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…und ein Edelmann

23. März 2016

Gott hat einen starken linken Haken. *

Schließlich versucht Sorbas es so:

„Gibt es einen Gott oder nicht? Was sagst du dazu, Chef? Und wenn es ihn gibt – alles ist möglich -, wie stellst du ihn dir vor?“ Ich hob die Suchltern, ohne zu antworten.

„Ich – aber lache nicht! – stelle mir mir Gott vor genau wie mich. Nur größer, kräftiger, verrückter. Und außerdem unsterblich. Er sitzt bequem auf weichen Schafsfellen und seine Baracke ist der Himmel. Nicht aus Benzinkanistern wie unsere, sondern aus Wolken.

In seiner Rechten hat er weder Schwert noch Waage – damit gehen Metzger und Krämer um. Gott hält vielmehr einen großen Schwamm voll Wasser in der Hand, wie eine Regenwolke. rechts von ihm ist das Paradies, links die Hölle. Da kommt denn die arme Seele, splitterfasernackt, sie hat ja ihren Körper verloren, und zittert vor Kälte. Gott blickt sie an und lacht verschmitzt, dabei macht er den strengen Richter. ‚Komm her!‘ sagt er zu ihr mit lauter Stimme. ‚Komm her, du Verdammte!‘

Dann beginnt das Verhör. Die Seele fällt Gott zu Füßen. ‚Wehe!‘ ruft sie, ‚ich habe gesündigt!‘ und sie fängt an, ihre Sünden herunterzuleiern. Eine Litenei, die kein Ende nimmt. Gott hat bald die Nase voll, er gähnt. ‚Schweig endlich!‘ schreit er sie an, ‚du brüllst ja, daß mir der Schädel platzt!‘ und schwupps! fährt er mit dem Schwamm durch die Luft und löscht alle Sünden aus. ‚Mach das du weiterkommst! Ins Paradies!‘ sagt er. ‚Petrus! Laß die hier auch hinein, das arme Kind!‘

Denn das mußt du wissen, Chef: Gott ist ein Edelmann, und der wahre Adel liegt im Verzeihen!“ S.90

* Peter Fox: Haus am See. Aus dem Album Stadtaffe.

Nikos Kazantzakis: Alexis Sorbas. Roman. Aus dem Neugriechischen übertragen von Dr. Alexander Steinmetz. Rowohlt-TB 1955. Hier: 476.-500.Tausend. März 1984. ISBN 3 499 10158 9

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From → Liebe, Musik, Sprache

6 Kommentare
  1. Was für ein ermutigender, tröstender Text! 🙂

    Gefällt 2 Personen

    • mickzwo permalink

      Am Niederrhein sagt man: Da trog sich de Foos et Fell över de Kopp! 🙂

      Gefällt 2 Personen

      • das kann ich fast verstehen 😉

        Gefällt mir

        • mickzwo permalink

          Hallo tomorrowdefinitely!
          Ich war etwas im Osterurlaub, so komme ich erst jetzt dazu Dir zu antworten. „Da trog sich de Foos et Fell över de Kopp!“ Das habe ich zuerst bei meinem Lieblingsdichter gehört, ich glaube es war im Programm Das schwarze Schaf vom Niederrhein „Da trog sich de Foos et Fell över de Kopp! Alles hätt nen Övergang.“ Dem könnte ich stundenlang zuhören und lange darüber nachdenken, wie er das wohl gemeint hatte. Zum diesem Zeitpunkt glaube ich es könnte bedeuten, daß nichts so ist wie es scheint. Ich finde es passt ganz gut zu dem Text und zu Deinen Kommentar dazu. (Möglicherweise kann man das aber auch ganz anders sehen.)
          LG, mick (aka willi, aka ernst).

          Gefällt 3 Personen

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