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funny girl

26. Mai 2016

Wir kennen die Lichtgeschwindigkeit, aber welche Geschwindigkeit hat das Dunkel? *

  „Man muss lustig sein, um so einen Tag zu überstehen.“
  „Hör auf!“
  „Kann ich nicht.“
  „Natürlich kannst du das.“
  „Ich hab’s versucht. Es geht nicht.“
  „Azi, wir kommen gerade von einer ‚Beerdigung‘.“
  „Ich weiß, ich weiß.“ Azime schien endlich den Ernst des Augenblicks zu erfassen. Aber dann fragte sie doch: „Wie nennt man einen Schwarzen, der ein Flugzeug steuert?“
  „Hör auf! Hör bloß auf. Ich mein’s ernst.“
  „Ein Schwarzer, der ein Flugzeug steuert. Na los, wie nennt man den?“
  Jetzt zuckte Banu nur noch mit den Schultern. Sie gab auf. Was sollte man mit einem Mädchen wie Azime machen? Sie war unverbesserlich. Nicht zu retten. Hoffnungslos übergeschappt. „Keine Ahnung. Weiß nicht. Sag’s mir – wie nennt man einen Schwarzen, der ein Flugzeug steuert?“
  „Einen Piloten, du rassistische Kuh!“
   Banu schlug die Hand vor den Mund, aber ihr Lachen konnte sie trotzdem nicht verbergen. …
(S.19)

Azime ist Anfang zwanzig, Jungfrau, lebt im Norden von London und hat sich vorgenommen Comedian zu werden. Sie ist – will man ihrer Selbstauskunft glauben – unpolitisch, hängt an ihrer Familie und hat jemanden bei dem sie sich geborgen fühlt.

Für dich ist das lustig. Für mich ein Alptraum. (S.38) Deniz ist ein Chaot doch sie fühlt sich gut in seiner Gegenwart.

So nimmt sie allmählich den Kampf mit den Koventionen auf, die sie umgeben. War die Welt tatsächlich nur das, was man in sie hineinlas? (S.78)

Sie notiert Sätze wie: „Im 21. Jahrhundert lebt in so einem Land jeder in der Hoffnung, dass er nie in eine Situation kommt, in der er Zivilcourage zeigen muss.“ Oder: „Wer Ruhe bewahrt, während rings um ihn das Chaos tobt, hat vermutlich nicht mitbekommen, was los ist.“ (S.107)

In der Zugabe lässt McCarten seine Protagonistin unter anderem folgendes sagen: „Wisst ihr, was für meine Begriffe das Geheimnis eines glücklichen Lebens ist? Der Schlüssel dazu? Nicht Wissen – anscheinend lernen wir nie aus unseren Fehlern. Das Lachen! Was sind wir ohne das Lachen?“ (S.374)

Als ich dieses Buch las, musste ich z.B. an den Film Billy Elliot denken. Dieser Film spielt auch in England, jedoch in einer ganz anderen Situation, in einem völlig anderem Milieu. Aber er handelt auch davon, wie jemand seinen Weg sucht und ihn letztlich auch irgendwie findet.

In einer Danksagung zu einem, zugegeben ziemlich blutrünstigen, Krimi las ich folgende Sätze: Dieser Roman ist reine Fiktion, das gilt für die Geschichte ebenso wie für die handelnden Personen. Trotzdem gibt es hier und da Berührungspunkte mit der Realität… **
Das Buch funny girl ist in diesem Sinne nicht blutrünstig. Aber es ist Fiktion. Und das im besten Sinne.

Anthony McCarten: funny girl. Roman, 2014. Aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. Diogenes-Verlag.
ISBN 978 3 257 24316 1
* Ebendort S.269

** Jürgen Kehrer: Lambertussingen. Kriminalroman. rororo 26864
Dieser Roman sollte mich unterhalten, was er auch tat. Die entsprechenden Sequenzen konnte ich einfach überblättern. Es tat meinem Anspruch an ihn keinen Abbruch. (Ich hatte einmal das Vergnügen diesen Autor einen Tag lang zu begleiten. Das war rundum angenehm. Einen sehr kultivierten Menschen hatte ich da vor mir.)

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From → Liebe, Sprache

3 Kommentare
  1. Hi Mick, sag mal hast du auch mal über Hermann Hesse geschrieben? Zum Beispiel über „Die Kunst des Müßiggangs“? Wenn nicht, möchte ich dich gern dazu anregen, wäre gespannt auf deine Sicht seiner Ausführungen. Liebe Grüße!

    Gefällt 1 Person

    • mickzwo permalink

      Bis vor kurzem hatte ich so ein Buch im Schrank stehen. (Es war wohl etwas Biographisches aus seiner Schulzeit?) Nach zwei neuerlichen Versuchen es zu lesen, habe ich es schlußendlich in einem öffentlichem Bücherschrank ‚freigelassen‘. Die Versuche es zu lesen waren nicht sehr erfolgreich. Es war wohl nicht das Richtige für mich.

      Den Titel, den Du da genannt hast, kannte ich noch nicht. Ich habe ihn auf meine Leseliste gesetzt und werde sehen ob das besser geht. Den Hermann Hesse beurteilen kann ich also nicht.

      Ich glaube ja wirklich, das die Geschichten sich ihren Leser selbst aussuchen. Darum kann ich Dir auch nichts Versprechen. Ich danke Dir aber für Deinen Vorschlag 🙂

      Wenn Du wissen willst worüber ich schon mal geschrieben habe, kannst Du das bei den Autoren sehen. (https://allesmitlinks.wordpress.com/autoren-alphabetisch/) Es sind es durchweg positive Besprechungen. Ich mag nicht mein Missfallen über etwas äußern, was einer sich abgerungen hat. In der Regel habe ich die Macher ja gar nicht kennen gerlernt, sodass ich mir einen Verriss auf keinen Fall zutrauen würde.
      Liebe Grüße, mick.

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  1. [Alles mit links] funny girl – #Literatur

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