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Chuck’s Zimmer

15. März 2016

Nach einer langen Zeit beweg ich mich endlich
Es ist drei Uhr nachmittags
Zehn Jahre sind vergangen
(Chuck) *

Wir befinden uns am Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Mit dem Besuch eines persischen Potentaten macht sich die Nation auf, in die schon lang fällige Pupertät.

Die gestrengen Eltern trauten ihren Augen nicht. Alles von dem sie glaubten, es sich unter Mühen erarbeitet zu haben, wurde nun öffentlich in Frage gestellt.

Wer als hip angesehen werden wollte, musste experimentieren, vorgeben dass er zuhört und cool sagen, dass er fragt. So ungefähr. Amerika ließ schön grüßen.

Die Nummer des Clowns

Wenn alle schlafen,
hört es ein kleines Kind,
geht in die Welt hinaus,
landet auf den Mond,
raucht dort die erste Zigarette
und spürt beim Husten,
wo die Seele sitzt,
wacht auf,
Gute Nacht liebe Sonne!
und beginnt den neuen Tag damit,
auf das rechte Auge
des Astronauten
zu zielen.
**

Gut und gerne zehn Jahre braucht es schon, bis so etwas ausgestanden ist. Zum Ende der siebziger wird vieles vordergründig anders sein. Ob nun klammheimlig oder öffentlich, an der Macht beteiligte oder all die scheinbar Machtlosen, Blessuren hat es für jeden gegeben.

Die Welt – und mit ihr diese Nation – machte sich auf, ihr Halbstarkenimage abzulegen. Und die Berufszaungäste trauten ihren Augen nicht.

Das ist die Stunde kurz nach Mitternacht,
die Katze, die dich anschaut
und nicht lacht.
Es ist nichts mehr zu tun.
Du öffnest die Finger,
siehst die Morgenröte
und den Engel, der geht
um sich auszuruhn.
***

Wurde das Leben dadurch einfacher? Es ist kaum zu glauben. Bei dem Thema Übersichtlichkeit, hege ich auch so meine Zweifel. Durchschaubar war es dagegen schon. Man muss da schlechterdings ganz genau hinsehen. Kaum jemand macht sich aus freien Stücken so eine Arbeit. Ablenkung gibt es genug. Das ist schöner und man fühlt man sich gleich wohl. Fast wie betäubt.

Ein running gag über Kommunikation ist: „Man kann über alles reden, nur nicht über einsdreissig.“ Running ist in diesem Zusammenhang schon richtig. Aber gag nicht. Das ist ernst gemeint.

Unser Planet ist so vielfältig doch wir verhalten uns, als ob es für uns noch den ein oder anderen gäbe. Und es sagen manche, Lyrik hätte nichts mit Politik zu tun. Ich finde der Satz, nachdem sich die Geschichte nicht wiederholen könne, sollte irgendwie.. überdacht werden.

Wolf Wondratscheck: Chuck’s Zimmer. Gedichte/Lieder. München 1974. ZWEITAUSENDUNDEINS. Ohne ISBN.

* ebenda S.23, ** ebenda S.33, *** ebenda S.64

Zusatz:
Siehe auch den Artikel Fortschritt.

Zum Thema Ablenkung: wurde ich auch. Mit diesen Lied wurde ich von der formidablen Wolkenbeobachterin bekannt gemacht. Grandios. Abgelenkt wurde ich auch von dem, diesem und immer auch von dem… ach was, wer will da noch die Übersicht behalten?

Angeregt durch einen Artikel, den ich bei der Wildgans im Weblog gefunden habe.

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From → Liebe, Sprache

2 Kommentare
  1. Guten Morgen Mick, ich habe jetzt erst die Verlinkung zu meinem Blog gesehen, vielen lieben Dank. Freut mich zu lesen, dass Dich ein Song auf meinem Blog inspirieren konnte. 🙂 Wolf Wondratscheks Lyrik mag ich sehr, sehr. Gerade habe ich die Lyrik von Kurt Aebli für mich entdeckt, kennst Du die? Vielleicht fällt Dir ja mal irgendwann irgendwo eines seiner Gedichtbände in die Hand. Sehr schöne Sprache, sehr schöne Sprachbilder, ungewöhnlich, tief, frisch.
    Einen schönen Feiertag wünsche ich. Liebe Grüße von Nebenan

    Gefällt 1 Person

Trackbacks & Pingbacks

  1. [Alles mit links] Chuck’s Zimmer – #Literatur

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