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Das digitale Debakel

31. Januar 2016

Wenn du dich in einer Situation wiederfindest, wo du deine Versprechen nicht einhalten kannst, das nennt man wohl einen Albtraum.

Das Internet vernichtet Arbeitsplätze, unterbindet den Wettbewerb und befördert Intoleranz und Voyeurismus. Es ist kein Ort der Freiheit, *

Das ist eine ziemlich starke Dröhnung, die wir da verpasst bekommen. Von Freiheit und Überwachung wird die Rede sein. Wie leicht man abhängig wird, obwohl man immer glaubt ungeschoren davon zu kommen. Die Schere zwischen Armen und Reichen wird ebenso thematisiert wie die Frage wo denn der Mitte einer Gesellschaft geblieben ist.

Das gute alte Internet ist so allmählich ins Gerede gekommen. Und nichts geschieht zufällig, wie mir scheint. So lese ich zur Zeit Das digitale Debakel von Andrew Keen. Das Buch war plötzlich in der Bibliothek und es ist mir dort ins Auge gefallen.

Mit schon fast literarischer Qualität beschreibt sein Autor hier, wie es dazu kam und vermutlich auch, wie es weitergehen soll. Was die Vergangenheit anbelangt, so kann ich manches nachvollziehen.

Das andere habe ich noch nicht gelesen. Es ist ein ziemlich düsteres Bild, was hier entworfen wird. …wenn man das Gesuchte nicht entdeckte, dann arbeiteten in den Läden keine Algorithmen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut, die den Kunden Fragen beantworten und Hör- und Kaufempfehlungen geben konnten. S.149f

Ein Algorithmus – wenn er denn ernst genommen werden soll – darf niemals subjektiv wirken. Er ist also nicht menschlich. Er ist Maschine.

Gelesen habe ich in der Jugend: Martin Luther & Thomas Münzer. Das ist ein Theaterstück von Dieter Forte. Widergefunden habe ich es in meinem schon sattsam bekannten Kellerregal. Bekannt wurde ich mit dem Buch, weil ein Lehrer im Unterricht vor meinem Abitur meinte, es sei gut für unseren geistigen Werdegang.

Dieses Stück prüft unsere Vorstellungen über die Reformation, die Bauernkriege und die Entstehung des Kapitalismus. … Die historische Wahrheit erscheint uns neu, die Situation vertraut… **

2.Bürger(ruft): ‚Das kostet Geld. Kostet alles unser Geld. Habt ihr überhaupt Geld?‘
3.Bürger: ‚Nur wer Geld hat, darf auch eine Meinung haben, weil er dann von vornherein die rechte Meinung hat.‘
1.Bürger: ‚Überhaupt geht nix über Geld. Was brauch ich da noch eine Meinung.‘
S.7

Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Oft kommt es in anderer Gestalt auf den Plan. Die Beweggründe scheinen aber die alten zu sein. Hier schließt sich dann ein Kreis.

Andrew Keen: Das digitale Debakel. Warum das Internet gescheitert ist – und wie wir es retten können. Deutsche Verlags-Anstalt. München 2015.
ISBN 978 3 421 04647 5
Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer.

* Auszug Klappentext, ebenda.

Dieter Forte: Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung. Verlag Klaus Wagenbach. Berlin 1972. ISBN 3 8031 0048 8

** Auszug aus der FAZ auf dem Umschlag, hinten. Ebenda.

PS.:
So richtig gläubig bin ich wohl nicht. Es dauert manchmal, bis ich etwas verstanden habe. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Das geht auch ohne Gott. Kann man denn christlich sein ohne an Gott zu glauben? Was ist das überhaupt für ein Wesen? Oder ist es ein Gedanke?

Zum Staunen ist immer etwas da. Und der Zweifel ist auch nur eine Form von Nicht-Wissen. Von daher ist immer was zu tun. Zu den Beobachtern fühle ich mich zur Zeit besonders hin gezogen. Ich bin davon überzeugt, das nur so ein Leben gerade möglich ist. Und was danach kommt das wissen wir ja auch nicht. Wir haben so unsere Überzeugungen.

An dieser Stelle danke ich allen, die – wissentlich oder auch unwissentlich, auf mich acht gegeben haben und dies auch hoffentlich noch lange weiterhin tun werden. Demütig ist das und versprochen ist, dass ich mich auch weiterhin bemühen werde acht auf die Nächsten zu geben.

„Ich will keinen Realismus mehr, ich will verzaubert sein.“ Blanche DuBois in Endstation Sehnsucht.

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From → Liebe, Musik, Sprache

8 Kommentare
  1. Der letzte Satz gefällt mir ganz besonders 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. … ich bin schon verzaubert. hab mich einfach dazu entschieden … 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Danke für diesen Text, Mick, und ganz besonders für das P.S., das mir aus dem Herzen spricht.

    Gefällt 2 Personen

  4. Schöne Worte und gute Worte und achtenswerte und bedenkenswerte Worte, die du da unter dem PS: versammelt hast, lieber Mick. Achten und Beob-achten und acht-geben. Ich will mich weiterhin bemühen.

    Liebe Grüße aus Freiburg

    Achim

    Gefällt 3 Personen

  5. Stimmen, wie die von Andrew Keen, gibt es zu wenige, und sie gehen im dem ganzen Hype des Web 2.0 unter oder werden durch Algorithmen aus dem Wahrnehmungsfeld „herausgerankt“. Deshalb ist es so wichtig, dass es Blogs gibt, die diesen Stimmen wieder Aufmerksamkeit verschaffen. Danke für diese Kurzbesprechung.

    Gefällt 1 Person

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  1. [Alles mit links] Das digitale Debakel – #Literatur

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