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Feuerzangenbowle – the same old story (again, again and again)

11. Dezember 2015

Es sind die Bilder die man nicht los wird.

mick: Hmm, lecker Bowle.
ernst: Jep.
mick: Irgendwie kommt mir die bekannt vor.
ernst: Gut möglich.
mick: Das glaube ich jetzt nicht.
ernst: Wieso?
mick: Das kannst du nicht bringen, nicht schon wieder diese Geschichte.

(Beide dann abrupt ab. Einer nach halb links, der andere durch die Mitte.)

Das wäre…

Vor etwa fünfundsiebzig Jahren sang Lara Zeander: Kann denn Schwachsinn Sünde sein? Zur gleichen Zeit wurden viele Schnulzen gedreht (wie zum Beispiel die Feuerzangenbowle mit Reinz Hümann); es gab aber auch Elend: Menschen starben weil ihnen Explosivstoffe auf den Kopf oder vor die Füße geworfen wurden.

Andere starben weil ihnen Giftstoffe zwischen die nackten Leiber getan wurden. Kugeln oder eingeschlagene Schädeldecken waren damals auch sehr verbreitet. Manche ließen sich einfach neben die Zahnbürste fallen (mit der sie gerade den Bürgersteig für die ordentlichen Mitmenschen reinigen durften), offensichtlich hatten diese Zeitgenossen einfach keine Lust mehr, die Volkshygiene zu befördern.

Zurück zur Feuerzangenbowle:
Einige ältere Herren – gut situiert – treffen sich alljährlich zu einem Besäufnis der anderen Art. Fachwerk und Butzenscheibenromantik. Schenkel klopfen ist angesagt und mit steigendem Pegel träumt man sich in die Vergangenheit. Wie schön das alles war. Einer der Säufer will endlich mal sein Abitur auf normale Art machen und mutiert sich zurück zum Schüler auf dem Lande.

Idylle pur. Die Lehrer sind durchweg verknöchert und schön blöd – von denen kennt jeder Zuschauer welche (das ist wohl universell). Nur einer ist nicht verknöchert und sieht einigermaßen jung aus. Der lebt nämlich schon die neue Zeit. Die wird aber gerade kaputt geschmissen, und darum ist die Idylle ja auch nur aus Pappe.

Das perfide an dieser Situation ist wohl, dass man im Grunde über diese Tatsache auch noch dankbar sein muss. Nicht auszudenken, wenn die gewonnen hätten.

Kann denn Schwachsinn Sünde sein? Natürlich nicht. Aber das war ja auch kein Schwachsinn, das hatte schon Methode: Der eine – nicht ganz so alte – Säufer wurde also zum Pfeiffer – der mit den drei f’s – und dieser Pfeiffer hatte ganz viele Mitschüler in der Feuerzangenbowle.

Nach dem der Film abgedreht war, inklusive Happyend und allem was so dazu gehört, durften die Mitschüler allesamt an die Ostfront. Dort wurde das Reich auch noch verteidigt. Keiner kam zurück. Nur einer blieb zu Haus, der mit den drei f’s, der war nämlich Kriegswichtig. Zum Filme drehen und Spaß machen. Sollte ja noch ein bisschen weitergehen.

Beim Prediger Salomo steht irgendwo sinngemäß Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Ernst zu nehmende Exegeten behaupten ja, das geht in Wirklichkeit auf einen Pharao aus Ägypten zurück. Ich finde das plausibel.

Es ist mir nur noch nicht ganz klar, ob wir das einem Anfall von Größenwahn oder ganz tiefen philosophischen Gedankengängen zu verdanken haben.  Au, au, au…

Prediger Salomo ist schon erstaunlich. Findet man im Alten Testament. (ISBN und so etwas braucht es in diesem Falle wohl nicht.)

Ps.: Es kann gegenwärtig vorkommen, dass so ein Jahresabschluss als Besäufnis anberaumt wird (nebst Schrottwichteln oder was sonst gerade als chick gilt). Als besonderes Schmankerl säuft man nicht nur besagte Feuerzangenbowle (nach altbewährtem Rezept versteht sich), man darf auch gleichnamigen Film aus den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts konsumieren.

Es ist a: erstaunlich wie beiläufig auch gegenwärtig das Schenkel klopfen funktioniert, und b: wie deplaziert man sein kann.

…doch gelacht.

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From → Liebe, misc., Sprache

2 Kommentare
  1. Ein Glas von diesem Höllengebräu würde mich hinterrücks vom Kanapee geradewegs mitten in selige Träume von längst vergangenen bis nie dagewesenen Pennälerzeiten befördern. Man müsste mir schon ordentlich die Schenkel klopfen um mich daraus wiederzubeleben. Konsumkritische Reanimation war vor dem Krieg. Mit Strohrum getränkter Zucker befeuert das Gestern als sei es tatsächlich so gewesen. Pfeiffer auf die Hintergründe, sie sind egal. Der Alkohol macht doch so schön dumpfbackig und sentimental…
    Schwachsinn, Schwachsinn, Du mein Vergnügen, Stumpfsinn, Stumpfsinn, Du meine Lust! Nur wenn ich saufe, kann ich mir selbst genügen, was kümmert mich dann noch der Welt Leid und Frust…

    Liebe Samstagsgrüße,
    ein feiner Beitrag, Mick…✨

    Gefällt 2 Personen

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  1. [Alles mit links] Feuerzangenbowle – the same old story (again, again and again) – #Literatur

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