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Viertens: Ricercar

6. März 2016

Herr Achilles, Herr Schildkröte..und alle anderen. *

Achilles, die Schildkröte und die anderen ziehen sich seit der 33.Seite durch dieses Buch. Sie sind behilflich Gedankengänge, die Hofstadter darlegt, zu verdeutlichen und in eine Sprache zu übersetzen, die eigentlich jeder verstehen könnte.

Aus der Sicht des Autos und seiner Übersetzer, Philipp Wolff-Windegg und Hermann Feuersee unter Mitwirkung von Werner Alexi, Ronald Jonkers und Günter Jung, ist das erstmal völlig plausibel. **

Der Leser oder die Leserin muss nur genügend Zeit mitbringen und sollte nicht allzu respektvoll sein. Respektvoll hauptsächlich gegenüber sich selbst. Da werden schon einige gewohnte Denkmuster angegangen. Terry Pratchett lässt grüssen.

Alles beginnt mit einer dreistimmigen Invention. Die wird dann zweistimmig (S.47ff) um dann in eine Sonate für Achilles solo (S.66ff) zu münden. Die Frage nach der musikalischen Begleitung von „phantasmaorgischen Tieren“ wird zum Beispiel dort gestellt aber noch nicht abschliessend geklärt.

Contrakrostipunktus (S.81ff), Kleines harmonisches Labyrinth (S.113ff), Kanon durch intervallische Augmentation (S.165ff) usf. bilden den jeweiligen Abschluss der Kapitel in Teil I. Davor findet man immer eine mathematische Herleitung, eine Beweisführung oder so.

In Teil II geht es munter so weiter, wie ich annehme. Zumindest bildet das Ricercar zu sechs Stimmen den vorläufigen Abschluß der mathematisch-philosophischen Überlegungen Hofstadters.

Wer den Zitaten gefolgt ist, hat spätestens jetzt erkannt, dass ich schon abgetaucht bin in dieser Geschichte. Ich lese quer, beisse mich fest, folge verschiedenen Strängen der Geschichte.

Ich weiß nicht, ob man so vorgehen kann. Doch es wollen Verweise und Sekundärartikel gelesen werden. Schnell wusste ich mir nicht anders zu helfen.

„Musikalische Form

Das Fehlen des Textes und die Verwendung instrumentaler Spielfiguren und Verzierungen ermöglicht eine freiere musikalische Gestaltung.

Die instrumental komponierten Ricercari sind beeinflusst von der musikalischen Form der Motette. Sie bestehen aus einer losen Aneinanderreihung von Durchführungen, in denen jeweils ein anderes Thema vorherrscht. Im Laufe der Zeit reduziert sich die Anzahl der Themen, bis schließlich das Ricercar mit einem Thema nahtlos zur Fuge führt.

Das Ricercar ähnelt der Fantasie oder Toccata; im freien Präludieren wird die Tonart des nachfolgenden Stücks aufgesucht. Das Ricercar ist eine Vorform der Fuge.“ ***

Hofstadter spielt mit den Worten aber nicht mit den Inhalten. Da ist er ganz ernst und bei der Sache. Seiner Sache. In dem hier erwähnten Abschnitt lese ich viel über Geräte und deren Funktion.

Sie sind klein und handlich. Zu dieser Zeit ist das schon bemerkenswert. Die Geräte werden Klug-Dumm genannt. Sie werden sich im Laufe der Zeit erst noch zu Rennern mausern und eine Kleinheit erreichen, die wohl noch nicht zu Ende ist. Ihre Hochzeit kommt jetzt erst zur Geltung..

Aber sie mit dem Namen Klug-Dumm zu rufen, das hatte schon was. Immerhin ging es auch darum, die Grundlagen von Künstlicher Intelligenz auszuloten. Ich vermute mal Hofstadter hat genau gewusst was er tat, als er diesen Namen wählte.

Computer sind Kenchte, die alles tun, was ihnen ihre Herren – und natürlich auch ihre Damen – auftragen. Und die sitzen gewöhnlich ganz in ihrer Nähe. (Fifo = First in, first out; das alte Prinzip ist immer noch gültig, irgendwie.)

Diese Sache ist Mathematik. Und alles, was damit zusammenhängt auch. Genauer gesagt ein Endloses Geflochtenes Band.

Ein wunderbares Buch. Und gut, dass ich es erst jetzt lese. (So habe ich wenigstens die Chance ein wenig dessen zu verstehen… um es dann für mich neu zu bewerten.)

Douglas R. Hofstadter: Gödel, Escher, Bach ein Endloses Geflochtenes Band. Kett-Cotta 1989. ISBN 3 608 93037 X

* Ebenda: Ricercar zu sechs Stimmen (S.768ff)
** Siehe die Verlagsangaben
*** Aus: Deutsche Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Ricercar)

Mein Epilog kommt noch 🙂

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From → Musik, Sprache

5 Kommentare
  1. RolandoFurioso permalink

    „Klug-Dumm“ übrigens in Entsprechung zu Pianoforte, also dem Instrument, auf dem Bach beim Alten Fritz anno 1747 sein Musikalisches Opfer interpretiert.

    Gefällt 1 Person

  2. Hui! Möglicherweise fiele mir der Biss dazu. Schön, dass sich deine Respektlosigkeit dir selbst gegenüber gelohnt hat: „Ein wunderbares Buch.“
    Herzliche Grüße!

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    • mickzwo permalink

      In der Tat, es ist ein wunderbares Buch. Ich bin froh, dass ich es getroffen, und auch wie ich es getroffen habe.

      Ich grüße herzlich zurück! mick.

      Gefällt mir

Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Viertens: Ricercar – #Literatur

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