ist und ich kann mich auch an die Hektik in Tokyo erinnern, sowie an die gegensätzliche Stille. Ich kann diesen Film nur empfehlen. Cari saluti Martina

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  2. Graugans permalink

    Lieber Mick, weiß jetzt, warum ich diesen Film in der Erinnerung verdrängt habe, weil ich Rotz und Wasser geheult hab am Schluß…ich dank Dir sehr, daß Du ihn mit so wundervollen Worten gewürdigt hast…mit allem sprichst Du mir aus der Seele…ein ganz zauberhafter Film! Und wie bei jedem sehr guten Film kann man ihn unendlich oft anschauen und immer noch was entdecken darin…er ist zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme geworden und er geht mir sehr nahe, ist schön und tut weh, weil wir wissen, daß die Aussage wahr ist…schad, daß ich ihn nur auf unserem alten Fernseher sehen kann, tät ihn gern mal im Kino anschauen! Dank Dir nochmal für dieses Geschenk!

    Gefällt 2 Personen

    • mickzwo permalink

      ‚Zauberhaft‘ das ist das Wort! Ich weiß gar nicht mehr, ob ich diesen Film im Kino gesehen habe. Ich glaube es war nur die Vorschau. Gesehen habe ich ihn dann im TV (allerdings war das ein Großer mit einem flachen Bildschirm). Im Kino kommen die Bilder sicher noch besser. Aber ich glaube, darauf kommt es nicht an. Der Film ist eben einfach ‚Zauberhaft‘.

      Liebe Grüsse und danke! mick.

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  3. ja toller film. und deine zusammenfassung ist allerbeste sahne und genuss pur!

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  4. Graugans permalink

    Lieber Mick, ich hab den Film irgendwann gesehen und kann mich gar nicht mehr erinnern, nur daß ich ziemlich verstört war, werd ihn mir aber jetzt unbedingt wieder anschauen, weil es mich brennend interessiert, ob ich etwas von dem, was Du so wunderbar beschreibst, auch drin finden kann! Liebe Grüße

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  5. Nun hat der willi das schier Unmögliche geschafft: Einer Ungernfilmguggerin die Pupillen wässerig geschrieben. Fast freue ich mich schon auf die Dunkeljahreszeitmunkelstunden und bedanke mich herzlichst für diese bonfortionöse Anstupserey.
    Liebe Grüße, Ihre Käthe Knobloch.

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  6. Hach…einer meiner absoluten Film-Favoriten wird hier auf den Punkt rezensiert…
    Übrinx trefflich übersetzt und gleich wiedererkannt, selbst ohne den Filmtitel vorher zu kennen…

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    • mickzwo permalink

      Als ich diesen Film zum ersten Mal sah war ich verstört und begeistert zugleich. Seitdem habe ich ihn noch oft gesehen und die Verstörung ist verschwunden. Zurück blieb die Begeisterung und zunehmend ein Gefühl von Glück.. über dieses Kunstwerk. Soetwas ist selten und ich versuche es zu sammeln.

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  7. und ich dachte, du sitzt in einer kneipe und beobachtest ein frisch verliebtes paar. den film habe ich vor jahren gesehen, aber nicht wieder erkannt hier. es blieb spannend und interessant bis zum ende des textes. gut gemacht.

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    • mickzwo permalink

      Eindruck verlangt nach Ausdruck. Ein frisch verliebtes Paar könnte ich wohl nicht belauschen um es dann zu veröffentlichen. Trotzdem danke ich für Deinen netten Kommentar!

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Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Lost in translation – #Literatur

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