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Oder so: Owen Meany

8. Mai 2016

Schon erstaunlich, wie wir uns auf Kleinigkeiten stürzen.

Nicht nur Gier macht dumm, Angst ja auch. Vielleicht geht das Eine ohne das Andere gar nicht.

Owen Meany war weder gierig noch ängstlich. Im Gegenteil: Wozu soll es gut sein, wenn man jemandem Angst einjagt? Das war ein Fundament seines Glaubens.

Glaube hat nichts mit Intellekt zu tun, weil, wer … so viele Zweifel hat, (…) ist im falschen Geschäft, war wohl seine Ansicht. (S.163) Er war klein aber nicht unscheinbar. Der war immer präsent.

Viele hielten ihn wohl auch deshalb für verrückt; darunter ziemlich alle, die ihn liebten. Und das waren nicht viele.

Seine Hässlichkeit war schon fast legendär; für ein Kind ist das beinahe tödlich. Aber er war beharrlich: Beharrlich wollte er dabei sein; wollte auch allen zeigen, wo der Weg lang ging.

Bewunderer hatte er mit der Zeit schon mehr, und Feinde (davon hatte er viele – er besaß wohl kaum Hemmungen sich welche zu machen). Die meisten hielten ihn für übergeschnappt, zumindest für eigensinnig. Manche wollten ihn verachten, wurden aber schnell eines besseren belehrt.

Owen Meany war es gewohnt zu polarisieren. Sich verachten zu lassen, war nicht sein Ding. Wütende Anhänger und ungläubiges Staunen konnte er schon eher ertragen. Er war eben beharrlich.

Niemand kam auf die Idee, dass er sich für ein Werkzeug Gottes hielt. Der konnte gar nicht anders. Es war der Sommer 1968 und der Vietnamkrieg steuerte gerade auf seinen Höhepunkt zu. … der Sommer 1968 litt an der Mischung von Mörderischem und Trivialem, die für unsere Gesellschaft typisch und alltäglich werden sollte. (S.737)

Ein gewaltiges Buch über eine gewaltige Zeit. Im Nachhinein ist immer alles so einfach zu verstehen. Bloß erinnern muss man sich.

John Irving: Owen Meany. Diogenes TB 22491. 1992
ISBN 3 257 22491 5

Im Handel und in Bibliotheken.

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From → Liebe

7 Kommentare
  1. Graugans permalink

    Also, lieber Mick, bisher mochte ich den John Irving nicht besonders, aber jetzt, nach Deiner wundervollen Beschreibung, weiß ich wieder nicht so recht…vielleicht sollt ich doch ins Buch reinschauen…liebe Grüsse

    Gefällt 1 Person

  2. Ich weiß noch genau, wie sich dieser Aha-Effekt anfühlte, lieber mick. Herr Irving ist eh ein Meister in solchen Handlungssträngen den Grund für etwas aufzubauen, aber das war sein absolutes Meisterstück. Ich habe das Buch sofort nochmals gelesen…

    Erinnern wir uns, am besten gemeinsam, so wie Sie es hier vorlegen.
    Hoffnungsvolle Grüße, Ihre Käthe.

    Gefällt 2 Personen

  3. Schönes Buch – und eine sehr originelle Besprechung Deinerseits, Respekt.
    Viele Grüße + einen schönen Tag,
    Gerhard

    Gefällt 3 Personen

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  1. [Alles mit links] Oder so: Owen Meany – #Literatur

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